https://www.faz.net/-gpf-7hs59
 

AfD : Rechts von der Union

  • -Aktualisiert am

Vielleicht ein bisschen viel Verehrung: der AFD-Vorsitzende Bernd Lucke am Montag in Berlin Bild: Reuters

Die AfD umwirbt konservative Wähler und CDU-Mitglieder, die von Angela Merkel enttäuscht und zu Protestwählern geworden sind. Nach dem schnellen Aufstieg kommen nun die Mühen der Ebene.

          Kein Zweifel: Aus dem Stand bei einer Bundestagswahl 4,8 Prozent zu erreichen, ist ein Erfolg. Den hat die „Alternative für Deutschland“ einzig und allein ihrem Leib-und-Magen-Thema zu verdanken, ihrer Kritik der Euro-Rettung. Alles, was sie sonst anzubieten hat, ist unausgegoren, altbacken oder akademisches Exerzitium wie beispielsweise ihr außenpolitisches Grundsatzpapier. Die Richtung, die man dennoch erkennen kann, ist eindeutig: Die AfD positioniert sich rechts von der Union, sie umwirbt deren konservative Wähler und Mitglieder, kurz gesagt, die von Frau Merkel Enttäuschten, die zu Protestwählern geworden sind – auch ihre Führungskader kommen zum großen Teil aus diesem Reservoir. Ob das reicht, um die Partei über fünf Prozent zu hieven, ist eine spannende Frage. Denn wer rechts von der Union Stimmen fangen will, kann sich schnell in den Fischgründen der Populisten und Rechtsextremisten wiederfinden. Das haben vor der AfD schon andere Parteien erlebt, zum Beispiel die Republikaner.

          Nach dem schnellen Aufstieg kommen nun die Mühen der Ebene. Zu denen gehört, dass der AfD-Erfolg nicht nur heimatlose Bürgerliche anzieht, sondern auch querulatorische Existenzen, die sich auf dem Feld rechts von CDU und CSU schon seit Jahren in immer neuen Mini-Formationen tummeln. Es ist nicht schwer, vorauszusagen, dass dies zu Streit führen wird zwischen denjenigen, die auf Maximierung der Stimmenzahl aus sind, koste es, was es wolle, und denen, die daran glauben, dass sich die neue Partei als anständige, bürgerliche „Alternative“ etablieren könne. Noch ist das nicht entschieden; aber die Bereitschaft, den Vorsitzenden Lucke wie eine Kultfigur zu verehren, ist kein gutes Omen.

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Wie ein Bumerang

          In Wiesbaden und Berlin bestimmt der Fall Stephan E. die Tagesordnungen. Nicht nur die Frage nach dessen Bezügen zum NSU ist noch zu klären. Die Grünen beklagen eine „eklatante Analyseschwäche“ des Verfassungsschutzes.
          Der Hedgefonds Elliott hat seinen Einstieg bei Bayer publik gemacht.

          Wegen seiner Mischstruktur : Elliott macht Bayer jetzt richtig Druck

          Der amerikanische Hedge-Fonds lässt Andeutungen fallen, die als Aufforderung zur Aufspaltung interpretiert werden können. Ganz nebenbei bestätigt er: Man ist mit einem 2-Prozent-Paket am Mischkonzern beteiligt.

          Trumps neue Sprecherin : Schroff und höchst loyal

          Donald Trump macht Stephanie Grisham, die Stimme der First Lady, zu seiner Sprecherin. Sie wird auch Chefin für strategische Kommunikation – eine machtvolle Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.