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Angela Merkel : Die Mutter der Porzellankiste

  • -Aktualisiert am

Auf Realitäten einstellen, nicht gegen sie ankämpfen: Angela Merkel in Winsen (Luhe) Bild: Hans Christian Plambeck/laif

Angela Merkel liebt das Spiel mit Andeutungen. Festlegungen könnten schädlich sein. So hält sie es auch im Bundestagswahlkampf. Ein Risiko muss sie ohnehin nicht eingehen.

          Neulich, in einem ihrer öffentlichen Gespräche, ist Angela Merkel nach ihrem Urlaub gefragt worden. Zeit zum Lesen? Wenig. Eigentlich habe sie das Buch „1913“ noch lesen wollen. „Aber dazu ist es nicht gekommen.“ Viele Vorteile hat die Antwort gehabt. Der erste: Die Kanzlerin liest, was auch das Volk liest - seit Monaten steht das Buch in den Bestsellerlisten. Der zweite: Die Kanzlerin reibt sich - Pflichten erfüllend - dermaßen für das Land auf, dass sie selbst in den Ferien nicht tun kann, was sie gerne möchte. Der dritte: Sie machte sich nicht gemein mit Peer Steinbrück, der das Buch gelesen zu haben angegeben hatte. Nebeneffekt: Eine Bewertung musste sie nicht abgeben.

          Ein paar Geheimnisse müssen bleiben. So will es Angela Merkel. So finden es ihre Berater richtig. Verdienterweise war jetzt für eine Fernsehproduktion eine Rede der Kanzlerin zum 80. Geburtstag Hans-Dietrich Genschers aus den Archiven geholt worden. Merkel gilt als eine launige Festrednerin. Als junge stellvertretende Regierungssprecherin des DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière, erzählt sie, habe sie sich in eines der Hintergrundgespräche Genschers geschlichen. Merkel kann pointenreich plaudern. Über Genscher also: „Die aus meiner Sicht doch in seinen Äußerungen vorhandene Unbestimmtheit über den Gegenstand, den er beschrieb, und die gleichzeitige Zufriedenheit der Journalisten, die hat bei mir, ehrlich gesagt, auf meinem politischen Lernweg eine nachhaltige Wirkung entfaltet.“

          Aus ihrer Sicht ist es ein leichtes Spiel. Dass sie den Namen „Peer Steinbrück“ in ihren Wahlreden nicht ausspricht, empfinden manche gar als Meisterstück der Wahlkampfführung. Angela Merkel liebt das Spiel mit Andeutungen. Sie weiß, dass Festlegungen schädlich sein können. Ziele vorzugeben, kann nützlich sein. Muss es aber nicht. Merkel hat den Vorzug, im kleinen wie im großen Kreis selten herrisch, nicht arrogant, nicht überheblich zu erscheinen. Die Bundeskanzlerin ist nicht die Frauen-Ausgabe von Macho-Männern. Seit Gerhard Schröder tun sich Politiker, die das „Kerle-unter-sich“ verkörpern, schwer in der Gunst der Wähler. In den Bundesländern verloren bei Wahlen die Harten und die Strahlemänner. Kümmerer und Bürokraten wurden Ministerpräsident. Angela Merkel ist eine Kümmerin.

          Kleine Einblicke ins Private

          Nur kleine Einblicke ins Private lässt sie zu. „Mein Mann beschwert sich selten“, wird ihr - in einem Faltprospekt der CDU - als Zitat in den Mund gelegt. Angela Merkel sitzt an einem Baum. Am Wasser. Sie koche gerne und sei eine leidenschaftliche Gärtnerin. „Nur auf dem Kuchen sind ihm immer zu wenig Streusel. Konditorensohn halt.“ Kleine Schwächen sind schöne Schwächen. Die Leute freuen sich, wenn ihr gerade entfallen scheint, ob nun Özil oder Klose ein Tor geschossen habe. Den bunten Blättern, die beim Friseur ausliegen, hat sie gesagt: „Wenn wir beide freihaben, sind wir so viel wie möglich in der Natur.“ Allerdings: Die Kontrolle darüber will sie behalten - vor allem über ihre Bilder. Manchmal arrangiert sie die persönlich.

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