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Bürgermeisterwahl in Stuttgart : „Ein Schaffer, kein Charmeur“

  • Aktualisiert am

OB Schuster auf dem Wasen: Ungelenk, aber erfolgreich Bild: dpa/dpaweb

In Stuttgart geht es am Sonntag um die Frage, ob Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) an der Spitze der Schwaben-Metropole weiterarbeiten und an die Wahlerfolge und Amtszeiten seiner Vorgänger anknüpfen kann.

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          Zwei Schläge nur, ein Rekord. Gezielt schlug Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) vor wenigen Tagen das erste Bierfass beim diesjährigen Cannstatter Volksfest an. Und doch spricht das Bild des Stadtvaters im Festzelt Bände: Denn so ungelenk, wenngleich erfolgreich wie Schuster hat noch keiner seiner Vorgänger beim traditionellen Anstich den Hammer angepackt.

          Dies gilt nach Ansicht der Stuttgarter, die am kommenden Sonntag (10. Oktober) über den neuen Oberbürgermeister abstimmen, auch für viele Bereiche der Kommunalpolitik. Schuster kann auf etliche Erfolge der vergangenen acht Jahre verweisen. Aber die Kritik, er habe ein sprödes Image, wird der gescheite Sachbearbeiter nicht los.

          „Ich bin ein Schaffer, kein Charmeur oder Entertainer“, verteidigt sich der Oberbürgermeister. „Die Stuttgarter haben mehr davon, wenn ich mich mit Wirtschaftsvertretern treffe, als wenn ich ihnen Witze erzähle.“ In der Stadt der Häuslebauer, in der Tugenden wie Fleiß und Bescheidenheit Gewicht haben, kann sich der 55-Jährige des Beifalls vor allem in harten Zeiten sicher sein - und auch beim anstehenden Rennen um das Rathaus werden ihm in Umfragen auch dieses Mal die besten Chancen zugerechnet.

          Mit sozialen Themen auf Stimmenfang

          Seine stärkste Kontrahentin, die aufgeschlossene SPD- Bundestagsabgeordnete Ute Kumpf (56), geht vor allem mit Charme und mit sozialen Themen auf Stimmenfang. Sie muss aber nicht nur gegen den Bundestrend ihrer Partei ankämpfen, sondern auch gegen Vorwürfe, ihr fehle ein eindeutiges Programm. Und der redegewandte und schlagfertige Boris Palmer, der erst 32 Jahre alte Landtagsabgeordnete der Grünen, könnte von vielen als zu jung und unerfahren abgelehnt werden.

          Andererseits hat sich Stuttgart schon einmal fast „grün“ gezeigt: Bei der letzten OB-Wahl vor acht Jahren unterlag der heutige Parlamentarische Staatssekretär Rezzo Schlauch von den Grünen dem damaligen Debütanten Schuster nur knapp im zweiten Wahlgang - und vor allem, weil ihm die SPD ohne Siegchancen die Stimmen streitig machte.

          Ein Verwalter ohne Ausstrahlung?

          Doch dieses Mal sind die Vorzeichen anders: Der gebürtige Ulmer Schuster kann sich auch ohne seinen Ziehvater und Vorgänger Manfred Rommel (CDU) und trotz der verpatzten Olympia-Bewerbung Stuttgarts als erfolgreicher Oberbürgermeister präsentieren. Palmer hingegen kann bei weitem nicht auf die lokale Lobby seines Parteifreundes Schlauch zurückgreifen.

          So verweist Jurist Schuster auf die von ihm geschaffenen Fakten: Die Banken wurden fusioniert, die Neuordnung der städtischen Energiewirtschaft füllte die Stadtkassen, die Arbeitslosenquote ist gesunken und die Finanzpolitik wird als ebenso solide bezeichnet wie der Kampf gegen die Kriminalität. „Stuttgart ist die reichste und sicherste Großstadt in Deutschland mit der niedrigsten Pro-Kopf- Verschuldung“, betont Schuster. Ein weiteres Ziel des Katholiken: Die Metropole der Schwaben soll kinderfreundlichste Stadt werden.

          „Nur eine Stadt wie Stuttgart kann einen Mann wie Schuster an die Rathausspitze wählen“, heißt es vor der Wahl auf der Straße. Und oft wird bereits ein Vergleich gezogen zwischen dem unermüdlichen und stets dozierenden Stadtoberhaupt mit der 80-Stunden-Woche und seiner erfolgreichen Stadt ohne Ausstrahlung.

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