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Nach der Wahl : Eine Schuldige ist schon gefunden

  • -Aktualisiert am

Weder Merkel noch Kanzleramtschef Pofalla schafften es, Konflikte im Entstehen zu befrieden, heißt es Bild: dpa

Am Tag danach analysiert die schwarz-gelbe Koalition den Verlauf der Bundespräsidentenwahl. Ausnahmsweise sind sich CSU und FDP einig: Die Probleme hätten bei der CDU gelegen. Ein Name fällt besonders häufig: Angela Merkel.

          „Ich habe nicht eine Verdächtigungsrecherche anzustellen. Zum Schluss war es eine gute Mehrheit. Das ist, was zählt“, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Ende jenes Wahltages gesagt, an dem CDU, CSU und FDP eigentlich einen großen Sieg feiern wollten, dann aber - nach den Einschätzungen aus den eigenen Reihen - nur knapp an einer Katastrophe vorbei geschlittert sind. „Ich glaube, dass die absolute Mehrheit im dritten Wahlgang auch deutlich gemacht hat, hinter Christian Wulff steht eine deutliche Mehrheit“, hat Frau Merkel auch gesagt.

          Ihr Gesicht aber zeigte an diesem an Überraschungen reichen Mittwoch die eigene Unzufriedenheit, und es wurde wahrgenommen, dass Guido Westerwelle sie zu stützen versuchte: absolute Mehrheit, immerhin. Am Donnerstag hatten sie wieder beisammen zu sitzen, mit Horst Seehofer, dem CSU-Vorsitzenden, und auch mit den Vorsitzenden der beiden Koalitionsfraktionen.

          Es ging um die Gesundheitspolitik und auch darum, dass der zuständige Minister Rösler von der FDP an diesem Freitag ein Ergebnis mitteilen könne. „Es ist jetzt Zeit für eine überzeugende Politik“, hatte Annette Schavan, Bildungsministerin und Merkel-Vertraute, gesagt. In Wirklichkeit aber wurde nach den Gründen für den misslichen Verlauf des Mittwoch gesucht - und natürlich waren die Oberen der Koalition auch auf der Suche nach Schuldigen.

          CSU und FDP einig: Die Probleme lagen bei der CDU

          Entsetzen hatte es gegeben - und die Bewertungen der Spitzenkräfte reichten von einem „Unfassbar“ über ein resigniertes „Ich weiß es auch nicht“ bis hin zu einem „Auch dieser Neuanfang wurde vergeigt“. Ausnahmsweise waren sich Politiker der beiden kleineren Koalitionsparteien, CSU und FDP, einmal einig. Die Probleme des Mittwochs lägen in der CDU begründet. CSU-Abgeordnete versicherten, sie glaubten den Beteuerungen aus der FDP, mit Ausnahme der wenigen Delegierten (die dies zuvor auch gesagt hatten) habe die FDP geschlossen für Wulff gestimmt. Welches Interesse, fragten CSU-Abgeordnete, solle die FDP an einem Scheitern Wulffs gehabt haben, jetzt, da sie in den Umfragen bei knapp fünf Prozent stehe. Keines.

          FDP-Minister wieder sagten, sie glaubten der CSU, sie sei geschlossen. Da sich - verständlicher-, wenn auch aus Sicht der Organisatoren der Koalition gemeinerweise - die Anti-Wulff-Wähler nicht offenbarten, wurden die Schuldigen im Ungefähren gesucht. CDU-Leute sagten, man dürfe den Geschlossenheitsversicherungen der CSU und der FDP nicht bedingungslos glauben, weil Freunde aus der CSU den Niedersachsen Wulff noch nie leiden konnten und die aus der FDP ohnehin Freunde Joachim Gaucks seien. Das Einvernehmen von CSU und FDP, die Gegenstimmen seien aus der CDU gekommen, wird entsprechend im Lager der Merkel-Freunde als lächerlich bezeichnet.

          Mehr und mehr zeigen die Finger auf das Kanzleramt

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