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: Leserbriefe vom 12. Januar 2021

  • Aktualisiert am

Der führende Republikaner im Senat, Mitch McConnell Bild: AP

Donald Trump +++ China +++ Genderstern +++ Generisches Maskulinum +++ Hannah Arendt

          4 Min.

          Trump hat Amerika gespalten

          Zu Beginn möchte ich Ihnen dafür danken, dass die F.A.Z. in Corona-Zeiten immer noch ihren Weg nach Barcelona findet. Sie ist ein Retter in einer schwierigen Zeit und überzeugt durch ausgezeichnete journalistische Qualität. Zum Artikel „Mittäterschaft durch Unterlassung“ von Andreas Ross (F.A.Z. vom 8. Januar): Donald Trump war nach eigenen Aussagen gekommen, um den „Sumpf in Washington“ zu bekämpfen und die Medien als „Feind des Volkes“ zu stigmatisieren. Und für diese Botschaft hat er jahrelang ausgerechnet die von ihm zuletzt kritisierten sozialen Netzwerke Twitter, Facebook und Instagram benutzt. Auch sie waren mit schuld am Aufstieg eines Außenseiters, der die sozialen Medien für seine Lügen und Verschwörungstheorien missbraucht hat. Wozu das führen kann, haben wir am 6. Januar bei der Attacke auf den Kongress in Washington gesehen. Und der Anstifter der versuchten Revolte saß zu diesem Zeitpunkt im Weißen Haus und sah sich die Zerstörung der Büros im Fernsehen an! Trump ist gescheitert, weil er nach der verlorenen Wahl die Niederlage nicht akzeptieren konnte. Er sah sich immer als Gewinner, und nun war er selbst ein Verlierer. Die Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative hat ihn nie interessiert. Die Gerichtsurteile zu einer möglichen Wahlfälschung hat er komplett ignoriert. Auch die Zertifizierung in den sogenannten „battleground states“ hat er als Fälschungen disqualifiziert. Er hat das großartige Amerika mehr gespalten als jeder andere Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg. Und er hat selbst zwei Monate nach der Wahl seine Anhänger aufgerufen, das Wahlergebnis nicht zu akzeptieren, und sprach immer noch von der „gestohlenen Wahl“. Die schlimmen Folgen dieser Politik kennen wir jetzt. Und fast, ja fast hätten wir in Washington einen Zustand gehabt wie in Venezuela oder Libyen, wo es seit Jahren zwei Regierungen gibt. Trump hat die Demokratie aufs Spiel gesetzt, nur um womöglich an der Macht zu bleiben. Und keiner in der Führung der Republikaner (Mitch McConnell, Kevin McCarthy, Mike Pence, William Barr) hat ihn daran gehindert, weil sie seine persönliche Rache gefürchtet haben. Das ist die Tragödie einer Geschichte und zeigt, wie gefährlich es war, Donald Trump in das Oval Office zu wählen. Er geht als gescheiterter Präsident, und man kann nur hoffen, dass wir ihn da niemals wiedersehen. Robert Motzkuhn, Barcelona, Spanien

           

          China überlegen

          Zum Beitrag „Pekings autoritäre Reflexe“ in der F.A.Z. vom 2. Januar: Auch wenn es keine Belege dafür gibt, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan entkommen ist, für die „Markttheorie“ gibt es auch keine Beweise. Beide Varianten sind gleich glaubwürdig. Das Verhalten der chinesischen Behörden lässt die „Laborvariante“ wahrscheinlich erscheinen. Was auch immer passiert sein mag, die chinesische Regierung hat wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen, dass China in einem biologischen Krieg dem Westen weit überlegen wäre. Hoffentlich nehmen unsere Politiker und Militärs das auch zur Kenntnis. Wir sollten uns nicht noch stärker von China abhängig machen. Heinz Keizer, Unterwössen

           

          Wer wagt noch zu widersprechen?

