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Bundestagswahlen seit 1949 : 1957: Im Bundestag dank Adenauer

Die erste und einzige absolute Mehrheit für die Union: Bundestagswahl 1957 Bild: SZ Photo

19 Wahlen, 19 Geschichten. Jeden Tag bis zum 26. September blicken wir auf eine Wahl zurück. Heute: Wie Adenauer in der dritten Bundestagswahl der „Deutschen Partei“ das Überleben sicherte – und sie politisch aushöhlte.

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          Die Voraussetzungen waren so günstig wie noch nie für Bundeskanzler Konrad Adenauer, als am 15. September 1957 zum dritten Mal ein neuer Bundestag gewählt wurde. Zwei Jahre zuvor hatte der Kanzler die letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion „heimgeholt“. Die wichtigsten außenpolitischen Grundentscheidungen waren gefallen, die Bundesrepublik seit 1955 Mitglied der Nato. Auf (zunächst) wirtschaftlicher Ebene entstand gerade die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Und innenpolitisch hatte der Kanzler auch noch der „dynamischen Rente“ über die parlamentarischen Hürden verholfen und damit den Älteren Zukunftsängste genommen. Außerdem hatte es am 1. Januar 1957 die gerne so genannte „kleine Wiedervereinigung“ gegeben. Nach einer Volksabstimmung trat an diesem Tag das Saarland als zehntes Bundesland der Bundesrepublik bei. Da lag der Slogan „Keine Experimente“, mit dem Adenauer in den Wahlkampf zog, vermutlich nahe.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Das Ergebnis gab dem Kanzler recht. CDU und CSU erreichten zum ersten und bis dato einzigen Mal mit 50,2 Prozent die absolute Mehrheit der Stimmen. Die SPD kam auf 31,8 Prozent. Adenauers langjähriger Koalitionspartner FDP erreichte 7,7 Prozent. Als einzige weitere Partei im Bundestag vertreten war die Deutsche Partei (DP). Sie kam zwar bundesweit nur auf 3,4 Prozent der Zweitstimmen. Das reichte aber trotzdem für 17 Mandate, weil die Partei mehr als die nach dem Wahlgesetz notwendigen drei Direktmandate errang. Den größten Teil dieser Erfolge in Wahlkreisen verdankte sie allerdings der CDU, die in einigen Wahlkreisen auf die Aufstellung eigener Kandidaten verzichtet hatte und so den Kandidaten der Kleinpartei den Sieg praktisch auf dem Silbertablett servierte.

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