https://www.faz.net/-gpf-o69s

Bundesagentur für Arbeit : Bedrohliche Sätze aus Nürnberg

Immer neue Fragen an Gerster Bild: AP

Florian Gerster vermutet in dem Rummel um seine Person nichts anderes als eine inszenierte Kampagne. In der Zeit, in der sich die Affäre um seine Person dramatisch zuspitzt, gibt er sich erstaunlich gelassen.

          3 Min.

          Er ist entspannt, lächelt und gibt geduldig Kamerateams und Journalisten Interviews. Florian Gerster legt in der Zeit, in der sich die Affäre um seine Person zum wiederholten Male dramatisch zuspitzt, eine erstaunliche Gelassenheit an den Tag.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          "Bis jetzt geht es doch, ich habe überlebt und fühle mich privat ganz wohl", gibt er mit scherzhaftem Unterton am Dienstag in Frankfurt zu Protokoll und gesteht zumindest zu: "In diesen Tagen ist es ein bißchen schwierig". Er gehe aber weiter jeden Morgen schwimmen, trinke abends ein paar Bierchen und versuche ansonsten ein normaler Mensch zu sein.

          Die Frage, ob ihm die Arbeit als Chef der jetzt neu benannten Bundesagentur für Arbeit noch Spaß mache, kontert er mit der Feststellung, daß ihm von vornherein klar war, daß er diesen Posten nicht zur Verbesserung seiner Lebensqualität angenommen habe. "Ich versuche damit vernünftig umzugehen und hoffe, daß die Medienvertreter nicht nur darauf warten, daß ich stolpere". Sagt es und entschwindet, um auf einer Festveranstaltung den bisherigen Präsidenten des Landesarbeitsamtes zu verabschieden - ein ganz normaler Akt im Alltag eines Chefs der Arbeitsverwaltung.

          Ein Vorwurf jagt den nächsten

          Das Jahr hat für den Dienstherrn der Nürnberger Behörde, die gerade mitten in einem Reformprozeß steckt, mit einer Flut von Negativschlagzeilen begonnen. Seit dem Skandal um einen freihändig vergebenen Vertrag an die Medienberatung WMP Eurocom, in dem die Regierung Behördenleiter Gerster quasi freigesprochen hat, jagt ein Vorwurf den nächsten. Am vergangenen Freitag sorgt die Meldung über den Abschluß neuer Beraterverträge mit sechs Unternehmensberatungen für Aufruhr. Vetternwirtschaft wird in der Behörde vermutet. Am Montag wirft CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer Gerster vor, den Bundestag getäuscht zu haben. Am selben Abend dringt aus Kreisen der Bundesagentur für Arbeit an die Öffentlichkeit, daß in den Prüfberichten der Innenrevision, die derzeit alle Beraterverträge mit einem Auftragsvolumen von mehr als 200.000 Euro unter die Lupe nimmt, Unstimmigkeiten aufgetaucht sind. Und am Dienstag morgen wird kolportiert, daß Gerster ein Vorstandspapier zu dem WMP-Eurocom-Vertrag nachträglich geändert haben soll. Darin sei schon auf die anstehenden Arbeitsmarktreformen Bezug genommen worden, bevor diese der Kanzler in seiner Rede zur Agenda 2010 überhaupt angekündigt hatte.

          Entschärft - mit einer Ausnahme

          Auf die Anschuldigungen haben Gerster und seine Sprecherin mittlerweile reagiert und sie zu großen Teilen entschärft - mit einer Ausnahme: Die Spekulationen über neue Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den Berateraufträgen blieben unkommentiert. Am Dienstag abend hat sich damit der Verwaltungsrat der Behörde befaßt. Bis Ende der Woche soll der Bericht der Innenrevision dazu auf dem Tisch liegen. Erhärten sich die Vermutungen, könnte es tatsächlich eng werden für den früheren Hoffnungsträger der Bundesregierung. Die Sätze, die aus der Behörde nach außen dringen, klingen bedrohlich. Von einer sehr, sehr ernsten Lage ist die Rede, auch an Konsequenzen im Vorstand werde gedacht.

          Weitere Themen

          Popcorn zum Video

          Strache und die Ibiza-Affäre : Popcorn zum Video

          Bei seiner Befragung am ersten Tag des Ibiza-Untersuchungsausschusses weist der frühere FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den Vorwurf des parteipolitischen Postengeschachers zurück. Deutlich auskunftsfreudiger ist ein Journalist.

          „Das ist schon meine vierte Bombe“

          Evakuierung in Frankfurt : „Das ist schon meine vierte Bombe“

          Wegen der Entschärfung einer Fliegerbombe müssen Geschäfte und Hotels im Frankfurter Gallusviertel an diesem Freitag vorerst geschlossen bleiben. Einzelhändler erwarten einen herben Verlust – und kritisieren den Zeitpunkt.

          Topmeldungen

          Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

          Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

          Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.
          Trotz Staatshilfen: Lufthansa fliegt au dem Dax

          Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

          Corona-Politik in Moskau : Das Virus des Westens

          Russland in Siegesstimmung: Moskau verordnet sich neue Quarantäneregeln. Einige sind freilich so absurd, dass sie auf Youtube parodiert werden. Und Polizisten fühlen sich ohnehin nicht an sie gebunden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.