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Bundestagswahl : „Die CDU rückt nach rechts, ein Problem für Angela Merkel“

Die Union setzt auf eine klassische Kampagnen-Führung, sie wird das Thema total stressen und in allen Variationen die Melodien durchspielen. Die Union versucht sich als Garant von Sicherheit zu positionieren, Frau Merkel sagt: „Sie kennen mich.“ Ich halte das im Hinblick auf die Bundestagswahl letztlich nicht für schlüssig. 

Wieso?

Die Linke ist nur ein Nebenschauplatz. 2017 funktioniert keine Rote-Socken-Kampagne mehr wie 1998 und damals ist dies auch schon gescheitert. Die SPD wird für sich werben und nicht für Rot-Rot-Grün oder die Linkspartei. 

Im Saarland ist die Option Rot-Rot zum Problem geworden.

Das Ergebnis dort lässt sich nicht verallgemeinern. Es handelte sich um eine außergewöhnlich beliebte Ministerpräsidentin, es gab keine Wechselstimmung. Hinzu kam die Omnipräsenz von Oskar Lafontaine, die sich zum Ende hin entwickelt hat, das war nicht zuträglich zum Ergebnis. 

Was ist im Bund anders?

Die Situation ist komplett offen: Wir haben ganz unterschiedliche Koalitionsoptionen und wie man sich da taktisch in der ein oder anderen Frage verhalten wird, das werden alle Parteien beantworten müssen. Das Verhältnis der SPD zur Linken zum zentralen Thema zu machen, ist eine sehr dünne Strategie, die bei der Union zu neuen Problemen führen wird. Wenn ich da sehr stark eine Kampagne fahre, die nach „Untergang des Abendlandes“ klingt, dann bleibt’s normalerweise nicht dabei, dann braucht es eine inhaltliche Unterfütterung.

Dass die Union sich konservativer positioniert, deutet sich schon länger an. 

Genau. Ansätze gibt es schon: Wahlkampf gegen den Doppelpass, andere Anstöße kommen wahrscheinlich vom „Konservativen Aufbruch“, der sich zuletzt gebildet hat. Damit rückt die CDU nach rechts und verengt ihr Spektrum. Das wird zum Problem für Angela Merkel. Zum einen kauft man ihr so eine konservative Profilierung nicht ab, zum anderen hat sie die Partei in die Mitte geführt und ihr neue Wählerschichten eröffnet. Diese neuen Anhänger kann man mit konservativer Profilierung leicht verprellen. Dann gibt es noch die proeuropäische Bewegung, die zunehmend an Einfluss gewinnt und sehr stark im Bürgertum verankert ist. Bei diesen Menschen sorgt das nationale Thema für Irritation.

Die eigentlichen Gefahren lauern für die CDU – verstehe ich Sie da richtig?

Weite Teile der Union drängen nach rechts – aus Angst, die konservatives Stammklientel an die AfD zu verlieren. Viele davon kann man aber gar nicht mehr zurückgewinnen. Um Werte wie 2013 zu erreichen, muss die Partei in der Mitte bleiben. Das ist eine Zerreißprobe, die außerdem leicht in die Unglaubwürdigkeit führt.  Und wenn ich mir die Situation anschaue, die sich seit Anfang des Jahres darstellt, ist die SPD heute auf Überholnähe zur Union. Die Zahl der Koalitionen ist für beide nahezu gleich groß. 

Das Ausschließen von Koalitionen scheint diesmal auszubleiben. 

Die Zeit bis zur Wahl ist noch lang. Im Moment ist noch viel Bewegung drin und jeder schaut auf den anderen und auf die eigenen Wählermilieus. Schauen Sie sich die Umfragen an: Bis Mitte 2015 war die Demoskopie relativ stabil, heute flackern die Zahlen hin und her. Die Leute gehen mal hier hin, mal dort hin, die Frequenz und die Ausschläge nehmen zu. Da kommt eine Unberechenbarkeit rein, mit der man umgehen muss. Ungefähr ein Drittel ist noch unentschlossen – deswegen wird keine Partei die Tür zur anderen vernageln. Das wird ein ungewöhnlicher Wahlkampf, so wie man ihn in Deutschland sonst nicht kennt. Das ist ein wichtiger Grund, wieso die CDU eigentlich keinen Lagerwahlkampf machen kann – sie muss selbst gegenüber SPD und Grünen flexibel bleiben. Am Ende geht es um die Bildung einer stabilen Regierung. 

Sie haben fast 15 Jahre für die SPD Wahlkampf gemacht. Jetzt, wo es so gut läuft: Denken Sie manchmal an eine Rückkehr ins Willy Brandt-Haus? 

(Pause) Nein. Ich habe die Wahlkämpfe der SPD einen sehr langen Zeitraum begleiten können. Damit habe ich abgeschlossen und bin heute Unternehmer. Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss. Das Wahlkampfmanagement der SPD ist gut und steht. 

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