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First Lady oder First Husband? : Die Varianten für Schloss Bellevue

Hat schon etwas Übung als erste Dame Niedersachsens: Bettina Wulff Bild: picture-alliance/ dpa

Die Zeit ist knapp, die Konkurrenz spannend. Deshalb sind die Partner der Präsidentschaftskandidaten bis zur Wahl Nebensache. Anschließend könnten aber alle drei für eine kleine Revolution sorgen.

          Sie sind keine Kandidatinnen. Das Amt, um das sie konkurrieren, gibt es nicht. Nichtsdestotrotz behauptet die „Bunte“ in großen Lettern: „Noch nie waren die Frauen bei der Wahl so wichtig.“ Das ist Unsinn. Joachim Gauck ist vergangenes Wochenende zwar in Begleitung seiner Lebensgefährtin über den Wochenmarkt in Berlin-Schöneberg geschlendert, um vor den Augen eines Boulevard-Fotografen Spargel zum Aktionspreis zu kaufen.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Daniela Schadt durfte erzählen, dass ihr Freund köstliche Buletten brät. Darüber hinaus soll die Fünfzigjährige im Wahlkampf keine Rolle spielen. Ein Sprecher sagt: „Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin haben beschlossen, dass die Kandidatur von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten die Kandidatur von Joachim Gauck ist. Punkt.“

          Drei Partner, drei Varianten

          Bettina Wulff unterdessen, die große Blonde an der Seite des niedersächsischen Ministerpräsidenten, wird bereits in einem Atemzug mit Michelle Obama und Carla Sarkozy genannt. Anders als die amerikanische und die französische First Lady jedoch hat die PR-Frau aus Hannover bisher weder als intellektueller Kopf noch als Model oder Sängerin von sich reden gemacht. Der Vergleich verrät mehr über die deutsche Sehnsucht nach Glamour als über Bettina Wulff.

          Die Vorgängerinnen: Eva Luise Köhler...

          Die Zeit ist knapp, die Konkurrenz spannend genug: Bis zur Wahl am 30. Juni sind die Partner der Kandidaten Nebensache. Anschließend bergen alle eine kleine Revolution. Variante A: Ausgerechnet der Favorit des bürgerlich-konservativen Lagers befördert ein besonders zeitgemäßes Familienbild an die Spitze des Staates. Er, geschiedener Katholik. Sie, Protestantin, berufstätige Mutter und mit 36 Jahren so jung, wie ein Kandidat für das Präsidentenamt laut Verfassung gar nicht sein dürfte. Zur Patchworkfamilie gehören der gemeinsame zwei Jahre alte Sohn, ihr knapp Siebenjähriger aus einer früheren Beziehung sowie Christian Wulffs 16 Jahre alte Tochter, die vorwiegend in Osnabrück bei der Mutter lebt.

          Variante B: Der ebenfalls geschiedene Kandidat von SPD und Grünen installiert eine moderne Version von Partnerschaft im höchsten Amt der Republik - eine First Lady, die mit dem Bundespräsidenten nicht einmal verheiratet ist. Außerdem eine, die sich als Journalistin seit vielen Jahren hauptberuflich mit Innenpolitik beschäftigt und sich selbst als meinungsstark beschreibt.

          Variante C: ein First Husband. Die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, ist seit vielen Jahren mit dem in Hamburg und Italien lebenden Filmemacher Lukas Maria Böhmer verheiratet.

          Landesmütter haben wichtige Aufgaben

          Das Land wird es verkraften, das Amt allemal. An der Spitze der Bundesrepublik war schon immer eine Menge möglich, manchmal sogar Avantgarde. Schon Mildred Scheel hatte eine Tochter in die Ehe mitgebracht. Die Ärztin Veronica Carstens entschied sich für den Erhalt ihrer Praxis. Wilhelmine Lübke dominierte die Präsidentschaft ihres Mannes als elegante, polyglotte Gastgeberin der Bonner Gesellschaft. Eva Luise Köhler soll zuletzt die wichtigste Ratgeberin ihres Mannes gewesen sein. Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth sagt: „Eigentlich hat sie sich nicht stärker profiliert als ihre Vorgängerinnen. Ich glaube aber, dass der Einfluss von Frau Köhler auf ihren Mann größer war; auch was den Rücktritt angeht. Da spielt sie eine herausragende Rolle.“

          Maßstäbe gesetzt hat natürlich Elly Heuss-Knapp. Die erste deutsche First Lady etablierte die wichtigste eigenständige Aufgabe deutscher Landesmütter: Sie nutzte ihren Status, um Türen zu öffnen und Lobbyarbeit zu leisten. Traditionell übernehmen ihre Nachfolgerinnen die Schirmherrschaft des von ihr gegründeten Müttergenesungswerks. Darüber hinaus haben alle eigene Schwerpunkte gesetzt: Mildred Scheel mit ihrem Feldzug gegen Krebs. Aber auch Mukoviszidose-Patienten (Christiane Herzog) und andere Kranke mit seltenen chronischen Leiden (Eva Luise Köhler), geistig Behinderte (Hilda Heinemann), Suchtkranke (Marianne von Weizsäcker), die Homöopathie (Veronica Carstens) und die Kindernothilfe (Christina Rau) profitierten von der Prominenz ihrer Fürsprecherinnen.

          Ein Maximum an Zwängen

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