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Luc Jochimsen im Porträt : Die Anti-Gauck

  • -Aktualisiert am

Ideologisch, kämpferisch und zuweilen kratzbürstig: Lukrezia Jochimsen Bild: REUTERS

Die Linke schickt Lukrezia Jochimsen in die Bundespräsidentenwahl. Wenn früher vom „Rotfunk“ die Rede war, hatten viele die einstige Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks vor Augen. Ihre „sozialdemokratisch-sozialistische“ Orientierung verhehlte sie nie.

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          Wer ostdeutsche Vertreter der Linkspartei so richtig auf die Palme bringen will, der fragt sie nach den Fortschritten der nunmehr gesamtdeutschen Partei auf dem Felde der Personalrekrutierung im Westen. Während sich die Partei im Osten auch nach Meinung vieler Sozialdemokraten von der SPD-Linken nur noch graduell unterscheidet, hängt sie im Westen vielfach noch den verquasten Ideologien aus K-Gruppen-Zeiten an. Lukrezia Jochimsen, einst Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks, hatten viele vor Augen, wenn am Main und anderswo in der Republik vom „Rotfunk“ die Rede war. Nun schickt die Linkspartei die Journalistin, die schon in den Frankfurter Tagen aus ihrer „sozialdemokratisch-sozialistischen“ Grundorientierung kein Geheimnis machte, als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten am 30. Juni in die Bundesversammlung.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch hatte über den Kandidaten Joachim Gauck gemutmaßt, er sei ausgewählt worden, um der Linkspartei eine Zustimmung unmöglich zu machen. „Luc“ Jochimsen ist, dieser Logik folgend, die passende Antwort auf den Kandidaten von Rot-Grün: ideologisch, kämpferisch und zuweilen kratzbürstig.

          Roland Koch verlieh ihr den hessischen Verdienstorden

          Frau Jochimsen fand allerdings nicht über die WASG zur Linkspartei. Nach ihrer Pensionierung trat sie in der Bundestagswahl 2002 als parteilose Spitzenkandidatin in Hessen für die PDS an. Die Debatte über einen bevorstehenden Irak-Krieg habe sie dazu bewogen, sagte sie seinerzeit. Im Vor-Lafontaine-Zeitalter scheiterte die Partei aber an der Fünf-Prozent-Hürde. Eine zweite Chance wurde ihr 2005 im Thüringer Landesverband gewährt. Ihre berufliche Expertise versuchte sie fortan als kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion einzubringen, wobei sie Kultur als Daseinsfürsorge durchaus extensiv definiert.

          Frau Jochimsen wurde 1936 in Nürnberg geboren. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie in Hamburg und Münster und wurde von Helmut Schelsky mit einer Arbeit über die Zigeuner promoviert. Journalistisch arbeitete sie zunächst als freie Autorin, bis ihr vom Norddeutschen Rundfunk eine Stelle in der „Panorama“-Redaktion angeboten wurde; später entsandte der NDR sie als Korrespondentin nach London. 1993 folgte sie dem Ruf des HR zurück nach Frankfurt, wo sie schon einen Teil ihrer Kindheit verbracht hatte.

          Frau Jochimsen, die in zweiter Ehe verheiratet ist und aus erster Ehe einen erwachsenen Sohn hat, erhielt im Laufe ihres Journalistenlebens eine größere Zahl von Auszeichnungen und Preisen. Die gewiss größte Ehre wurde ihr 2001 beim Ausscheiden aus dem Amt der Chefredakteurin zuteil, als ihr kein anderer als Ministerpräsident Roland Koch den hessischen Verdienstorden verlieh. Sie nahm die Auszeichnung an.

          In der Linkspartei gibt es zurzeit eine Debatte darüber, ob sie ihre Kandidatin in einem möglichen zweiten oder dritten Wahlgang zugunsten Gaucks zurückziehen solle. Die „Regierungslinken“ sollten diesbezüglich nicht das Temperament ihrer Kandidatin unterschätzen.

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