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Bündnis 90/Die Grünen : Ohne Vollmer und Volmer

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Frontmann Fischer gibt die Richtung vor Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Grünen haben immer deutlich gemacht, daß sie die Neuwahl nicht wollten. Dennoch waren sie in allem die ersten, die Vorbereitungen dafür zu treffen. Sie ziehen unter ihrem Parteipatriarchen Joschka Fischer in den Wahlkampf.

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          Die Grünen haben, woran sie immer wieder erinnern, die vorgezogene Wahl nicht gewollt. Aber sie waren in allem die ersten, die Vorbereitungen dafür zu treffen.

          Schon am Tag nach der Verkündung der einsamen Entscheidung der SPD-Spitze, „Neuwahlen“ herbeizuführen, präsentierten sie ihren Spitzenkandidaten: Außenminister Joseph Fischer.

          Und bereits wenige Wochen nach dem 22. Mai hatten sie sämtliche Landeslisten aufgestellt. Die Eile könnte den etablierten Kräften genutzt haben, die sich im innerparteilichen Wettstreit nicht mehr bekannt machen mußten.

          Klaus Borger, Saarland
          Klaus Borger, Saarland : Bild: Die Grünen

          Auf Platz eins steht auf den Landeslisten, wie es die Satzung vorschreibt, eine Frau - außer auf der des Saarlandes, wo der umweltpolitische Sprecher des Landesverbandes, Klaus Borger, die Liste anführt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern nimmt ein Mann den Spitzenplatz auf der Landesliste ein: Harald Terpe, ein Rostocker Arzt, der für Bündnis 90 seit 1999 in der Bürgerschaft sitzt.

          Die Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium Margareta Wolf führt die hessische Liste an. Gemäß der Satzung hat sie sich damit gegen Parteipatriarch und Joseph Fischer durchgesetzt und ihn auf den zweiten Platz verdrängt.

          Die Parteivorsitzende Claudia Roth wurde auf Platz eins ihrer bayerischen Liste gewählt.

          Reinhard Bütikofer, der zweite Parteivorsitzender, bleibt freiwillig ohne Mandat. Das mag er sich bislang als Stärke ausgelegt haben, weil er bei bestimmten Abstimmungen nicht die Hand heben mußte; in der Opposition wäre dieser Vorteil allerdings dahin.

          Die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt nimmt den ersten und damit wohl einzigen aussichtsreichen thüringischen Listenplatz ein. Die Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen, Astrid Rothe-Beinlich, findet sich auf Platz drei wieder.

          Zur Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz wurde die agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Ulrike Höfken, gewählt.

          Krista Sager, die 2002 als Listenzweite in Hamburg überraschend ins Parlament einziehen konnte, ehe sie dann sogar an die Doppelspitze der Fraktion katapultiert wurde, hat nun in freundschaftlicher Konkurrenz (man teilt in Berlin die Wohnung) die Landesvorsitzende Anja Hajduk, die damals auf Platz eins saß, auf den Wackelplatz verdrängt.

          In Bremen wurde abermals die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Marieluise Beck, an die Spitze gewählt. Sie ist auch Parlamentarische Staatsekretärin im Familienministerium.

          Auf Platz eins der schleswig-holsteinischen Liste findet sich die medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Grietje Bettin, wieder.

          Das von führenden Grünen-Politikern befürchtete Scheitern der Finanzpolitikerin Thea Dückert bei der Listenaufstellung in Niedersachsen konnte noch abgewendet werden. Brigitte Pothmer, Landesvorsitzende, und Bundesumweltminister Jürgen Trittin führen die Liste an.

          Die Parlamentarische Geschäftsführerin der grünen Bundestagsfraktion Undine Kurth steht in Sachsen-Anhalt ebenso an Position eins der Landesliste wie die Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm und Monika Lazar, die in Brandenburg und Sachsen zu Spitzenkandidatinnen gewählt wurden.

          Neu kommen voraussichtlich einige bisherige Landespolitiker wie Bärbel Höhn aus Nordrhein-Westfalen (nach der sich nicht alle in Berlin sehnen). Sie steht in Düsseldorf auf dem ersten Listenplatz gefolgt von Reinhard Loske und der Landesvorsitzenden Britta Haßelmann auf Platz drei.

          In Baden-Württemberg zieht es Sylvia Kotting-Uhl von der Landespolitik in den Bund. Listenplatz eins fällt an die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Uschi Eid. Auch einige junge Hoffnungsträger haben günstige Plätze erhalten wie der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Gerhard Schick.

          Doch war Jugend nicht ein alles schlagendes Argument, wie Marek Dutschke, der Sohn Rudi Dutschkes, in Berlin erfahren mußte. Die Alten allerdings werden weiter unterrepräsentiert bleiben; allenfalls dargestellt durch Hans-Christian Ströbele, falls er noch einmal den Coup eines Direktmandats landen könnte.

          Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, führt die Liste in der Hauptstadt an. Von der Landes- auf die Bundesebene könnte es möglicherweise Wolfgang Wieland veschlagen, der in Berlin Werner Schulz aus dem Felde schlug.

          Einige altgediente Fachpolitiker sind nicht mehr angetreten: der Verkehrspolitiker Albert Schmidt etwa, die Umweltpolitikerin Michaele Hustedt oder der Wirtschaftspolitiker Rezzo Schlauch. Vom glücklosen Außenpolitiker Ludger Volmer, der durch Visa-Affäre und private Nebentätigkeit ins Kreuzfeuer geraten war, hatten das längst alle angenommen; er trat entsprechenden Berichten zwar entgegen, doch zur Listenaufstellung bewarb er sich dann doch nicht.

          Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer scheidet freiwillig aus. Christa Nickels, die wie Frau Vollmer schon der ersten Grünen-Fraktion nach 1983 angehörte, wurde gegen ihren Willen nicht wieder aufgestellt, was einen Rosenkrieg nach sich zog: Sie unterstellte fast unverhohlen Manipulierung der Delegierten, ihre Parteifreunde und -freundinnen werfen ihr unzulässige und - schlimmer noch - absprachewidrige Einflußnahme auf früheren Landesparteitagen vor.

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