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Bundespräsidentenwahl : Linkspartei nominiert Luc Jochimsen

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Gregor Gysi über Luc Jochimsen: Eine „geeignete Kandidatin für alle Bürgerinnen und Bürger” Bild: REUTERS

Die Linkspartei stellt die Bundestagsabgeordnete und frühere Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks, Luc Jochimsen, als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt auf. Die Entscheidung fiel einstimmig. Jochimsen war zuvor von den Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst vorgeschlagen worden.

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          Die Linkspartei hat einstimmig ihre Bundestagsabgeordnete Lukrezia „Luc“ Jochimsen als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt nominiert. Die Bundestagsfraktion und Vertreter aus den Ländern sprachen sich am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung im Reichstagsgebäude für die 74 Jahre alte frühere Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks aus. Frau Jochimsen sagte, sie sei „gerührt“ gewesen, als die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch ihr das Angebot unterbreitet habe und verfolge drei Ziele mit ihrer Kandidatur: Sie wolle „Friedensstifterin“ sein, „Vereinigerin von Ost und West“ sowie „Schirmherrin für die Schwachen“. Im übrigen sei sie es in ihrem Leben gewohnt, eine Außenseiterin zu sein.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, nannte Frau Jochimsen eine „würdevolle Kandidatin“. Die anderen beiden Kandidaten, Christian Wulff und Joachim Gauck, seien für seine Partei nicht wählbar - „auch nicht im zweiten oder dritten Wahlgang“. Allerdings gebe es in der Bundesversammlung Pausen und natürlich werde die Partei dann noch einmal beraten. Gysi bedauerte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht alle Partei- und Fraktionsführungen eingeladen habe, um über einen gemeinsamen, parteiübergreifenden Kandidaten zu beraten.

          „Anwältin des Volkes auch gegen die Regierung“

          In der Sitzung im Reichstagsgebäude hatte es zuvor eine Diskussion über die Äußerung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch gegeben. Dieser hatte am Montag gesagt, er werde in einem möglichen zweiten oder dritten Wahlgang für Gauck, den Kandidaten von SPD und Grünen, werben. Mehrere Mitglieder der Fraktion kritisierten diese Wortmeldung. Frau Lötzsch nannte Gauck einen „rückwärtsgewandten Kandidaten“. Der Parteivorsitzende Klaus Ernst sagte, Frau Jochimsen werde eine „Anwältin des Volkes auch gegen die Regierung“ sein.

          Frau Jochimsen sagte nach ihrer Nominierung, sie sei ein Kind des Krieges. Frieden sei für sie ein „Lebensthema“. „Ich habe den Nationalsozialismus erlebt, insofern braucht man mir nichts über die erste und die zweite Diktatur erzählen.“ Sie sei aber auch ein Kind der „amerikanischen Reeducation“. Sie sei mit dem amerikanischen Verfassungsgedanken, dass ein jeder nach seinem Glück streben möge, großgeworden. Später sei sie dann eine „Westlinke“ geworden und sie wolle der Bundesrepublik ein Kompliment machen: „Ich konnte das auch sein und trotzdem Erfolg haben“, sagte Frau Jochimsen. Nach der Wende 1989 habe es in Deutschland eine „Stigmatisierung der PDS“ gegeben, später habe sich dann die SPD entsozialdemokratisiert. Gysi sagte, die Kandidatin habe in ihrem Beruf als Chefredakteurin gelernt, dass „der eigene Geschmack zurückgestellt werden muss“. So habe sie gelernt, an alle Bürger zu denken. Das qualifiziere sie als Kandidatin für die Bundesversammlung. Zudem habe sie als Westdeutsche später den Weg nach Thüringen gefunden; daher stehe sie für die deutsche Einheit.

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