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SPD umwirbt Liberale : Die FDP im Süßholz-Bad

  • -Aktualisiert am

Die wollen Kanzler machen: Lindner auf dem FDP-Landesparteitag Anfang April in Hamm Bild: dpa

Die FDP hat sich seit langem vor der Frage drücken können, wie sie es mit dem Regieren hält und welche Koalition sie will. Doch nun naht die Bundestagswahl. Die ersten Bewerber klopfen bereits an.

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          Es hat gerade mal zehn Tage gedauert, bis jemand der Aufforderung von Christian Lindner gefolgt ist. Als der FDP-Vorsitzende Ende März, am Tag nach der für seine Partei unerfreulich ausgegangenen Landtagswahl im Saarland gefragt wurde, was er über Regierungsbeteiligungen in anderen Bundesländern oder gar im Bund denke, antwortete er selbstbewusst, als habe es das Drei-Prozent-Debakel nicht gegeben. Den Blick fest auf die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai und auf die Bundestagswahl im September gerichtet, sagte er, die FDP stünde in allen drei Fällen „für Gespräche“ bereit. Es solle aber doch „erstmal jemand auf uns zukommen“. Prompt kamen gleich zwei.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Die beiden heißen Martin Schulz und Thomas Oppermann, der erste ist Vorsitzender der SPD und deren Kanzlerkandidat, der zweite führt die sozialdemokratische Bundestagsfraktion an – zwei Schwergewichte also, wenn es um die Ausrichtung der SPD im Jahr der Bundestagswahl geht. Am Donnerstag fingen sie an, Süßholz in Richtung FDP zu raspeln. Schulz kündigte im Gespräch mit den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ an, er werde Lindner treffen und sagte freundliche Dinge über die sozialliberale Koalition der Jahre 1969 bis 1982.

          Diese habe Deutschland „ganz sicher moderner und demokratischer gemacht“. Daraus zu schließen, dass Schulz seine Handlungsoptionen für die nahe Zukunft grundsätzlich historisch begründen will, wäre allerdings falsch. Denn angesprochen auf den Bruch der sozialliberalen Koalition durch die FDP im Jahr 1982 und deren Wechsel zur CDU, wischte Schulz die Geschichte einfach weg: „Das ist alles Vergangenheit.“ Bemerkenswert sei Lindners Ankündigung, keinen Steuerwahlkampf führen zu wollen. Oppermann sekundierte seinem Vorsitzenden mit dem Hinweis auf „Überschneidungen“ zwischen beiden Parteien. Deswegen, so äußerte er in der „Rheinischen Post“, sei es richtig, dass „Lindner sich bemühe, nicht länger am Rockzipfel von Frau Merkel zu hängen und Brücken zu anderen Parteien aufzubauen“. Noch interessanter war jedoch, was Oppermann zu der anderen Partei sagte, zu der die Genossen gerade erst zart die Fühler ausgestreckt hatten: „Die Linkspartei macht sich nicht gerade interessant für uns.“

          In der FDP wird der Vorgang mit Zurückhaltung, aber auch mit Interesse beobachtet. Lindner hatte schon gleich nach dem schlechten Abschneiden der SPD im Saarland analysiert, dass die Debatte über rot-rote Koalitionen den Genossen geschadet habe, weil viele Wähler sich deswegen der CDU zugewandt hätten. In Führungskreisen der FDP wurde allerdings am Donnerstag mit einem gewissen Staunen registriert, wie schnell die SPD nun versucht, die Kurve zu kriegen. Grundsätzlich, so war zu vernehmen, hätten die Sozialdemokraten doch gerade „einen Lauf“. Deren jetzige Hinwendung zur FDP wurde in dieser als „etwas übernervös“ bezeichnet.

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