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Bundespräsident Gauck : Phänomenales Ergebnis

  • -Aktualisiert am

Showmaster Frank Elstner (links) und Otto Rehagel, Trainer von Hertha BSC, am Sonntag in der Bundesversammlung Bild: dapd

Die Bundesversammlung hat Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt. Doch die Zusammensetzung aus Schauspielern, Sportlern und Musikern ist eine verpasste Chance: Es wäre volksnäher, einfache Berufstätige, Studenten und Rentner zu entsenden.

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          Die Gemeinsamkeit der parlamentarischen Altparteien von der FDP bis zur SPD hat dem neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck ein phänomenales Ergebnis beschert.

          Haben sie deswegen schon alles richtig gemacht? Die Bundesversammlung ist unser an Zahl stärkstes Verfassungsorgan und verbindet in einmalig anschaulicher Weise gleichgewichtig den Zentralstaat und seine föderalen Bausteine. Das Grundgesetz setzt neben die Mitglieder des Bundestages die Abgesandten der Länder. Damit eröffnet es den Landtagen, also deren Fraktionen und den hinter diesen stehenden Parteien, die Möglichkeit, nicht nur Abgeordnete zur Wahl des Staatsoberhauptes zu entsenden. Doch wie gut haben die Parteien das Angebot des Grundgesetzes genutzt?

          Dass sie verdienten Amtsträgern von früher noch einmal Achtung erweisen und etwa ehemalige Ministerpräsidenten nach Berlin entsandten, verstehen wohl alle Bürger. Dass den Parteien jedoch daneben nichts anderes einfiel, als Prominente jeglicher Art mit der Vertretung des Wahlvolkes zu betrauen, kommt einer - zum wiederholten Male - verpassten Chance gleich. Zwar mag man argumentieren, dass Beliebtheit als Nachweis des Bürgervertrauens zu werten sei, aber wenn der Jubel für Schauspieler, Sportler und Musiker als Wählerauftrag zu werten wäre, dann hätten die politischen Parteien abgedankt. Es wäre volksnäher, stattdessen einfache Berufstätige, Studenten und Rentner in die Bundesversammlung zu entsenden - solche sind zwar auch unter den Abgeordneten zu finden, aber eben nicht als unabhängige Träger der Bürgerfreiheit.

          Die Niederlage der von der Linkspartei aufgebotenen Gegenkandidatin war unumgänglich - und trotzdem hätte die Linke gut daran getan, diese Provokation zu unterlassen. Wer sich vorstellen kann, dass jemand, der einen amtierenden Bundeskanzler dieses demokratischen Staates geohrfeigt hat, die Würde des Staatsoberhauptes verdient, ist unendlich weit entfernt von jeglichem Gespür für die Geschichte und das Wesen der Bundesrepublik Deutschland. Die Gründe der Ohrfeige sind zweitrangig gegenüber der Befangenheit, mit der Amtsträger an den Umgang mit einer solchen Kandidatin - rein theoretisch und bar aller wirklichen Aussichten - denken würden. Die Linke hat wieder einmal Zeugnis davon abgelegt, dass sie noch immer nicht in diesem Staatswesen angekommen ist.

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