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FAZ.NET exklusiv : Ein Stich in den Rücken

Beschwert sich über fehlende Hilfe für die Wahlkämpfer: Alexander Gauland am Tag nach der Wahl in der Pressekonferenz mit Jörg Meuthen und Frauke Petry, die den Saal verlässt. Bild: Daniel Pilar

Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD, beschwert sich im FAZ.NET-Interview über mangelnde Hilfe der Parteivorsitzenden Petry im Wahlkampf. Seine missverständlichen Äußerungen über Israel klärt er auf.

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          Herr Gauland, haben Sie sich im Wahlkampf als Spitzenkandidat von Ihrer Parteivorsitzenden Frauke Petry gut unterstützt gefühlt?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ich habe mit Frau Weidel zusammen mehrere Termine übernehmen müssen, die Frau Petry erst zu- und dann wieder abgesagt hat. Und wenn man wenige Tage vor der entscheidenden Stimmabgabe dem Spitzenteam in den Rücken sticht, dann muss ich ganz ehrlich sagen: Ich weiß nicht, wo das Wahlkampfhilfe ist. Ich habe mich von ihr nicht unterstützt gefühlt und Frau Weidel geht es genauso.

          Bedauern Sie es dann überhaupt, dass es in der Bundespressekonferenz heute zum offenen Bruch gekommen ist, als Frau Petry die Veranstaltung überraschend verlassen hat?

          Naja, das ist immer so eine Sache. Viele waren ja auch glücklich, als Bernd Lucke 2015 ging. Aber wenn man mit jemandem eine Partei begründet oder lange gut zusammengearbeitet hat, fällt einem das immer schwer. Ich habe auch jetzt überhaupt kein Glücks- oder Triumphgefühl, sondern ich bin traurig, dass Frau Petry diesen Weg geht. Das erinnert mich leider an den Weg von Bernd Lucke.

          Dessen Abgang hat Ihre Partei überstanden. Würde das jetzt auch klappen, oder sehen Sie die Gefahr, dass eine mögliche Spaltung der Bundestagsfraktion das Anfang vom Ende der AfD wäre?

          Die Gefahr sehe ich nicht. Ich habe mit einigen Leuten der „Alternativen Mitte“ (Vereinigung gemäßigter AfD-Mitglieder; Anm. der Red.) telefoniert und habe nicht den Eindruck, dass es eine große Bewegung weg von uns gibt.

          Frau Petry hat vor Ihrem Abgang aus der Bundespressekonferenz angedeutet, ihr fehlten programmatische Inhalte bei der AfD. Können Sie diesen Vorwurf nachvollziehen?

          Nein, das halte ich für einen absoluten Witz. Sie hat ja den Mann, der für uns das Wahlprogramm erarbeitet hat, selbst noch groß gelobt. Da kann man sich doch nicht plötzlich hinstellen und diese Arbeit für nichtig erklären. Wenn sie dramatische Punkte vermisst hat, dann hätte sie sie doch einbringen können.

          Die innerparteilichen Gegner von Frau Petry waren vor allem Björn Höcke und Jens Maier, also Leute vom ganz rechten Rand. Ist Ihre Partei da jetzt insgesamt angekommen?

          Ich weiß nicht, warum wir uns nur wegen dem Fehlen einer Person in irgendeine Richtung bewegen sollten. Wir haben ein Programm und das werfen wir jetzt nicht um, nur weil Frau Petry einen anderen Weg geht. Zumal ich noch gar nicht weiß, was für ein Weg das sein wird.

          In der Pressekonferenz vorhin haben Sie sich kritisch zu Angela Merkels Position geäußert, dass das Existenzrecht Israels zur deutschen Staatsräson gehöre. Was stört Sie daran?

          Seit Joschka Fischer das so formuliert hat, gehört die Existenz Israels zur Staatsräson in Deutschland. Ich habe jetzt die Frage gestellt, ob sich alle, die das immer sagen, bewusst sind, was das eigentlich bedeutet. Wenn ich sage, die Sicherheit Israels gehört zur Staatsräson, muss ich bereit sein, da im Ernstfall deutsche Soldaten hinzuschicken. Ich habe meine Probleme damit, mir vorzustellen, dass diese deutsche Gesellschaft wirklich weiß, was das bedeutet. Nämlich dass deutsche Soldaten an der Seite von israelischen Soldaten kämpfen und sterben müssten. Ich habe keine Antwort darauf gegeben. Ich finde es nur etwas einfach, das immer wieder zu sagen, solange es nicht getestet wird. Aber wenn es getestet wird, dann muss es etwas bedeuten. Sonst ist es eine Phrase. Und für Phrasen in der Politik bin ich nicht so besonders.

          Ihnen ist ja offenbar klar, was das genau bedeutet. Dann haben Sie ja wahrscheinlich auch eine Meinung dazu, ob man deutsche Soldaten im Ernstfall nach Israel schicken sollte?

          Das kommt darauf an, wie die Situation konkret ist, das kann man nicht pauschal beantworten. Aber wenn man bei dieser Position bleibt, dann muss man prinzipiell bereit sein, das zu machen. Ob ich das persönlich richtig finde, weiß ich nicht, aber ich habe große Bedenken, dass das in einer postheroischen Gesellschaft wie der unseren, für die selbst die – Entschuldigung – vergleichsweise harmlosen Afghanistan-Einsätze oft schon zu viel sind, wirklich funktioniert.

          Aber fiktiv gesprochen: Sie müssten die Entscheidung treffen. Was würden Sie tun?

          Ich bin gegen fiktive Szenarien. Aber wenn tatsächlich die Gefahr besteht, dass Israel von der Landkarte verschwindet und die Juden – jetzt sage ich mal was ganz hartes – ins Meer getrieben werden, dann müssen wir in der Tat an der Seite Israels stehen.

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