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AfD im Bundestag? : Die Kinder von der Krawallmacherstraße

AfD-Anhänger bei einer CDU-Veranstaltung mit Angela Merkel in Bitterfeld-Wolfen. Der politische Gegner eint die Partei, doch nach der Bundestagswahl könnten die Flügelkämpfe heftiger denn je ausbrechen. Bild: BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In der kommenden Legislaturperiode sitzt die AfD wohl im Bundestag. In der künftigen Fraktion droht Hauen und Stechen. Eine Vorbereitungsgruppe soll das schlimmste Chaos verhindern. Nur wie?

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          Um Mitternacht geht Götz Frömming in diesen Tagen oft mit Parteifreunden los durch die Straßen von Berlin. Nachts kommt es seltener zu Anfeindungen. Frömming, ein sympathisch wirkender Mann vom Jahrgang 1968, ist Lehrer am Lessing-Gymnasium im Bezirk Wedding. Studiendirektor und Fachbereichsleiter für Politik, Geschichte und Deutsch. An seiner Schule gibt es Klassen, die nur noch zwei, drei Schüler ohne Migrationshintergrund besuchen. Viele Migrantenkinder machten an seiner Schule eine tolle Entwicklung, findet der Lehrer, der gerade im Sonderurlaub ist. Integration sieht er aber als unmöglich an, wenn die Deutschen in der Minderheit sind. Früher war Frömming Sympathisant von Rot-Grün. Er engagierte sich als Umweltschützer, legte sich in Gorleben vor Castor-Transporte. Seinen Wehrdienst brach er ab und verweigerte nachträglich, als Michail Gorbatschow in der Sowjetunion die Perestroika verkündete. Heute ist er Wahlkampfleiter der AfD in Berlin. Auf der Landesliste der Partei steht er auf Platz drei. Wenn alles so läuft, wie es heute aussieht, wird er in drei Wochen Mitglied des Bundestags sein.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Dann wird Frömming in einer Fraktion mit höchst unterschiedlichen Leuten sitzen. Sie haben gemeinsam, dass keiner von ihnen je im Bundestag gesessen hat. Es sind Neulinge, viele frei von jeder Ahnung, wie ein Parlament funktioniert. Bei einem sehr guten Ergebnis könnte manch einer zum Abgeordneten gewählt werden, dessen Einzug in den Bundestag eigentlich von führenden Parteifreunden nicht gewünscht war. Mit einem Wahlergebnis von rund zehn Prozent rechnet die AfD. Das wären 60 bis 80 Abgeordnete. Die Partei gewönne dadurch an Macht und Strahlkraft. Zugleich würde sie noch stärker mit der Frage konfrontiert, was sie zu bieten hat.

          Heftiger Streit zwischen den Flügeln und Machtzentren der Partei gilt schon heute als garantiert. Schließlich gibt es die einen, die auf lange Sicht radikale Opposition betreiben wollen. Und die anderen, die programmatische Alternativen erarbeiten und mittelfristig Koalitionen eingehen und regieren wollen. Die einen pflegen eine patriotisch-völkische Rhetorik, den anderen ist dieser Ton zuwider, sie sehen sich als Liberal-Konservative. „Vieles, was die AfD an Gegensätzen in der Partei bisher noch leidlich übertünchen konnte, wird im Bundestag offen zutage treten“, sagt der Politikwissenschaftler Hendrik Träger aus Leipzig, der die Partei beobachtet. Auch werden sich führende konkurrierende AfD-Politiker nicht mehr wie bisher aus dem Weg gehen können – allen voran Frauke Petry und Alexander Gauland.

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