Leserbriefe vom 13. September 2021
Negative Realzinsen problematisch
Professor Martin Hellwigs Artikel über die „Enteignung der Sparer durch die EZB – eine deutsche Legende“ (F.A.Z. vom 3. September) habe ich mit Gewinn gelesen. Für die Betrachtung der Nominalzinsen überzeugt Hellwigs Argument: Bankeinlagen können durch Bargeld substituiert werden – und dieses Bargeld wird nicht negativ verzinst. Eine „Enteignung“, der man einfach entgehen kann, ist keine Enteignung!
Für Realzinsen – Nominalzins minus Inflation – ist die Situation weniger eindeutig: Wenn die Inflation dauerhaft über die Zielmarke von 2 Prozent geriete und die EZB trotzdem nicht eingreifen würde, dann könnte man dem nur schwer entfliehen. Jedenfalls nicht mit Bargeld. Aber so weit sind wir (zumindest noch) nicht.
Unabhängig von der Begrifflichkeit bleiben negative Realzinsen aus gleich mehreren Gründen problematisch: Sie belasten deutsche Sparer mit ihrem vorsichtigen Anlageverhalten überproportional, liefern falsche Verschuldungsanreize für Staaten, Unternehmen und Haushalte und kreieren Blasen in Immobilien- und Aktienmärkten. Damit sind sie Nährboden für zukünftige Crashs.
In der Praxis genauso wichtig: Hellwig belegt mit seiner Argumentation eindrücklich, wie zentral Bargeld für die Bürger ist, um sich vor negativen Zinsen zu schützen. Diesen Aspekt müssen wir unbedingt im Blick behalten, wenn Bargeld mal wieder unter Beschuss gerät! Ein Beispiel: Im Juli schlug die EU-Kommission zur Geldwäschebekämpfung Bargeldobergrenzen von 10 000 EUR vor. Solche Einschränkungen erschweren die Bargeldnutzung zur Wertaufbewahrung. Engin Eroglu MdEP, hessischer Landesvorsitzender FREIE WÄHLER und Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Währung im EU-Parlament, Brüssel
