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Kandidatenkür : Die FDP hatte keine Wahl

Kein Wörtchen mitgeredet: Guido Westerwelle
          2 Min.

          Wenn es stimmt, dass Bundeskanzlerin Merkel von Anfang an Christian Wulff und nicht Ursula von der Leyen als Präsidentschaftskandidaten im Sinne hatte, dann ist das jedenfalls nicht zum FDP-Präsidium vorgedrungen. Dort hatte sich nämlich am Dienstagabend die FDP-Führung mit vier Namen befasst - von der Leyen und Schäuble sowie Lammert und Wulff.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Mehr als zwei Stunden sei das Thema erörtert worden, heißt es in der Partei. Unter anderem wurde festgelegt, dass die FDP keinen eigenen Kandidaten benennt und Frau Merkel das Vorschlagsrecht überlässt. Schon dieser abermalige Verzicht auf Eigenständigkeit wird der Parteiführung nun mancherorts verübelt. Mit Frau von der Leyen hätte die FDP-Führung „sehr gut leben können“, wie es am Mittwochmorgen hieß. Der Name Wulff sei während der Diskussion „nur erwähnt“ worden - und zwar „unter ferner liefen“. Das Gremium, das unter der Führung des Parteivorsitzenden Guido Westerwelle tagte, hätte - so man es geahnt hätte - sich wohl durchaus zustimmend mit der Personalie Wulff befasst. Denn der Niedersachse ist ein ausgewiesener Verbündeter der FDP. In Hannover wird schon in der zweiten Legislaturperiode reibungsarm miteinander regiert, Wulff gilt als Mann mit klaren wirtschaftspolitischen Vorstellungen, „inneren Kompass“ nennt Westerwelle so etwas.

          „Eine gestalterische Rolle spielen“

          Wäre ihm Wulff genannt worden, hätte Westerwelle im Präsidium offensiver argumentieren und das symbolisch Freundliche der Nominierung eines schwarz-gelben Fahrensmannes hervorheben können. Die Nichtbeteiligung der FDP an der Kandidatensuche gibt stattdessen, so meinen Mitglieder des Bundesvorstandes, ungefähr den koalitionären Einflusswert der gegenwärtigen Westerwelle-FDP wieder. Das wird bedauert. Die FDP müsse, hatte ein Vorstandsmitglied noch am Mittwoch gesagt, „eine gestalterische Rolle spielen“. Noch am Tage der Wulff-Nominierung wurde ein weiterer FDP-Mann und sein Vorschlag von der Bühne geräumt: Gesundheitsminister Rösler mit seiner Gesundheitsprämie.

          Die Kandidatur des Bürgerrechtlers Joachim Gauck weckt weitere Befürchtungen. Gauck gebraucht das Wort „Freiheit“ ungefähr so oft wie Westerwelle früher den Begriff „Steuersenkung“. Gauck ist ein liberaler Konservativer, eigentlich ein wunderbarer Kandidat für zumindest solche FDP-Anhänger, die auch Frau Hamm-Brücher oder den früheren Parteivorsitzenden Gerhardt gewählt haben oder hätten.

          Falls alleine Gauck zur Wahl stünde, könnte man aus liberaler Sicht „sicherlich wunderbar mit Gauck leben“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Fricke, am Freitag im Radio. Und damit ist auch schon eine Sorge in der FDP-Zentrale beschrieben, nämlich die, dass viele in der Partei so denken. Man fürchtet dort jedenfalls weitere Koalitionssorgen, wenn nun im kurzen Duell der beiden Bewerber die Gaucksche Wortgewalt auf Wulffs leise Töne trifft. Das könnte auch in den Landtagsfraktionen Wirkung entfalten, die Gauck in den kommenden Wochen besuchen möchte.

          Generalsekretär Lindner sagte im Deutschlandfunk, Wulff könne wie kaum ein Zweiter ökonomische Zusammenhänge erklären und habe seine Repräsentationsaufgaben als Ministerpräsident vorbildlich erfüllt. Das war es dann auch schon mit Lob aus der FDP. Der Hagel von Freundlichkeiten, der bei ähnlichen Gelegenheiten aus den Landeshauptstädten in den Berliner Redaktionen eintrifft, bleib aus. Zu Wulff fiel den FDP-Granden in Wiesbaden, Stuttgart oder München am Freitag nicht sehr viel ein. Schweigen war da noch die größte Freundlichkeit, die man Westerwelles jüngstem Koalitionskunststück erweisen konnte.

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