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Homosexualität in der AfD : Alice Weidel wagt die Flucht nach vorn

  • Aktualisiert am

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel Bild: dpa

Bei einem Wahlkampfauftritt im südhessischen Viernheim hat die AfD-Spitzenkandidatin zum ersten Mal ihre Homosexualität thematisiert. Die Parteimitgliedschaft ist für sie damit vereinbar.

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          Bei einer Wahlkampfveranstaltung im südhessischen Viernheim hat die AfD-Spitzenkandidatin vor ihren Parteimitgliedern zum ersten Mal ihre Homosexualität thematisiert. Mehrere Hundert Parteimitglieder und Sympathisanten waren in das Bürgerhaus der Kleinstadt gekommen.

          Nachdem Weidel zunächst über die Eurorettung und Negativzinsen sprach, wagte sie nach etwa einer Viertelstunde eine „Premiere“, wie sie selbst sagte und verkündete: „Ich bin homosexuell.“ Bei ihrem Outing ging ein Raunen durch den Saal. Sie könne die Fragen der Journalisten nicht mehr hören, weshalb sie als Homosexuelle in der AfD sei, sagte sie. „Ich bin nicht trotz meiner Homosexualität, sondern auch wegen meiner Homosexualität hier.“ Die AfD sei die einzige Partei, die die Angriffe von Muslimen gegen Homosexuelle thematisiere.

          Schließlich sprach sie noch Berichte der vergangenen Wochen an. Sie könne nicht verstehen, warum einige Journalisten in ihrem privaten Umfeld recherchierten. Die Medien würden eine Schmutzkampagne gegen sie fahren, auch weil sie Angst vor der AfD hätten. Nach ihrem Auftritt applaudierten die Gäste der Veranstaltung laut für Weidel.

          Zuvor hatte Weidel in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Blog „Philosophia Perennis“ bereits gesagt, ihre Partei sei „die einzige echte Schutzmacht für Schwule und Lesben in Deutschland“. Die größte Bedrohung für Homosexuelle gehe aktuell von muslimischen Migranten aus, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus religiösen Gründen ablehnten.

          Weidel lebt selbst in einer Lebenspartnerschaft mit einer Frau, mit der sie zwei Söhne erzieht. In Interviews wird sie häufig gefragt, warum sie als Homosexuelle ausgerechnet bei einer rechtspopulistischen Partei gelandet sei.

          Die AfD beklagt in ihrem Wahlprogramm: „die Anzahl traditioneller Familien in Deutschland ist seit vielen Jahren rückläufig“. Außerdem kritisiert sie: „Eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität im Unterricht, wie sie die sogenannte „Sexualpädagogik der Vielfalt“ praktiziert, stellt einen unzulässigen Eingriff in die natürliche Entwicklung unserer Kinder und in das vom Grundgesetz garantierte Elternrecht auf Erziehung dar.“

          „Wenn man ehrlich ist, erscheint die AfD auf den ersten Blick natürlich nicht als die erste Adresse, wenn es um die Rechte von Homosexuellen geht“, räumte Weidel ein. Ihre Partei stehe aber „für Recht und Ordnung und für die Bewahrung unserer freiheitlichen westlichen Kultur und Zivilisation“. Und davon profitierten auch Homosexuelle.

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