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Bürgerkrieg in Syrien : Dschihadist aus Frankfurt offenbar getötet

Radikal-islamische Rebellen in der Nähe von Aleppo Bild: REUTERS

Der junge Deutsche mit marokkanischen Wurzeln war ein talentierter Fußball-Oberligaspieler - bis er in die islamistische Szene abglitt. Nun gibt es Hinweise, dass der 24 Jahre alte Frankfurter in Syrien getötet wurde.

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          Abermals soll ein Islamist aus dem Rhein-Main-Gebiet bei Kämpfen in Syrien ums Leben gekommen sein. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung handelt es sich um einen 24 Jahre alten Marokkaner aus Frankfurt, der offenbar vor einigen Wochen in das Kampfgebiet ausgereist war. Das hessische Landeskriminalamt bestätigte auf Anfrage entsprechende Berichte, die auf Informationen aus Internetforen basieren und den Tod des Frankfurters meldeten.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Sprecher sagte, aufgrund dieser Berichte gingen die Behörden davon aus, dass der junge Mann in Syrien gekämpft habe und dabei getötet worden sei. Offiziell bestätigen könne die Polizei den Tod des Frankfurters aber nicht, weil es keine Möglichkeit gebe, die Leiche zu identifizieren. Nach islamischem Glauben werden Verstorbene kurz nach dem Tod begraben.

          Deutschen Behörden entging Ausreise nach Syrien

          Offenbar hatte sich der Vierundzwanzigjährige in islamistischen Kreisen bewegt, ohne dass er den Behörden als Syrien-Ausreisender bekannt war. Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft lief gegen ihn kein Ermittlungsverfahren wegen islamistisch motivierter Straftaten, auch sei er in Verbindung mit Verfahren gegen andere Islamisten bisher nicht aufgefallen.

          Der Vierundzwanzigjährige war vor allem im Fußball gut vernetzt. Er spielte in verschiedenen Vereinen in der Oberliga, mit Potential, weiter aufzusteigen. Zuletzt spielte er für den SV Darmstadt 98, dann war er bis Juni 2012 beim 1. FC Gera unter Vertrag, beendete dann aber seine Laufbahn, wie der Thüringer Fußball-Verband bestätigte. Die Gründe dafür nannte der Verband nicht. Womöglich war der Frankfurter aber zu diesem Zeitpunkt schon in die islamistische Szene abgeglitten.

          Schon der vierte tote Islamist aus Rhein-Main-Gebiet

          Der nun Getötete gilt als vierter Islamist aus dem Rhein-Main-Gebiet, der bei Kämpfen in Syrien ums Leben gekommen sein soll. Nach Berichten, die sich über soziale Medien verbreitet hatten und von den Behörden geprüft und als glaubwürdig eingeschätzt wurden, waren erst vor kurzem ein 23 Jahre alter Offenbacher und zuvor zwei Frankfurter ums Leben gekommen, unter ihnen ein 16 Jahre alter türkischer Schüler. Die jungen Männer hatten Kontakt zur Frankfurter Islamistenszene und sich innerhalb kurzer Zeit radikalisiert. Als besonders kampfbereit galt ausgerechnet der Schüler, der offenbar ohne Wissen seiner Eltern über die Türkei nach Syrien ausgereist war, um anderen Islamisten aus Frankfurt zu folgen, die sich ebenso konspirativ auf den Weg gemacht hatten. Der Schüler starb jedoch wenige Tage nach seiner Ankunft in Syrien. Anschließend tauchten Fotos auf, die seine Leiche zeigten.

          Seit Beginn des Syrien-Konflikts ist die Zahl derer, die in das Bürgerkriegsland ausgereist sind, um sich dort an Kämpfen zu beteiligen, immer weiter gestiegen. Zuletzt waren etwa 30 Personen bekannt, die hessischen Sicherheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Zahl im mittleren zweistelligen Bereich. Nach Erkenntnissen der Behörden spielt verstärkt die sogenannte „Lies“-Kampagne eine Rolle, die zum Ziel hat, Korane in Innenstädten zu verteilen. Viele der Syrien-Ausreisenden hatten sich an der Aktion beteiligt.

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