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Ratschläge aus München : Unterstützung, die an Sabotage grenzt

Augenzwinkernde Unterstützung, die an Sabotage grenzt: Armin Laschet, Paul Ziemiak und Markus Blume am 11. September. Bild: Reuters

Die CSU denkt nur Tage vor der Wahl laut über die Folgen einer Niederlage Laschets nach. Über solche Hilfe kann sich nur einer freuen: Olaf Scholz.

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          Wer im Wettrennen um das Kanzleramt ein „Wimpernschlag-Finale“ erwartet, sollte auf der Zielgeraden nicht allzu oft zwinkern. Genau das aber tut die CSU-Führung jedes Mal, wenn sie aufs Neue beteuert, sie stehe voll hinter Laschet. CSU-Generalsekretär Blume will jetzt zwar nicht mehr zu deutlich sagen, dass man mit Söder natürlich niemals in diesen demoskopischen Niederungen gelandet wäre, die sich inzwischen bis tief nach Bayern erstrecken.

          Doch auch Blumes jüngste Empfehlungen für die CDU im Falle eines „schlechten Wahlergebnisses“ machen überdeutlich, dass man in München von Laschet kein gutes Wahlergebnis erwartet. Das wenige Tage vor der Wahl hinauszuposaunen ist eine Form der Unterstützung, für die sich nur einer bedanken kann: Olaf Scholz. Er sollte langsam Pralinen nach München schicken.

          Warum tut Söder das?

          Die Frage ist: Warum tut Söder das? Die CSU profitiert ausweislich der Umfragen nicht von den „Sticheleien“ gegen Laschet, die an Sabotage grenzen. Verliert Letzterer die Wahl, dann wird nicht nur in der CDU, sondern auch in der CSU gefragt werden, ob nicht auch Söder Mitschuld an der Niederlage und deren Folgen hat.

          Der Ausgang der Bundestagswahl entscheidet im Falle Söders, anders als bei Laschet, aber noch nicht über Sein oder Nichtsein. An diesen Punkt kommt Söder erst 2023. Bei der nächsten Landtagswahl in Bayern muss er ein besseres Ergebnis abliefern als das miserable Resultat von 2018. Eine linke Bundesregierung böte für Söders Wahlkampf willkommene Reibungsflächen.

          Und spätestens 2025 brauchte die Union, was immer nach einer deutlichen Niederlage an diesem Sonntag aus der CDU würde, wieder einen Kanzlerkandidaten. Läge es dann nicht nahe, einen Mann zu nehmen, der seine Partei schon so erneuert hat, wie Blume es jetzt der CDU rät? Und der, was die Zukunft der Parteien angeht, gedanklich schon weiter ist als die älteren Herren in der Schwesterpartei? Söder würde sicher sogar der Bitte nachkommen, CDU und CSU noch vereinter als bisher in eine helle Zukunft zu führen – ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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