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Wer wird Bundeskanzler? : Laschets Kampf geht weiter

Eines ist allen in der Union klar: Auch ein knappes Rennen, ja sogar ein knapper Sieg führen nicht automatisch ins Kanzleramt. Bild: Lucas Bäuml

Trotz herber Verluste will Armin Laschet weiter Kanzler werden – auch als Zweitplatzierter. Das ginge nur mit Grünen und FDP. Eine „Zukunftskoalition“ nennt er das. Söder spricht von einem „Bündnis der Vernunft“.

          5 Min.

          Es gibt kaum Grund zum Jubeln im Konrad-Adenauer-Haus am Sonntagabend um 18 Uhr. Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass vergleichsweise wenige Parteifreunde im Hauptquartier der CDU sind, die bleiben still, als das miserable Ergebnis verkündet wird. Erst als sich abzeichnet, dass es wohl nicht für das von der Union auf der Zielgerade des Wahlkampfes so scharf bekämpfte Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei reichen könnte, ist so etwas wie Beifall im Foyer des Adenauer-Hauses zu hören.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.
          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Das scheint zu den Erfolgen des Unionswahlkampfs zu gehören. 71 Prozent der Unionswähler, so teilt Infratest dimap am Sonntag mit, hätten die Union Partei vor allem gewählt, um ein Linksbündnis zu verhindern. Nicht zu den Erfolgen gehört: 86 Prozent der ehemaligen Unionswähler hätten sich einen anderen Kandidaten gewünscht.

          Die erste Reaktion eines prominenten CDU-Politikers kommt vom Fernsehschirm. Die Verluste „tun weh“, sagt Generalsekretär Paul Ziemiak. Immerhin bringt er schon mal eine Möglichkeit zur Regierungsbildung ins Spiel. „Zukunftskoalition“ nennt er das von vielen in der Union angestrebte Bündnis aus CDU, CSU, Grünen und FDP, die sogenannte Jamaika-Koalition.

          Gegen 18.30 Uhr ist Kanzlerkandidat Armin Laschet immer noch nicht am Mikrofon erschienen, immerhin wird das Pult schon mal vom Rand in die Mitte geschoben und gereinigt. Über schlechte und noch dazu knappe Resultate muss in der Regel erst einmal intern gesprochen, bevor sie öffentlich kommentiert werden.

          Dann, die Wahllokale sind schon seit einer Dreiviertelstunde geschlossen, kommt Laschet. Mit ihm erscheint nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern ein Gutteil der Parteiprominenz: Volker Bouffier, der Ministerpräsident aus Hessen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der saarländische Regierungschef Tobias Hans und zwei Handvoll andere. Laschet hat sich mit seinen Führungsgremien beraten und wirkt nicht verzagt trotz des historisch schlechten Resultats für die CDU. Im Gegenteil macht er den Eindruck von Entschlossenheit. Er spricht vom „gelungenen Endspurt“ im Wahlkampf und macht klar, dass er das Wahlergebnis als Auftrag betrachtet, eine Regierung zu bilden. Laschet sagt, Bundeskanzler müsse derjenige werden, dem es gelinge, Gegensätze zu verbinden und ein gutes Programm für die nächsten vier Jahre zu entwickeln. „Zu dieser Aufgabe bin ich bereit.“ Merkel und die CDU-Führung stehen hinter ihm, als er das sagt. In der Parteizentrale wird kräftig applaudiert.

          Der richtige Kandidat? „Schnee von gestern“

          Der CDU-Vorsitzende bringt den Mann ins Spiel, der auch gerne Kanzlerkandidat geworden wäre. Er werde, sagte Laschet, gemeinsam mit Markus Söder dafür arbeiten, eine Koalition zu bilden. Die beiden haben sich erkennbar abgestimmt. Der CSU-Vorsitzende ist in Berlin am Sonntagabend. Er zeigt sich bereit, mit Laschet Gespräche über ein „Bündnis der Vernunft“ zu führen, damit Laschet Kanzler werde. Es gehe um eine „neue Regierung der Modernität, aber auch der Stabilität“.

          Wenig später sitzen Laschet und Söder nebeneinander im Fernsehstudio, in der „Berliner Runde“, und besprechen mit den Spitzen der anderen Parteien das Wahlergebnis. Hat Söder im Wahlkampf immer wieder gegen Laschet gestichelt, was die beiden Vorsitzenden der Unionsparteien nicht gerade wie ein glückliches Paar erscheinen ließ, so wirkt er zwei Stunden nach der Schließung der Wahllokale milde. Die Frage, ob er der bessere Kanzlerkandidat gewesen wäre, sei nun wirklich „Schnee von gestern“, sagt Söder. Er habe großen Respekt vor Laschet. „Wir haben, Armin, in den letzten Wochen noch einmal deutlich Tempo gemacht“, sagt Söder. Nun müsse man aus dem Ergebnis auch eine Regierung machen. Das klingt geradezu harmonisch.

          Bevor ihr Vorsitzender sich äußerte, waren andere CSU-Politiker zunächst zurückhaltend gewesen. Die wenigen, die sich in München in der Parteizentrale eingefunden haben, scheinen nach Bekanntgabe der ersten Prognose erleichtert, dass das CSU-Ergebnis wohl nicht so schlecht ausfällt wie befürchtet: 33 Prozent, fünf Prozentpunkte mehr als der jüngste Bayerntrend. CSU-Generalsekretär Markus Blume spricht in einer ersten Stellungnahme von einem „ordentlichen CSU-Ergebnis“. Blume will sich zunächst nicht festlegen, ob die Union auch als Zweitplatzierte versuchen solle, eine Regierung anzuführen. Eine bürgerliche Regierung sei das Ziel. Nun gelte es, den Wahlabend abzuwarten. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Alexander Dobrindt, sagt: „Verschiedene Optionen sind jetzt denkbar.“ Es sei „ein Ergebnis, das man sich so nicht wünscht“, jetzt gehe es darum, „dass man versucht, mit diesem Ergebnis Koalitionen zu bilden“.

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