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FAZ.NET-Countdown : Drei Vorschläge für Unentschlossene

SPD-Wahlkampf in Schwerin: Wer weiß schon, was passiert, sollte die SPD unter 20 Prozent fallen. Bild: dpa

Spannend wird die Wahl auch ohne Fake News von der Wiesn: Noch gibt es Spätentschlossene, deren Wahlentscheidung noch nicht steht. Drei Tipps können weiterhelfen.

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          In 48 Stunden öffnen die Wahllokale. Dann sind 61,5 Millionen Deutsche dazu aufgerufen, über die Zusammensetzung des nächsten Bundestags zu entscheiden – abzüglich derjenigen Wähler, die bereits per Briefwahl ihre Stimme abgegeben haben. Angeblich sind viele noch unentschlossen. Zählen Sie dazu? Dann habe ich für Sie drei Vorschläge:

          Besuchen Sie die FAZ.NET-Bundestagswahlseite. Dort finden Sie neben Berichten über die jüngsten Wahlkampfauftritte und letzten Umfragen zahlreiche Analysen zu den Plänen der Parteien. Über den Wahl-o-maten der Bundeszentrale für Politische Bildung können Sie testen, inwiefern Sie Positionen mit Parteien in einzelnen Punkten übereinstimmen. Wollen Sie sich darüber hinaus noch tiefergehender informieren, und ich kann Sie dazu nur ermuntern, dann lesen Sie in aller Ruhe die Wahlprogramme der Parteien; zumindest derjenigen, die eine gute Chance haben, in den nächsten Bundestag einzuziehen: CDU/CSU (76 Seiten), SPD (116 Seiten), Linke (144 Seiten), Grüne (248 Seiten), FDP (158 Seiten) und AfD (76 Seiten). Lassen Sie sich von den Zahlen nicht blenden: Vom Umfang der Pamphlete lässt sich nicht zwingend auf die Qualität der Inhalte schließen.

          Die AfD hat es im Wahlkampf am einfachsten, auch wenn das ihre Anhänger naturgemäß anders sehen mögen. Ohne Rücksicht auf Regierungsoptionen (die ihre Politiker weder haben noch suchen), kann sie sich auf ihre Rolle als rechtspopulistische Protestpartei konzentrieren und die faulen Früchte ernten, die die etablierten Parteien rechts der Mitte haben zu Boden fallen lassen. Ängste aufgreifen, verstärken, provozieren, zurückrudern. Das ist eine wunderbare Melange, um Enttäuschte, Sorgenvolle und Wütende anzuziehen. Bei aller berechtigten Kritik an der Partei laufen Journalisten mitunter Gefahr, gewollt oder unbewusst, sich ihre Methoden zu eigen zu machen. Dass im Zentrum des jüngsten Falls ausgerechnet das Münchner Oktoberfest steht, ist an sich schon Stoff für eine Bierzeltposse. Was passiert, wenn auf Wahlplakaten der Partei über „gähnende Leere“ auf der Wiesn fabuliert wird und eine mediale Phalanx schnell, zu schnell, versucht, die AfD zu widerlegen, hat Rainer Meyer aufgeschrieben

          Dabei verspricht der Bundestagswahlkampf auf den letzten Metern auch ohne solche Scharmützel noch richtig spannend zu werden. Wie weit das Wählervotum von den letzten Umfragen abweichen kann, ist spätestens seit dem Brexit-Referendum und der amerikanischen Präsidentschaftswahl Allgemeingut. Wer weiß schon, was passiert, sollte die SPD unter 20 Prozent fallen, die AfD drittstärkste Partei werden oder die Grünen nur mit Ach und Krach den Sprung in den Bundestag schaffen? Es wäre nicht das erste Mal, dass noch in der Wahlnacht Parteifreunde die Messer wetzen und innerhalb von Stunden die ersten Spitzenpolitiker von ihren Ämtern zurücktreten. FAZ.NET begleitet die Ereignisse in Berlin ab Sonntag rund um die Uhr im Liveblog.

          Hierzulande entscheiden die Menschen darüber, welche Politiker die kommenden vier Jahre die Geschicke Deutschlands lenken sollen. Am Golf von Mexiko aber werden die Bewohner von einer Katastrophe nach der anderen heimgesucht. Während die Hurrikans „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ Teile der Karibik und des Südwestens der Vereinigten Staaten verwüsten, erschütterte Mexiko am Dienstag ein schweres Erdbeben, bei dem mindestens 230 Menschen den Tod fanden. 230 zu viel, möchte man sagen. Doch lohnt bei aller Betroffenheit der Blick auf die Fakten hier genauso sehr wie bei AfD-Plakaten über das Münchner Oktoberfest. Immerhin starben exakt 32 Jahre vor der Katastrophe bei einem ähnlich schweren Beben in Mexiko noch 10.000 Menschen. Wie es dem mittelamerikanischen Land gelungen ist, die Opferzahl dieses Mal vergleichsweise gering zu halten, erklärt Horst Rademacher in seinem spannenden Beitrag „20 Sekunden, die Leben retten.“

          Was sonst noch wichtig wird

          Im Streit um das Unabhängigkeitsreferendum zwischen Madrid und Katalonien gingen am Donnerstag wieder Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Festnahme ranghoher Regierungsvertreter zu demonstrieren. Vor dem Obersten Gericht kündigten sie eine „dauerhafte Mobilisierung“ an. Eine ranghohe EU-Vertreterin räumt ein, dass die EU den Prozess mit „großer, großer Sorge“ verfolge. Letztlich handele es sich aber um eine „interne Angelegenheit Spaniens“. Das klingt nach Selbstberuhigung. Was in Katalonien passiert, dürfte im Baskenland genauso aufmerksam verfolgt werden wie in Schottland, Flandern – oder Brüssel. Was die EU nach dem Brexit-Referendum am wenigsten gebrauchen kann, sind Staaten, die hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind.

          Darin, wenn auch in vielen anderen Dingen nicht, dürfte sich die EU mit Theresa May einig sein. Sie hält am Freitagnachmittag in Florenz ihre mit viel Tamtam angekündigte Brexit-Rede. Einerseits will sie der EU entgegenkommen, um die Austrittsverhandlungen aus der Sackgasse zu führen. Andererseits muss sie es vermeiden, dass daheim der nächste Konflikt um die Ziele des Brexit ausbricht – Stichwort Selbstbeschäftigung. Mehr dazu aus London von meinem Kollegen Jochen Buchsteiner.

          Bei der Generaldebatte in New York wird am Freitag weiter Ping-Pong gespielt. Es geht wird, soviel ist sicher, einmal mehr um den Nordkorea-Konflikt gehen. Nachdem Präsident Trump dem Kim-Regime am Mittwoch mit „totaler Zerstörung“ gedroht und gestern eine Verschärfung amerikanischer Sanktionen angekündigt hatte, hat nun Nordkoreas Außenminister Ri Yong-ho Aufschlag. Mit einer Friedensrede vor der UN-Vollversammlung ist kaum zu rechnen. Die Frage wird allein sein, wie laut oder leise das Säbelrasseln des Regimes ausfällt – und was sich daraus schließen lässt.

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