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16 Direktmandate : Siegreich im grünen Kernmilieu

Zum ersten Mal seit 2009 hat die CSU nicht alle Wahlkreise in Bayern gewonnen. Der Grund heißt Jamila Schäfer, hier beim Wahlkampf mit Cem Özdemir in München. Bild: Lakuntza, Nerea

Seit 2002 konnten die Grünen nur einen Wahlkreis direkt gewinnen, einen besonders grünen Flecken in Berlin. Dieses Mal holt sich die Partei gleich 16 Direktmandate. Eine schmerzliche Niederlage fügt sie der CSU zu.

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          Bislang war es den Grünen seit 2002 nur gelungen, aus dem kleinsten Wahlkreis der Republik, nämlich Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost, einen direkt gewählten Abgeordneten in den Bundestag zu schicken. Nirgendwo sonst ist das grüne Kernmilieu so präsent. Doch in der künftigen Bundestagsfraktion werden 16 Abgeordnete der Partei sitzen, die ihr Mandat per Erststimmensieg holten. Erfolgreich sind grüne Direktbewerber in Groß- und Universitätsstädten, nicht auf dem Land und nicht im Osten. Unter ihnen sind prominente Grüne wie Cem Özdemir in Stuttgart, der Ko-Vorsitzende Robert Habeck in Flensburg oder Omid Nouripour in Frankfurt.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Im Südwesten gewannen die Grünen neben dem Wahlkreis Stuttgart Süd auch Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg. Bemerkenswert ist, dass Özdemir im vierten Anlauf mit 40 Prozent der Erststimmen grüner Stimmenkönig wurde; die Stuttgarter CDU verbuchte das schlechteste Ergebnis seit 1953. Die Karlsruher Kandidatin Zoe Mayer verdrängte den langjährigen CDU-Abgeordneten auf Platz drei und Chantal Kopf gewann den Freiburger Wahlkreis, zu dem auch viele Kaiserstuhl-Wahlbezirke gehören, die früher CDU-Hochburgen waren.

          Zugleich gibt es ländliche Wahlkreise wie Backnang Schwäbisch-Gmünd, wo die grünen Kandidaten auf Platz vier landeten – hinter CDU, FDP und AfD. Auch sind die Grünen in Wahlkreisen der Universitätsstädte nicht automatisch erfolgreich: In Tübingen verfehlte der ehemalige grüne Landesvorsitzende Chris Kühn knapp sein Ziel, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Er bekam 25,7 Prozent der Erststimmen. Die bisherige Abgeordnete, Staatsministerin im Kanzleramt Annette Widmann-Mauz von der CDU, erlangte 27 Prozent. Das liegt an konservativ geprägten Tübinger Vororten, die zu dem Wahlkreis gehören.

          Drei Grünen-Kandidaten sind in Berlin erfolgreich

          Berlin ist künftig mit drei direkt gewählten grünen Abgeordneten vertreten: Canan Bayram verteidigte den erstmals 2002 von Hans-Christian Ströbele direkt erkämpften Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost; in Mitte gewann Hannah Steinmüller, in Pankow Stefan Gelbhaar. In München-Süd setzte sich mit einem sehr knappen Vorsprung Jamila Schäfer gegen den derzeitigen CSU-Abgeordneten Michael Kuffer durch.

          Auch in Nordrhein-Westfalen gewannen die Grünen erstmals Direktmandate. Im Wahlkreis Köln II erzielte der frühere Landesvorsitzende Sven Lehmann 34,6 Prozent der Stimmen, rund zehn Punkte mehr als die zweiplatzierte Kandidatin der CDU. In Bonn zog sich das Kopf-an-Kopf-Rennen am Sonntag lange hin: Kurz nach Mitternacht stand dann fest, dass Katrin Uhlig (Grüne) im einstigen Wahlkreis von Konrad Adenauer mit 216 Stimmen vor ihrer SPD-Konkurrentin Jessica Rosenthal lag.

          Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hatte sich nicht um ein Direktmandat beworben – er bekommt ein Listen-Mandat –, doch dass sich in seinem Heimatwahlkreis Aachen ein Grüner gegen seinen Parteifreund Rudolf Henke durchsetzen konnte, dürfte ihn schmerzen. Oliver Krischer setzte sich in Aachen I mit 30 Prozent der Stimmen durch. In der Universitätsstadt Münster waren die Grünen ebenfalls erfolgreich: Erstmals stellen sie im Wahlkreis Münster I mit Maria Klein-Schmeink die Direktabgeordnete; sie kam auf gut 32 Prozent.

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) schaffte es in ihrem Heimatwahlkreis mit 24 Prozent nur auf Platz drei. In Hamburg wiederum gewann in Altona Linda Heitmann und in Elmsbüttel Till Steffen, der ehemalige Justizsenator in der Hansestadt. 

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