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Bürgerentscheid : Münchner lehnen Bau der dritten Startbahn ab

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Abheben mit Einschränkungen: Nach Ansicht der Mehrheit der Teilnehmer am Bürgerentscheid sollten dem Münchner Flughafen und den dort ansässigen Fluggesellschaften Grenzen gesetzt werden Bild: dpa

In einem Bürgerentscheid haben die Münchner den Bau einer dritten Start- und Landebahn an ihrem Flughafen abgelehnt. Prompt droht die Lufthansa damit, an andere Flughäfen abzuwandern.

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          Die Münchner haben den geplanten Bau der dritten Startbahn am Flughafen gestoppt. In einem- Bürgerentscheid über das Milliardenprojekt setzten sich die Gegner am Sonntagabend klar durch: 54,3 Prozent der Teilnehmer stimmten gegen den Ausbau, 45,7 Prozent dafür. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), dessen Partei das Vorhaben unterstützt hatte, gratulierte den Gegnern zu ihrem Sieg und sicherte zu, das Ergebnis nun so anzunehmen.

          Die Luftfahrtbranche bezeichnete den Stopp der Pläne für eine dritte Bahn als ein schlechtes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Wenn wir unsere Infrastruktur nicht auf die Zukunft vorbereiten, dann sägen wir den
          Ast ab, der uns alle trägt“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, am Montag. Für die weitere Zukunft des Münchener Flughafens sei das Nein im Bürgerentscheid „hoffentlich noch nicht das letzte Wort“.

          Lufthansa: Verlagerungen möglich

          Die Lufthansa teilte mit, sie erwarte nun Schwierigkeiten nicht nur für das eigene Geschäft. „Mit nur zwei Start- und Landebahnen wird der Münchner Flughafen täglich an seine Grenzen stoßen“, sagte der für München zuständige Passage-Vorstand Thomas Klühr. Es werde die Lufthansa große Anstrengungen kosten, „den Wünschen ihrer Kunden gerecht zu werden“. Der Manager schloss nicht aus, dass die Fluglinie in den kommenden Jahren deswegen Angebote auch an andere Flughäfen verlagern müsse. München sei langfristig auf eine dritte Startbahn angewiesen, um als Drehkreuz im internationalen Luftverkehr bestehen zu können. Zwei Start- und Landebahnen seien dafür zu wenig.

          Auch das Bundesverkehrsministerium nahm die Ablehnung enttäuscht auf. Der Ausgang der Volksabstimmung sei „aus Bundessicht zu bedauern“, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Berlin. Tatsächlich ist das Aus für die dritte Bahn ist eine herbe Niederlage für das Bündnis der Befürworter aus CSU, FDP, SPD und der bayerischen Wirtschaft. Gegen die Bahn hatten sich vor allem Grüne und Freie Wähler eingesetzt.

          Ude will Ergebnis akzeptieren

          Abstimmen durften die Münchner, obwohl sie kaum vom Fluglärm betroffen sind und der Flughafen gar nicht in der Stadt liegt. Grund: Die Landeshauptstadt kann als Mitgesellschafter des Flughafens in der Gesellschafterversammlung für oder gegen den Bau der dritten Startbahn votieren - und muss nun wohl dagegen stimmen. Zwar ist München mit 23 Prozent kleinster Anteilseigner hinter dem Freistaat (51 Prozent) und dem Bund (26 Prozent), doch hat die Stadt ein Veto-Recht.

          Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bedauerte das Bürgervotum. „Es ist für die Ausbaufreunde bei Stadt, Land und Bund ein Rückschlag, daran gibt es nichts zu deuteln“, sagte Ude nach dem Bürgerentscheid am Sonntag. Er gratulierte den Startbahngegnern, die mit ihren Protesten gegen das Projekt einen großen Teil der Münchner Bevölkerung angesprochen hätten.

          Ude kündigte an, das eindeutige Ergebnis „ohne Wenn und Aber zu akzeptieren“. Die dritte Startbahn sei vom Tisch, da die Stadt nunmehr verpflichtet sei, als Mitgesellschafter des Flughafens gegen den Ausbau zu stimmen. Zugleich warnte Ude davor, den Willen der Bürgerschaft mit „Tricksereien“ zu hintergehen.

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