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Bundesagentur für Arbeit : Nach vier knappen Sätzen ist die Lage klar

Florian Gerster im Mittelpunkt des Medieninteresses Bild: REUTERS

Am Ende eines langen Tages des Rätselratens in der Bundesagentur für Arbeit, kam plötzlich die Gewissheit. Wie der Verwaltungsrat Florian Gerster das Mißtrauen aussprach.

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          Florian Gerster ist blaß, als er aus dem Großen Sitzungssaal im ersten Stock der Bundesagentur für Arbeit tritt. Ein Blitzlichtgewitter startet. Mehrere Dutzend Kameraleute und Reporter scharen sich um den Mann, der in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen beherrscht hatte. Er geht schnellen Schrittes, blickt auf den Boden, bahnt sich den Weg durch die Menschentraube und antwortet staccatoartig auf die Fragen der Journalisten: "Das wird ihnen der Verwaltungsrat mitteilen. Nächste Woche gibt es eine Pressekonferenz des Vorstands. Ich werde keine weiteren Fragen beantworten."

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Schließlich sagt er: "Der Vorstand ist der Vorstand und ich will der weiteren Entwicklung nicht vorgreifen." Gerster verschwindet im Trakt seines Büros und überläßt das Feld den drei Präsidiumsvertretern des Verwaltungsrats, der an diesem Samstag über den Behördenleiter zu Gericht gesessen hat.

          Ja zu Gerster oder Ja zu seiner Entlassung?

          Nach den vier knappen Sätzen ist die Lage aber ohnehin klar: Die Affäre um den einstigen Hoffnungsträger der Bundesregierung in Nürnberg ist beendet, Gerster hat verloren. Ein paar Sekunden lang kommen in der anschließenden Pressekonferenz noch Zweifel auf, als die amtierende Vorsitzende des Verwaltungsrats, Ursula Engelen-Kefer, von 20 Ja und einer Nein-Stimme in der Abstimmung im Verwaltungsrat spricht. Ja zu Gerster oder Ja zu seiner Entlassung?

          Die Zweifel lösen sich auf, als die stellvertretende DGB-Vorsitzende, die als Intimfeindin Gersters gilt, von dem schwer zerrütteten Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Verwaltungsrat spricht. Dabei erwähnt sie kein einziges Mal den Namen Gerster, vermeidet auch die Begriffe Entlassung und Ablösung und liest stattdessen den Paragraphen vor, der den Verwaltungsrat zu diesem Beschluß ermächtigt.

          „Anerkennung und Dank“

          Engelen-Kefer, die schon mehrere Chefs in der Behörde kommen und gehen sah, blickt abgespannt in die Kameras. Es ist das erste Mal in der Geschichte der deutschen Arbeitsverwaltung, daß die Selbstverwaltung einen Vorstand in Nürnberg gekippt hat. Gleichzeitig betont sie, daß Gerster große Verdienste habe. Dies erkenne der gesamte Verwaltungsrat an. "Der Vorstand hat wichtige Schritte eingeleitet, für die dem Vorstandsvorsitzenden Anerkennung und Dank gebührt."

          Ähnlich hatte es geklungen, als Gerster selbst noch wenige Tage zuvor den stellvertretenden Präsidenten des Landesarbeitsamts Hessen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hatte. Damals hatte sich der oberste Dienstherr über 181 Arbeitsämter vor Journalisten noch betont gelassen gegeben und die Hoffnung geäußert, schnell wieder zu sachlicher Arbeit zurückkehren zu können. Drei Tage später schon sagte er sämtliche Termine ab, um sich auf die Sitzung des Verwaltungsrats vorzubereiten. Ein letztes Quentchen Hoffnung schien er aber doch noch gehabt zu haben, als er noch am Freitag überraschend bei einer Fernseh-Talkrunde zusagte.

          Die Würfel sind gefallen

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