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Pläne der Parteien (9) : Familienfreundliche Arbeitswelt

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Darin sind sich die Parteien einig: Sie wollen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bild: Jens Büttner/lmv

In einem sind sich die Parteien einig: Sie wollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und mehr Betreuungsplätze schaffen. Auch die neuen Familienformen sind ein Thema. Teil 9 der F.A.Z.-Serie.

          4 Min.

          Die Familienpolitik ist eines der letzten Politikfelder, auf denen ideologische Debatten ausgetragen werden - etwa über die Frage, wo Kinder in den ersten Lebensjahren betreut werden sollen, oder über die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei Adoptionen. Alle Parteien wollen den Ausbau der Kinderbetreuung - für unter Dreijährige wie für Schulkinder. Alle bekennen sich zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zum Ziel einer familienfreundlicheren Arbeitswelt. Lediglich die CDU nennt die „Wahlfreiheit“ von Familien als Leitbild und will weiterhin auch die Möglichkeit fördern, kleine Kinder daheim zu betreuen.

          Betreuungsgeld

          Die Union ist die einzige Partei, die das Betreuungsgeld für Eltern von Kindern im Alter zwischen 15 und 36 Monaten, die nicht in eine Krippe gehen, beibehalten möchte. Es wird seit dem 1. August 2013 ausbezahlt und beträgt zunächst 100 Euro, ab dem 1. August 2014 dann 150 Euro. Verstimmung gibt es, weil Eltern von Kleinkindern, die vor dem 1. August 2012 geboren wurden, leer ausgehen. Die FDP will die Wirkung des Betreuungsgeldes prüfen und es gegebenenfalls wieder abschaffen. Das Elterngeld, das als Lohnersatzleistung in den ersten zwölf Lebensmonaten des Kindes (bei Beteiligung des Vaters zwei Monate länger) gezahlt wird, möchte die FDP flexibler an eine Teilzeit-Berufstätigkeit anpassen. Auch soll es für Selbständige leichter werden, Einkünfte aus der Arbeit des Vorjahres, die erst später ausbezahlt werden, zur Berechnungsgrundlage zu machen. Die Vätermonate beim Elterngeld will die FDP verlängern. Die SPD will die zwei Milliarden Euro, die das Betreuungsgeld ihrer Ansicht nach kosten wird, in 200 000 neue Kita-Plätze investieren. (Die Bundesregierung rechnet hingegen mit Kosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2014 und mit 1,23 Milliarden Euro von 2015 an.) Die Grünen und die Linkspartei wollen ebenfalls das Betreuungsgeld abschaffen. Das Elterngeld soll nach dem Willen der Linkspartei allen in Deutschland lebenden Eltern zugutekommen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

          Vereinbarkeit von Familie und Beruf

          Alle Parteien wollen Zahl und Qualität der Kita-Plätze, gerade in der U3-Betreuung, ausbauen. Neben der SPD äußern auch die Linkspartei und die Grünen in ihren Wahlprogrammen konkrete finanzielle Vorstellungen: Die Linkspartei will das Sondervermögen des Bundes für den Kita-Ausbau, das vier Milliarden Euro betrug, um 3,6 Mrd. Euro erhöhen. Die Grünen wollen eine Milliarde Euro aus dem Bundeshaushalt aufwenden für ein Sofortprogramm zur Unterstützung derjenigen Kommunen, die den Bedarf an Kita-Plätzen noch nicht decken können. Die FDP will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch mehr Teilzeit-Modelle und „Home-Office“-Möglichkeiten erleichtern. Die CDU will ein „Wiedereinstiegs-Bafög“ einführen, das die Einarbeitung und Weiterbildung nach der Elternzeit erleichtern soll; ebenso plant sie eine unbezahlte „Großelternzeit“. Arbeitnehmer sollen das Recht erhalten, zur Betreuung ihrer Enkelkinder aus dem Beruf auszusteigen; zugleich sollen sie einen Anspruch auf Rückkehr an den Arbeitsplatz erhalten. Die SPD will eine reduzierte „Familienarbeitszeit“ einführen: Beide Eltern hätten dann das Recht, ihre Arbeitszeit „partnerschaftlich“ zu reduzieren - „zum Beispiel beide auf 30 Stunden“. Sie will das mit einem Rechtsanspruch auf eine Rückkehr zur alten Arbeitszeit verbinden. Ein Lob der „vollzeitnahen Teilzeit“ (also gut 30 Stunden in der Woche) findet sich auch im Wahlprogramm der Union, jedoch ohne jede Verbindlichkeit.

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