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: Leserbriefe vom 2. Januar 2021

  • Aktualisiert am

„C the Unseen“: Mit diesem Wortspiel auf der Fassade des Opernhauses feierte Chemnitz am 28. Oktober die Wahl zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Bild: dpa

Kulturhauptstadt Chemnitz +++ Ethik des Impfens +++ Rosenkohl +++ Lisa Federle +++ UN-Botschafter Heusgen +++ Verbot Präsenzgottesdienste

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          Schlechte Verlierer in Bayern

          Zum Artikel „Aufmarsch der Europa-Flüsterer“ von Paul Ingendaay und Stefan Locke (F.A.Z. vom 29. Dezember): Unbewiesene Behauptungen über Mauscheleien bei Wahlen kannte man bisher von Donald Trump und ähnlichen schlechten Verlierern. Nun reiht sich, gestützt auf Fake News, die Stadt Nürnberg ein und mit ihr die Bayerische Staatsregierung. Das ist genau das, was die Menschen in Ostdeutschland brauchen, den Versuch von schlechten Verlierern, ihnen etwas wegzunehmen, was sie sich ehrlich erarbeitet haben. Damit wird das Gefühl der Benachteiligung (dazu der Artikel „Der Schock“ von Professor Dr. Richard Schröder in der F.A.Z. vom 28. Dezember) verstärkt. Schlimm dabei ist, dass die Bayerische Staatsregierung das Spiel mitmacht. Für die AfD in Ostdeutschland eine Steilvorlage, die sie weidlich ausnutzen wird. Christian Pokorni, Bonn

           

          Die Ethik des Impfens

          Zu „Wutpause“ (F.A.Z. vom 24. Dezember): Ob Boulevardzeitungen wirklich geeignete Foren für den Diskurs über die Ethik des Impfens sind – darüber mag man durchaus geteilter Meinung bleiben. Jedenfalls kann man dort als Wissenschaftler eine Vielzahl sonst schwer erreichbarer Menschen ansprechen, deren Aufmerksamkeit man nicht geringschätzen sollte. Wirklich bedrückend ist aber die Nonchalance, mit der im gegenwärtigen Klima auch eigentlich differenzierte Leute in vorauseilender Aufgeregtheit sachlich falsche Kommentare über Äußerungen weiterverbreiten, die sie entweder konfliktorientiert umgedeutet oder erst gar nicht im Original gelesen haben.
          Nur nochmals zur Klarheit: Niemand hat sich jemals für irgendeine Form von Behandlungsausschlüssen abhängig vom Impfstatus ausgesprochen, und ich würde mich auch jedem entgegenstellen, der einen solchen Wahnsinn fordern würde. Der Anspruch auf medizinische Behandlung ist seinem Wesen nach voraussetzungslos, auch wenn die Krankheit durch anderes Verhalten wie etwa Tabakverzicht, aber auch Geimpftwerden vermeidbar gewesen wäre.
          Ich stehe dazu: Ab und zu muss man auch und gerade als Ethiker einmal seine intellektuelle Komfortzone verlassen und dort hingehen, wo es laut, vielleicht auch ungemütlich werden kann. Auch wenn Vergleiche mit einzelnen historischen Konstellationen immer danebengehen, bleibt doch eine Quintessenz aus der Geschichte: Es hat sich noch immer gerächt, vor Leuten zu kuschen, die gefährlichen Unsinn verbreiten. Das sollte auch gar nichts Besonderes sein; wenn man in diesen Zeiten nach Menschen sucht, vor denen es den Hut zu ziehen gilt, wird man beispielsweise bei den Reinigungskräften auf den Intensivstationen fündig.
          Professor Dr. Wolfram Henn, Homburg/Saar

           

          Brüsseler Sprossen

          Zu „Nächstes Jahr wieder knutschen“ (F.A.Z. vom 30. Dezember): In seinem wundervollen Beitrag über Johnsons Weihnachtsansprache enthält Jürgen Kaube dem deutschen Leser leider Johnsons Schlusspointe vor, die wohl jeden Engländer sofort schmunzeln ließ: Auf Englisch heißt Rosenkohl „Brussels sprouts“, und diese Brüsseler Sprossen soll der Zuschauer wohl erst einmal verdauen, wie Johnson mit subtiler Ironie anmerkt. Dr. Ludger Schäfer, Düsseldorf

           

          Beispielhaft

          Vielen Dank für das Porträt von Lisa Federle („Mutter der Teststrategie“, F.A.Z. vom 15. Dezember). Das Engagement dieser bewundernswürdigen Frau ist für mich ein Trost in dieser trüben Corona-Zeit. Sie hat wirklich das Motto verinnerlicht: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage dich, was du für dein Land tun kannst. Viele, die immer nur fordern, verhindern und kritisieren, sollten sich ein Beispiel nehmen.
          Petra Peters-Becker, Frankfurt

           

