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Bundeskanzlerin Merkel vor der Knesset : „Mit immerwährender Verantwortung und Vertrauen“

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Ihre Rede begann die Kanzlerin vor der Knesset auf Hebräisch Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel hat den israelischen Abgeordneten versichert, dass Deutschland und Israel „auf immer auf besondere Weise durch die Erinnerung an die Schoa verbunden“ seien und blieben. Sie sprach als erste ausländische Regierungschefin vor der Knesset in Jerusalem. FAZ.NET dokumentiert die Rede.

          Frau Präsidentin, ich danke Ihnen, hier zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich empfinde dies als eine große Ehre. Ich danke allen Abgeordneten der Knesset dafür. Ich danke allen, dass ich in meiner Muttersprache heute zu Ihnen sprechen darf. Ich spreche zu Ihnen in einem besonderen Jahr. Denn in diesem Jahr feiern Sie den 60. Jahrestag der Gründung Ihres Staates, des Staates Israel. 60 Jahre Israel, das sind 60 Jahre großartiger Aufbauarbeit der Menschen unter schwierigen Bedingungen. 60 Jahre Israel, das sind 60 Jahre Herausforderungen im Kampf gegen Bedrohungen und für Frieden und Sicherheit. 60 Jahre Israel, das sind 60 Jahre Integration von Zuwanderern in das Gemeinwesen dieses Staates. 60 Jahre Israel, das ist ein Land voller Vitalität und Zuversicht, mit technologischen Spitzenleistungen, mit kulturellem Reichtum und Traditionen. 60 Jahre Israel, das ist somit vor allem ein Anlass zu großer Freude. Im Namen der Bundesregierung und der deutschen Bevölkerung gratuliere ich allen Bürgerinnen und Bürgern Israels zu diesem Jubiläum.

          Deutschland und Israel sind und bleiben, und zwar für immer, auf besondere Weise durch die Erinnerung an die Schoa verbunden. Genau deshalb haben wir die ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen gestern mit dem Gedenken in Yad Vashem begonnen. Der im deutschen Namen verübte Massenmord an sechs Millionen Juden hat unbeschreibliches Leid über das jüdische Volk, über Europa und die Welt gebracht. Die Schoa erfüllt uns Deutsche mit Scham. Ich verneige mich vor den Opfern. Ich verneige mich vor den Überlebenden und vor all denen, die ihnen geholfen haben, dass sie überleben konnten.

          Der Zivilisationsbruch durch die Schoa ist beispiellos. Er hat Wunden bis heute hinterlassen. Er schien Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zunächst geradezu unmöglich zu machen. In den israelischen Pässen stand lange Zeit der Satz: „Gilt für alle Länder mit Ausnahme Deutschlands.“ Umgekehrt habe ich selbst die ersten 35 Jahre meines Lebens in einem Teil Deutschlands, in der DDR, gelebt, die den Nationalsozialismus als westdeutsches Problem betrachtete. Auch den Staat Israel hat die DDR bis kurz vor ihrem Ende nicht anerkannt. Es dauerte über 40 Jahre, bis sich nach der Wiedervereinigung ganz Deutschland sowohl zu seiner historischen Verantwortung als auch zum Staat Israel bekennen konnte.

          Merkel: Wir sind mit Israel auf immer verbunden

          Ich bin zutiefst davon überzeugt: Nur wenn Deutschland sich zu seiner immerwährenden Verantwortung für die moralische Katastrophe in der deutschen Geschichte bekennt, können wir die Zukunft menschlich gestalten. Oder anders gesagt: Menschlichkeit erwächst aus der Verantwortung für die Vergangenheit. Wir sagen oft, Deutschland und Israel verbinden besondere, einzigartige Beziehungen. Was aber ist genau damit gemeint? Ist sich gerade mein Land dieser Worte bewusst – und zwar nicht nur in Reden und Festveranstaltungen, sondern dann, wenn es darauf ankommt?

          Wie gehen wir zum Beispiel ganz konkret damit um, wenn die Greueltaten des Nationalsozialismus relativiert werden? Hierauf kann es nur eine Antwort geben: Jedem Versuch dazu muss im Ansatz entgegengetreten werden. Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen in Deutschland und in Europa nie wieder Fuß fassen. Und zwar weil alles andere uns insgesamt – die deutsche Gesellschaft, das europäische Gemeinwesen, die demokratische Grundordnung unserer Länder – gefährden würde.

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