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Bundespräsident unter Druck : Das Unvorstellbare

Wulff schürt mit seinen Versuchen, sich zu rechtfertigen, die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Das führt zu einem verheerenden Befund.

          Man könne „an diesem schönen kleinen Beispiel sehen, wie im Moment mit der Lupe Klein- und Kleinstdifferenzen vergrößert und aufgeblasen werden“, sagt der CDU-Politiker Hintze. Er meint die „Kleinstdifferenz“ zwischen den Darstellungen, was Bundespräsident Wulff mit seinem Monolog auf der Mailbox des Chefredakteurs von „Bild“ habe bewirken wollen. An Hintzes schönem kleinen Beispiel kann man sehen, dass Wulff nur noch um den Preis der Lächerlichkeit zu verteidigen ist. Auch CSU-Generalsekretär Dobrindt unterstrich das in bewährter Weise mit seiner Wortmeldung. Wer solche Unterstützer hat, muss sich natürlich anderswo wirkliche Freunde suchen.

          Hätte Wulff tatsächlich nur um die weitere Verschiebung eines bereits aufgeschobenen Artikels bitten wollen, dann hätte er nicht schon gegenüber dem Anrufbeantworter schwerstes Kaliber auffahren müssen, von der Ankündigung eines Strafantrages und dem „endgültigen Bruch mit Springer“ bis hin zur Überlegung, „wie wir den Krieg führen“. Wäre es nur um weitere Erläuterungen zu einer bereits abgegebenen Stellungnahme gegangen, dann hätte Wulff auch nicht einen „schweren Fehler“ zugeben müssen, der im Hinblick auf die Pressefreiheit mit seinem eigenen „Amtsverständnis nicht vereinbar“ sei.

          Trotz des Bekenntnisses des Bundespräsidenten, „lebensklüger“ geworden zu sein, findet er nicht aus der selbstverschuldeten Krise heraus, sondern immer noch tiefer in sie hinein. Diese ist an dem bisher nicht vorstellbaren Punkt angekommen, an dem sich die Deutschen fragen müssen, ob sie einem Boulevardblatt glauben oder dem Staatsoberhaupt. Wulff manövrierte sich durch einen katastrophal schlechten Umgang mit der Affäre in eine Lage, in der sein Wort nicht mehr als ausreichend glaubhaft angesehen wird. Das ist ein verheerender Befund für einen Bundespräsidenten, der noch dadurch verschlimmert wird, dass Wulff nun trotz seines wiederholten Transparenz-Gelöbnisses der Veröffentlichung der Gesprächsabschrift widerspricht. Wulff rief nicht bei seiner Tante an: Er sprach wissentlich, länglich und offenbar ohne Vorbehalte auf das Aufnahmegerät eines Journalisten. Sollte durch das Gespräch mit der Maschine eine intimere Beziehung begründet worden sein als durch den Kredit zum Ehepaar Geerkens, den Wulff nun auch im Internet darstellt? Diese Kleinstdifferenz kann uns wohl nur Pfarrer Hintze erklären.

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