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BSE-Krise : Bund will Rinder aufkaufen und schlachten

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Die Bundesregierung will den Bauern unter die Arme greifen: Weil das Fleisch von Rindern, die älter als 30 Monate sind, kaum eine Chance hat, vermarktet zu werden, bietet sie den Landwirten an, in den kommenden sechs Monaten alle Tiere aufzukaufen und zu schlachten.

          Der Bund will im ersten Halbjahr 2001 bis zu 400.000 Rinder aufkaufen, schlachten und verbrennen lassen, weil ihr Fleisch wegen der BSE-Krise nicht mehr abgesetzt werden kann. Damit werde eine Verordnung der Europäischen Union (EU) vom Dezember umgesetzt, sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin.

          Nach dem Beschluss zu Grunde liegenden Schätzungen der EU vom Dezember werde der Rindfleischverzehr in der Union bis einschließlich Juni um rund 500.000 Tonnen zurückgehen, sagte der Sprecher. Aus dieser Annahme ergäben sich umgerechnet bis zu zwei Millionen Tiere und damit bis zu 400.000 in Deutschland. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest, da sie von der tatsächlichen Absatzentwicklung abhänge. Betroffen seien vor allem Tiere, die älter sind als 30 Monate und die auf Grund ihres Alters ohnehin zur Schlachtung anstünden.

          Bauern entscheiden über Schlachtung

          Die Tiere würden nur dann geschlachtet, wenn der Bauer es wolle, sagte der Ministeriumssprecher. Die Landwirte erhielten für jedes Tier eine Entschädigung der EU, die in Deutschland maximal 364 Euro für eine Kuh und 442 Euro für eine Färse (Kuh, die noch nicht gekalbt hat) betrage. Die Bundesregierung zahle pro Kuh noch einmal rund 160 Euro. Die Kosten der Schlachtaktion beliefen sich insgesamt auf rund 360 Millionen Mark. 70 Prozent davon übernehme die EU, den Rest die Bundesregierung. Sollte es die Marktlage zulassen, könnten die Tiere auch verkauft werden. Es müsse aber nachgewiesen sein, dass sie BSE-frei seien.

          Für das Vernichtungsprogramm steht der EU 2001 ein Finanzvolumen von rund einer Milliarde Mark zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine Flexibilitäts-Marge im Rahmen der jährlichen EU-Agrarausgaben in Höhe von 40,5 Milliarden Euro. Die 15 Staats- und Regierungschefs hatten unter dem Eindruck der BSE-Krise in Nizza eine Korrektur der Finanzplanung bis 2006 (Agenda 2000) ausgeschlossen. Eine Ausweitung der Ausgaben für den Agrarbereich soll es danach nicht geben.

          Die Schlachtaktion habe noch nicht begonnen, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Nach der EU-Verordnung soll sie zunächst bis zum 30. Juni laufen. Danach tritt eine andere Vorschrift in Kraft, die einen BSE-Test bei jedem geschlachteten Rind zwingend vorsieht.

          Neuer BSE-Fall in Mecklenburg-Vorpommern

          Nach Angaben des mecklenburg-vorpommerschen Landwirtschaftsministers Till Backhaus (SPD) hat sich der neue BSE-Fall durch einen Test der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen bestätigt. Die BSE-infizierte Kuh stamme aus einem im Nebenerwerb geführten, kleinen Bauernhof im Landkreis Güstrow. Nach Angaben der Besitzerin sei das Tier als Kalb mit Milchaustauschern und dann mit Kraftfutter gefüttert worden. Die restlichen drei Tiere im Bestand des Hofs würden getötet. Der Verbleib eines am Dienstag vermutlich nach Nordrhein-Westfalen verkauften Kalbs werde derzeit geprüft.

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