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: Leserbriefe vom 7. Juli 2021

  • Aktualisiert am

Die Truppe blieb unter sich: Die letzten Heimkehrer aus Afghanistan auf dem Fliegerhorst Wunstorf. Bild: AP

Heimkehr aus Afghanistan +++ Rückzug aus Afghanistan +++ Rückkehr der letzten Soldaten aus Afghanistan +++ Afghanistaneinsatz ISAF +++ Jim Morrison +++ The Doors +++ Marcel Proust

          4 Min.

          Soldaten wollen kein Tamtam

          Zu „Keiner“ von Berthold Kohler (F.A.Z. vom 2. Juli): In verschiedenen Kommentaren, so auch in der F.A.Z., wurde bemängelt, die letzten deutschen Soldaten aus Afghanistan seien am 30. Juni auf dem Fliegerhorst Wunstorf nicht angemessen empfangen worden durch höchste Repräsentanten des Staates, die Verteidigungsministerin oder wenigstens durch Abgeordnete.
          Der Abzug war für den 4. Juli angekündigt, wohl aus Sicherheitsgründen hat man ihn unter strikter Geheimhaltung vorgezogen. Das schloss die Anwesenheit hochrangiger Politiker bei Ankunft der Soldaten in Wunstorf von vorneherein aus. Anwesend war der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Pfeffer, der oberste Vorgesetzte aller deutschen Soldaten im Auslandseinsatz. Das dürfte den zurückgekehrten Soldaten völlig ausgereicht haben. Soldat eines letzten Kontingents zu sein, bedeutet eine extreme Belastung und immense Anspannung. Endlich in Deutschland zurück, möchte kein Soldat großes Tamtam und auch nicht Kulisse für eine Politik-Zeremonie stehen, sondern nur noch nach Hause.
          Ich erinnere mich, Ähnliches selbst 1999 bei Rückkehr aus dem Einsatz bei KFOR erlebt zu haben. Die Stadt wollte einen feierlichen Empfang in der Öffentlichkeit, wir Einsatzrückkehrer haben das im Vorfeld einhellig dankend abgelehnt. Der Generalinspekteur schreibt in seinem Tagesbefehl zum Ende des Afghanistan-Einsatzes am 1. Juli unter anderem, „Bundespräsident und Bundestag werden unseren Einsatz am 31. August 2021 mit einem öffentlichen Appell würdigen“.
          Dazu werden dann hoffentlich Vertreter aller Kontingente von 2001 an und vor allem die Angehörigen der gefallenen Soldaten und die verwundeten Soldaten mit ihren Familien eingeladen. Thomas Krause, Sigmaringen


          Das Trauerspiel von Afghanistan

          Berthold Kohler ist für seinen engagierten Kommentar „Keiner“ zu danken (F.A.Z. vom 2. Juli). Er erinnert an unser aller Dankesschuld gegenüber den vielen Frauen und Männern, die für unser Land nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben eingesetzt und auch verloren haben. „Keiner“ reimt sich auf „Einer“, den Anfang der letzten Zeile der Ballade „Das Trauerspiel von Afghanistan“ des Schriftstellers und Journalisten Theodor Fontane, der die mehrmals verlustreich gescheiterten militärischen Operationen der Briten am Hindukusch lapidar als „Trauerspiel“ resümiert. Immerhin wurde der „Eine“, ein Militärarzt, der sich aus dem Feldzug zu Pferd in die Garnison in Dschalalabad retten konnte, eigenhändig vom Garnisonschef aus dem Sattel gehoben und fürstlich bewirtet. Anders als das infolge von Verrat und Hinterhalten aufgeriebene britische Expeditionskorps hat das deutsche Kontingent ohne weitere Verluste den Rückzug, nicht zuletzt dank des hochprofessionellen Einsatzes des KSK, unbeschadet überstanden. Nach den vielen schlechten Nachrichten über diese Elitesoldaten wäre ein lobender Hinweis der politischen Verantwortungsträger mehr als angemessen gewesen. Dr. Christian Hahn, Utecht

           

          Ohne Gefühl für den historischen Moment

          Zu dem Artikel „Keiner“ in der F.A.Z. vom 2. Juli: Wenigstens eine Stimme, die das blamable Verhalten von Parlamentariern und Regierung bei der Rückkehr der letzten Soldaten aus Afghanistan kritisch kommentiert. Es ging nicht um Heldenverklärung, es ging um Anerkennung und Dank, persönlich für diese Nachhut und symbolisch für die Abertausenden Soldatinnen und Soldaten, die für uns draußen waren, die Gefallenen, die Verwundeten, die Traumatisierten, die Einsatzfähigen und nicht zuletzt um deren Mütter, Partner und Kinder, die Schmerz und Ängste aushalten mussten.
          Das Ende ist wie der Anfang – beklagenswert schlecht. Verantwortungslos wurde die Truppe in den ersten Jahren mit unzureichender Ausrüstung ausgeflogen, einfache Soldaten kauften sich Ausrüstungsteile von schmalem Gehalt auf dem freien Markt. Jetzt war der Weg von Berlin nach Wunstorf zu weit. Schnelle Anerkennung ist gute Anerkennung.
          Eine große Veranstaltung irgendwann? Ich höre schon das Wortgeklingel und das Wahlkampf-Blabla. Und im selben Moment, in dem sich die verantwortlichen Politiker so schäbig, so ohne Empathie und Gefühl für die Bedeutung des historischen Moments verhalten, beschließen sie frohgemut die Verlängerung des Mandats für Mali. Dr. Volker Merx, Darmstadt