          Ein beachtlicher Erfolg für Heusgen

          Zu „Gut, dass Sie gehen – Wie China UN-Botschafter Heusgen verabschiedete“ (F.A.Z. vom 24. Dezember): Die Äußerung des stellvertretenden chinesischen Botschafters bei den Vereinten Nationen, Geng Shuang, es sei „aus tiefstem Herzen ein Glück, dass wir Sie los sind“, ist in doppelter Hinsicht unerträglich. Mit „wir“ kann der chinesische Diplomat für die Volksrepublik China, nicht für die übrigen Mitglieder des Sicherheitsrates sprechen. Mit „Glück“ mag er zum Ausdruck bringen, dass Hinweise auf die Verletzung der Menschenrechte in seinem Land nach dem Ausscheiden Deutschlands aus dem Sicherheitsrat weniger stark vorgebracht werden.
          Für Heusgen bedeutet die Äußerung Shuangs einen beachtlichen Erfolg. Er hat sich mutig und konsequent für die Durchsetzung der Menschenrechte und für die Freilassung der seit zwei Jahren inhaftierten Kanadier Michael Kovrig und Michael Spavor eingesetzt. Mit seinem Appell hat er die Bösartigkeit des Arguments seines chinesischen Kollegen entlarvt. Er hat die Sicht Deutschlands gegenüber den Menschenrechtsverletzungen in China überzeugend zum Ausdruck gebracht. Seine Haltung verdient hohe Anerkennung!
          Leider vermisst man dieses Vorgehen bei herausgehobenen Parlamentariern unseres Landes. So hat die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Leiterin der Delegation des Bundestags bei der 140. Interparlamentarischen Konferenz (5. bis 10. April 2019) in Qatar, Claudia Roth, im April 2019 und damit kurz vor dem 30. Jahrestag des Massakers am 4. Juni 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking gegenüber den Delegierten der Volksrepublik China weder dieses Ereignis zur Sprache gebracht noch es zum Anlass genommen, auf die Verletzung der Menschenrechte durch die chinesische Regierung hinzuweisen. Everhard A. Voss, Berlin

           

          Was wissen die Ärzte über Gottesdienste?

          Zu „Ärzteverband fordert Verbot von Präsenzgottesdiensten“ (F.A.Z. vom 24. Dezember): „Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann“, mit dieser Begründung fordert Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, das Verbot aller Präsenzgottesdienste zu Weihnachten. Sie bezieht sich dabei auf einige Vorkommnisse, wo bei Zusammenkünften evangelisch-freikirchlicher Gemeinden Infektionsherde entstanden waren.
          Daraus nun die Forderung abzuleiten, alle Präsenzgottesdienste zu verbieten, zeugt nicht gerade davon, dass Ute Teichert sich die Mühe gemacht hätte, sich über die Situation bei den großen christlichen Kirchen auch nur ansatzweise zu informieren. Sie nennt weder Zahlen noch Fakten, die ihre Forderung begründen könnten. Wären in den Gottesdiensten in katholischen oder evangelischen Kirchen in nennenswertem Umfang Infektionsherde entstanden, hätte die Presse, auch die überörtliche, das mit Sicherheit aufgegriffen.
          Fakt ist, und das erlebe ich seit Beginn der Pandemie, dass seitens aller Pfarrgemeinden die von der jeweiligen Bistumsleitung vorgegebenen Regeln und Verhaltensvorschriften penibel umgesetzt und überwacht werden. Es wäre somit ein Leichtes gewesen, sich hier einen qualifizierten Überblick zu verschaffen. Es scheint Frau Teichert bedauerlicherweise bisher nicht interessiert zu haben. Man fragt sich dann, welche Motive hier leitend waren. Ich nenne hier deshalb die Regeln, wie sie hier im mittelbadischen Raum (Erzdiözese Freiburg) und mit geringen Abwandlungen auch in anderen Bistümern gelten: Begrenzung der Teilnehmerzahl, Anmeldung mit Kontaktdaten, Desinfektion am Eingang, getrennte Ein- und Ausgänge, jede zweite Bank gesperrt, Begrenzung auf zwei beziehungsweise drei Plätze pro Bank, je nach Länge, Tragen der Maske während des gesamten Gottesdienstes, auch während des Kommunionempfangs, dieser in streng geordneter Reihenfolge, kein Gemeindegesang. Und ich weiß, dass diese Regeln auch in den evangelischen Kirchen in gleicher oder ähnlicher Form gelten.
          Meine Frau und ich sind regelmäßige Teilnehmer an Gottesdiensten. Seit Beginn der Pandemie erleben wir, wie regelkonform und diszipliniert sich gerade katholische und evangelische Christen verhalten, die ihrem Glauben und ihrer Kirche zugewandt sind. Ginge es nur um das Verhalten dieser Gruppe der „Kirchgänger“, dann hätten wir wohl alle die Entwicklung der Infektions- und Todesfälle in ihrer jetzigen Dramatik nicht erleben müssen. Es ist schade und unverständlich, dass sich ein großer Ärzteverband durch seine Vorsitzende in dieser pauschalen und nicht nachvollziehbaren Weise geäußert hat. Dr. Johannes Arlt, Gernsbach

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