          „Der Genderstern ist ein sprachlicher Gesslerhut“ – besser kann man die (außersprachlichen) Beweggründe zur Durchsetzung eines als gendergerecht bezeichneten Sprachumbaus nicht auf den Punkt bringen! In seinem Beitrag „Unter dem Muff von hundert Jahren“ (F.A.Z. vom 8. Januar) gelingt Peter Eisenberg der so überzeugend wie differenziert geführte Nachweis, dass die Einlassungen der von Gendergerechtigkeit Durchdrungenen sprachwissenschaftlich abwegig sind. „Wer einmal einen etwas längeren durchgesternten Text gelesen hat, wird . . .“ – zu diesem Satzeinstieg Eisenbergs passt wohl auch die Fortführung „wird ihn entnervt beiseitelegen“. Das Lesen etwa von literaturwissenschaftlichen Aufsätzen mit Genderstern ist eine Qual, und nach redlichem Bemühen, die Durchsternung auszuhalten, oft bis zum dritten Anlauf, breche ich, ein Leser weiblichen Geschlechts, in der Regel ab. Das Einknicken des Dudens folgt dem der Universitäten, die immer mehr zu Beschleunigern des Umbaus werden. Leider tun sich dabei gerade auch die Germanisten hervor, die es besser wissen sollten. Ihre Veröffentlichungen, bestimmt für die Studierenden, die sie als ihre LeserInnen oder Leser*innen oder gar als Lesende adressieren, beeinflussen nachhaltig die künftig in Schulen Lehrenden, was den Umbau der Sprache in politischer Zurichtung endgültig absichern dürfte. Wer aus der wissenschaftlichen Elite an den Universitäten und wer unter den politischen Entscheider*innen wagt es angesichts des allgegenwärtigen Drucks von Sprach-Ideologen überhaupt noch, den Gesslerhut nicht zu grüßen und öffentlich zu diesem sprachwissenschaftlichen Unsinn auf Distanz zu gehen? Leider viel zu wenige! Dr. Barbara Scheuermann, Göttingen

           

          Generisches Maskulinum und Gender-Stern

          Dem lesenswerten Beitrag von Peter Eisenberg „Unter dem Muff von hundert Jahren – Jetzt knickt auch noch der Duden ein“ (F.A.Z. vom 8. Januar) möchte ich drei Aspekte hinzufügen. Erstens: Das Argument der Befürworter einer gendergerechten Sprache jederlei Geschlechts, dass die Sprache das Bewusstsein prägt, ist nicht von der Hand zu weisen und leicht durch ein bekanntes Selbstexperiment nachzuvollziehen:
          Beim Lesen des Satzes „An der Bushaltestelle stehen drei Apotheker“ stellt sich automatisch das Bild von drei männlichen Vertretern dieser Berufsgruppe ein. Dieses Argument der unterschwelligen Bewusstseinslenkung trifft aber – mit wenigen Ausnahmen wie „Arzt/Ärztin“ – auch für das von der maskulinen Form abgeleitete feminine Pendant zu: Gerade durch die Negierung der Existenz eines generischen Maskulinums wird die Abhängigkeit der femininen von der maskulinen betont. Wollte man diesen Effekt vermeiden, müsste man (wie Jean Paul es tatsächlich tat) von Dichtern und Dichtinnen sprechen. Zweitens: Peter Eisenberg weist darauf hin, dass das nominalisierte Partizip I wie jedes andere deutsche Substantiv nur im Plural wirklich geschlechtsneutral ist. Virtuell bleibt der Singular aber als Grundform des Wortes erhalten und ist umso stärker als generisches Maskulinum in der Sprache verankert, als die Substantivierung die Ergänzung des Artikels nötig macht. Drittens: Die meisten lyrischen oder poetischen Formen sperren sich optisch und rhythmisch gegen eine konsequent gegenderte Sprache. Was taugt eine Grammatik, die Sonette verbietet? Dr. Peter Höfle, Hofheim

           

          Unvollendete Entgötterung

          Erfreut habe ich in Ihrer F.A.Z.-Ausgabe vom 23. Dezember eine ganze Seite zu Hannah Arendt gelesen: drei Artikel, gruppiert um den Wiederabdruck einer kurzen Buchbesprechung Arendts aus dem Jahr 1933. In der Zeitschrift „Die Gesellschaft“ amüsierte sich Arendt über den Roman „Gog“ von Giovanni Papini (in Berlin 1931 erschienen), weil sich darin „die Entgötterung der großen Männer“ vollziehe, und zwar „nach Shawscher Manier“. Schön, dachte ich, warum ist das so aufregend?
          Unsere Männer widmen sich der Frage, wer wohl Hannah Arendt wie unterstützt habe und wer ihr Denkanstöße gegeben haben könnte: Tillich, Dibelius, Jaspers, Koselleck, Heidegger. Zur Aussage der Papini-Rezension selbst schweigen sie. Der unten auf der Seite stehende Artikel mit der Überschrift „Sie redet Revolution, sie atmet Aufruhr“ wendet sich gegen den Kultstatus, der Arendt zugesprochen wird, und behauptet: „Der Kult um Hannah Arendt hat sich von der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ihren Schriften gelöst.“ Ach ja, meine Gutachter zur Dissertation und Habilitation warnten schon 1975 und 1999 vor Hannah Arendt. Mit ihr (und Agnes Heller) brauche ich mich nicht zu beschäftigen. Da steht frau staunend vor wissenschaftlichem Diskurs und Urteil. Dr. Ingrid Reichart-Dreyer, Berlin

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