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Bundespräsident Wulff in Israel : Als alter Freund und kleines Rädchen

Bundespräsident Wulff mit Tochter Annalena und Israels Präsident Peres in in Yad Vashem Bild: dpa

Bundespräsident Wulff besucht mit seiner 17 Jahre alten Tochter Annalena die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Ihm sei es wichtig sei, dass die bleibende Verantwortung Deutschlands von Generation zu Generation weitergegeben werde, hatte er zuvor dem israelischen Staatspräsidenten Peres erläutert.

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          Christian Wulff waren Worte nicht genug. Als der deutsche Bundespräsident am Sonntag in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die „Halle der Erinnerung“ betrat, begleitete ihn seine 17 Jahre alte Tochter Annalena. Die Gymnasiastin aus Osnabrück blieb an seiner Seite, als dort zwei deutsche Jugendliche neben der Ewigen Flamme einen Kranz niederlegten. Danach besuchten sie gemeinsam das Mahnmal für die 1,5 Millionen Kinder, die während des Holocaust ermordet wurden.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der neue Bundespräsident wollte nicht nur einen routinierten Antrittsbesuch absolvieren. Ihm sei es wichtig, dass die bleibende Verantwortung Deutschlands von Generation zu Generation weitergegeben werde, hatte Wulff am Morgen dem israelischen Staatspräsidenten Peres erläutert. Was er darunter versteht, schrieb er später ins Gästebuch von Yad Vashem: „Die unfassbaren Verbrechen der Schoa sind Deutschland und den Deutschen eine dauernde Verpflichtung, für das Existenzrecht Israels einzutreten.“

          Zu Wulffs Delegation auf der vier Tage dauernden Reise nach Israel und ins palästinensische Bethlehem hatte er nicht seine Ehefrau Bettina, sondern seine Tochter aus erster Ehe mitgenommen; dazu eine Gruppe deutscher Jugendlicher. Ihr erster Besuch in Yad Vashem sei „sehr emotional“ gewesen, sagte danach Wulffs Tochter. „Man muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit dazu habe“, fügte sie hinzu.

          Auch für Peres ist Wulff „kein neues Gesicht”, sondern ein alter Freund

          „Ein Präsident der besonderen Art“

          Beim 87 Jahre alten israelischen Präsidenten Peres, der Wulff als Zeichen der Wertschätzung ebenfalls in die Gedenkstätte begleitete, verfehlten diese Gesten ihre Wirkung nicht. Wulff sei „ein Präsident der besonderen Art“, lobte ihn Peres. Er sei das erste deutsche Staatsoberhaupt, das nach dem Zweiten Weltkrieg geboren ist. Für Israelis sei Wulff aber „kein neues Gesicht“, sondern ein alter Freund. Israelis und Deutsche seien gemeinsam nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft verantwortlich.

          Eigentlich war es nach dem Staatsbesuch von Schimon Peres im Januar in Berlin nach den diplomatischen Gepflogenheiten noch zu früh für einen Gegenbesuch aus Deutschland. So reiste Wulff auch nur zu einem offiziellen, nicht aber zu einem Staatsbesuch nach Israel. Im Unterschied zu seinen Vorgängern Horst Köhler und Johannes Rau wird er daher auch nicht vor dem israelischen Parlament sprechen – wie es Peres im Januar am Holocaust-Gedenktag vor dem Bundestag getan hatte. Ihm sei es aber ein Anliegen gewesen, mit seiner „frühzeitigen“ Reise, die engen Beziehungen zwischen beiden Staaten noch weiter zu vertiefen. Zugleich wollte er erst einmal Israel besser kennenlernen und eine Vertrauensgrundlage schaffen: Er trifft Ministerpräsident Netanjahu, Oppositionsführerin Livni, aber auch den Schriftsteller David Grossmann, Kirchenvertreter und Holocaust-Überlebende.

          Wulff wirbt für direkte Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern

          Mit politischen Aussagen zum Nahostkonflikt hielt sich Wulff zurück – auch wenn seine israelischen Gesprächspartner nicht müde wurden, vor der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm und die libanesische Hizbullah-Miliz zu warnen. Wulff warb zumindest dafür, die direkten Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufzunehmen, um endlich die Zwei-Staaten-Lösung Wirklichkeit werden zu lassen.

          Wenn er am Dienstag den palästinensischen Präsidenten Abbas in Bethlehem treffe, werde er sich dafür einsetzen, versprach er Peres, dämpfte aber sogleich mögliche Erwartungen: Der Beitrag, den die Bundesrepublik leisten könne, sei „begrenzt“. Israel könne sich jedoch sicher sein, dass Deutschland immer an seiner Seite stehen werde, sagte Wulff.

          Bundespräsident Wulff
          besucht mit seiner Tochter
          Israel und Bethlehem.
          Von Hans-Christian Rößler

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