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Grüne und FDP : Die Stunde der Kleinen

  • -Aktualisiert am

Gut drauf: Christian Lindner und Nicola Beer am Sonntag beim Parteitag Bild: Reuters

Die Grünen sind schwach und müssen sich gegen die FDP behaupten. Deren Wähler könnten eine böse Überraschung erleben – mit der Ampel.

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          So haben die Grünen sich das gewiss nicht vorgestellt. Eine Woche vor der Bundestagswahl müssen sie einen Kampf nach unten führen, keinen nach oben in Richtung Kanzleramt. Der Abstand zur Union ist in den Umfragen deutlich größer als der zur FDP. Die vor Monaten festgelegte Triell-Architektur gaukelt inzwischen falsche Verhältnisse vor. Ihr Wahlergebnis von 2017 (8,9 Prozent) werden die Grünen zwar deutlich verbessern können.

          Aber sie haben sich selbst ganz andere Maßstäbe gesetzt, die sie nicht werden halten können. Baerbock dient sich längst als Juniorpartnerin für den SPD-Kandidaten Scholz an. Wer auf die Grünen hoffte, wird enttäuscht sein. Der Partei drohen bei den Landtagswahlen in den nächsten Jahren weitere Korrekturen, womöglich sogar ein Durchreichen nach unten.

          Das beste Argument für eine Ampel

          Die Augen richten sich vor allem auf die FDP. An der wird von allen Seiten gezogen. Wenn sie klug ist, behält sie aber die Betonschuhe an und bewegt sich bis zum Wahltag nicht. Sie will regieren, darf aber nicht zu billig zu haben sein. Manche wirtschaftsnahen Unions-Wähler mögen nun zur FDP schwenken, um „Schlimmeres“ zu verhindern, wenn die Union weiter schwächelt – womit sie freilich die Union weiter absinken lassen.

          Eine so erstarkte FDP – das wäre der Treppenwitz – würde dann aber womöglich Teil einer Ampel-Koalition werden. Zwar sagen die Freien Demokraten immer, mit ihnen werde es keinen Linksrutsch in Deutschland geben. Gerade dieses Versprechen aber könnte das lauteste Argument für ein Bündnis mit SPD und Grünen sein.

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          Sowohl in einer Jamaika- als auch in einer Ampel-Koalition müssten die „großen Kleinen“ FDP und Grüne, die inhaltlich bei vielen Themen an entgegengesetzten Enden stehen, zusammenarbeiten. Eine Ampel-Koalition wäre wohl besonders wacklig. Rheinland-Pfalz, das seit Jahren von einem solchen Bündnis regiert wird, taugt nicht als Vorbild. Malu Dreyer hat als Ministerpräsidentin eine SPD hinter sich, die ihr voll und ganz folgt. Das ist bei Scholz anders. Die Parteilinke will den Sieg, viele Jusos in den Bundestag einziehen. Noch verfolgen sie alle ein Ziel. Aber wie lange noch?

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

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