          Soldatendank

          Ich möchte mich für den Kommentar „Keiner“ von Berthold Kohler (F.A.Z. vom 2. Juli) und die ehrlichen Worte sehr bedanken. Ich hoffe, möglichst viele haben ihn gelesen und darüber nachgedacht. Ich selbst, Hauptfeldwebel und Berufssoldat, habe zusammen fast ein Jahr im Afghanistaneinsatz ISAF erlebt. Sven Lorenz, Rostock

           

          Nicht verdient

          Zu Jim Morrison in der F.A.Z. vom 4. Juli: Niemals würde ich einen Nekrolog auf Marcel Reich-Ranicki verfassen, weil ich dabei gegen das ungeschriebene Gesetz de mortuis nil nisi bene eklatant verstoßen würde. Edo Reents ist auch zu empfehlen, einen Artikel zum Gedenken einer Persönlichkeit nur dann zu verfassen, wenn er einen gewissen Grad an Sympathie für den Geehrten mitbringt.
          Nun kann man über Jim Morrison denken, wie man will, aber einen solchen Verriss hat er 50 Jahre nach seinem Tod wirklich nicht verdient. Im Gegenteil: Es ist zu vermuten, dass die Laudatio auf ihn euphorischer ausgefallen wäre, hätte er das kritische Pop-Alter von 27 überlebt. Dann wäre auf ihn sicherlich eine Hymne wie auf Bob Dylan gesungen worden. Wobei der am lebendigen Leib sic transit gloria mundi erlebt, während Jim Morrison einer der Unsterblichen ist, den die Götter liebten und früh zu sich holten.
          Der Rede kurzer Sinn: für eine Retrospektive in einem solchen Fall bitte jemanden aussuchen, der mehr Sympathie gegenüber dem Verblichenen mitbringt. Zumal er gegen den Ikonen-Status Jim Morrisons eh nicht ankommt. Wolfgang Hartmann, Dornstetten

          Ultracool

          Zum Beitrag zum 50. Todestag von Jim Morrison (F.A.Z. vom 3. Juli): Sind wir mal ganz ehrlich, wer kennt denn diesen Jim Morrison überhaupt noch? Aber der Nummer-eins-Hit der Doors in den USA, „Hello, I love you“, der hatte für mich dann das gewisse Etwas; und als Sänger war dieser Jim Morrison doch ganz ultracool. Am Tag, als Jim Morrison starb, tobte in den europäischen Hitparaden der „Bär“; in Deutschland flog ein „Butterfly“ von Danyel Gerard herum, in Großbritannien quietschten Middle of the Road ihr „Chirpy chirpy cheep cheep“, und in den USA, da bewegte Carole King die Erde mit ihrem Song: „I feel the Earth move“. Immerhin! Klaus P. Jaworek, Büchenbach

           

          Tief menschlicher Einblick

          Zu „Meine Leser gibt es nicht“ von Andreas Platthaus (F.A.Z. vom 30. Juni): Celeste Albarets Erinnerungen an Prousts letzte Jahre in seiner „Matratzengruft“ bieten einen tief menschlichen Einblick in das Alltagsleben dieses großen Weltautors und bestätigen die Intensität, mit der Proust seine gesamte Lebensenergie auf das Ziel verwendete, sich die kulturellen Strömungen seiner Zeit anzuverwandeln und zu einem einzigartigen Kunstwerk zu verdichten
          Dass dieser Autor, um jedes einzelne Bild einer paneuropäischen Bildung ringend und kurz vor dem Ende seines Lebens stehend, von dem damals bekanntesten europäischen Geistesgeschichtler und vorzüglichen Dante-Kenner ein derartig uneingeschränktes Lob erfährt, kann man nur als einen Glücksfall bezeichnen, in dem die hochkulturelle Verbundenheit dieser beiden Geistesgrößen treffend bezeichnet ist.
          Ein vergleichbares „Zwiegespräch“ über die Landesgrenzen hinaus ließe sich meines Erachtens in der gegenseitigen Hochachtung zwischen Goethe und Byron finden. Der „Dichtergreis“ war geehrt von der Geistesverwandtschaft oder, wie er es ausdrückt, „eines trefflichen hochfühlenden, sich selbst seine Gegenstände schaffenden, unerschöpfliche Geistes“. Wolfgang Degenhard, Siek

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