https://www.faz.net/-gpf-a3xcy

: Leserbriefe vom 1. Oktober 2020

  • Aktualisiert am

Im Dom zu Brandenburg: Eine flexible Bestuhlung ermöglicht trotz aller Distanz ein Gruppengefühl. Bild: Andreas Müller

Kniebänkchen +++ Kirchenbänke +++ Warnstreiks in Corona-Zeiten +++ historische Adelsnamen +++ Hohenzollernprinz

          5 Min.

          Heute hört man kaum noch Geklapper

          Zum Artikel „Im Himmel auf Erden“ von Daniel Deckers (F.A.Z. vom 12. September): Ergänzend ist aus eigener langjähriger Erfahrung als Limburger noch Folgendes zu bemerken: Die nun im Limburger Dom befindlichen einengenden, dominanten, eichenen Kirchenbänke hat man vor circa zehn Jahren im Dom installiert. Die vorher vorhandenen flexiblen Stühle wurden von der Dombaukommission im Rahmen der Domrenovierung des Innenraumes vor etwa 40 Jahren als passende Ausstattung des Kulturdenkmals aufgestellt. Diese ersetzten die seit der Domrenovierung der 1930er Jahre für passend gehaltenen massiven Eichenholzbänke, welche „entsorgt“ wurden – teilweise verschenkt, Brennholz!
          Wie man uns Limburgern weismachte, störte das Geklapper der Stuhlkniebänkchen die Liturgie! Also hat das Domkapitel wieder eichene Holzbänke installiert; und zwar die gleichen, wie sie vor fast 90 Jahren für passend befunden worden waren. Einige wenige kleine, alte Bänke sind noch in der Limburger Stadtkirche zu besichtigen. Form und Material gleichen sich genauestens mit den „Neuen“, die eigentlich die „Alten“ sein könnten.
          Die Leichtigkeit und Zurückhaltung in Form und Materialien der Stuhlausstattung war dem rheinisch-romanischen Bauwerk angemessen. Eine diesbezügliche Kritik ist mir nicht begegnet. Wohl aber die harsche Kritik in der Domgemeinde bezüglich der Geldverschwendung für das Aufstellen der „alten-neuen“ Bänke, die, wären sie noch vorhanden, wieder ihren alten Platz hätten finden können. Ein Beispiel, wie sorglos mit den Steuermitteln von Kirche und Staat umgegangen wurde. Der Preis der neuen Bankausstattung ist bis dato nicht veröffentlicht. Wie vieles aus dem Inneren der Kirchenzirkel das Licht der Öffentlichkeit scheut.
          Und, heute hörte man kaum noch Geklapper der Kniebänkchen, denn nur noch wenige finden sich zur Feier der Liturgie im Dom ein. Wie fröhlich klänge doch das Geklapper von zahlreichen Gottesdienstbesuchern auch in den Ohren des Domkapitels. Wer Ohren hat zu hören!
          Jörg Kremers, Limburg



          Eher eine freundliche Begrüßung

          Schade, dass sich Daniel Deckers in seinem Beitrag „Im Himmel auf Erden“ (F.A.Z. vom 12. September) aufgrund eines negativen Eindrucks im Limburger Dom so vehement gegen Kirchenbänke ausspricht. Natürlich sind die Kirchen leerer als sonst. Das kann man den Leuten auch nicht verübeln. Nicht jeder fühlt sich wohl, wenn er die Kirche mit Gesichtsmaske betreten oder mit Maske singen soll. Auch mag mancher Unannehmlichkeiten für sich (Quarantäne) und Nachteile für seine Gemeinde fürchten, sollte sich nach dem Gottesdienstbesuch herausstellen, dass etliche Bankreihen weiter vorne ein Infizierter saß. Und natürlich gilt auch: Reduziert man seine üblichen Gottesdienstbesuche um die Hälfte oder auf ein Viertel, verringert man auch ein mögliches Infektionsrisiko entsprechend. Aber ob weniger Besucher als sonst sich in leeren Bankreihen verlieren oder in einem leeren Raum mit wenigen Stühlen, macht doch keinen Unterschied. Zumal die räumliche Distanz als Maßnahme, um das Infektionsrisiko zu senken, zur Zeit ja gewünscht ist. Ob Kirchenbänke die Wirkung des Kirchenraums stören, hängt vor allem von deren Gestaltung ab.
          Ich kenne viele Beispiele, wo die Bänke den Kircheninnenraum optisch aufwerten. Ich möchte sie deshalb nicht missen. In der Regel sind sie auch viel stabiler als Stühle. Gute Kirchenbänke halten mit etwas Pflege leicht 100 Jahre oder länger. Stühle können da meist nicht mithalten. Wer im Kirchengemeinderat seiner Heimatgemeinde schon einmal über die Ersatzbeschaffung für höchstens 30 Jahre alte Stühle für den Gemeindesaal beraten und entscheiden musste, kann sich denken, dass eine Gemeinde, die Kirchenbänke durch Stühle ersetzen wollte, wohlhabend genug sein muss, um mehrmals pro Jahrhundert neue Stühle anzuschaffen. Zusätzliche Personalkosten und Zeitaufwand für Änderungen der Bestuhlung vor dem Gottesdienst sind auch zu erwarten. Wer sich beim Gottesdienstbesuch freundlich angenommen weiß, muss sich nicht einsam fühlen, wenn für einige Zeit krisenbedingt weniger Besucher kommen und räumliche Distanz gewahrt werden muss.
          Der Vereinsamung von Gottesdienstbesuchern wirkt man deshalb eher durch eine freundliche Begrüßung am Kirchenportal entgegen, als durch eine bestimmte Form der Bestuhlung. Johanna von Sieg, Reutlingen

          Für einen Corona-Soli

          Zum Artikel „Warnstreiks im öffentlichen Dienst“ (F.A.Z. vom 21. September). Die Dreistigkeit der Funktionäre von Verdi und dem deutschen Beamtenbund ist unglaublich. Als Vertreter von Berufsgruppen, die während der Pandemie keinerlei Arbeitsplatzrisiko hatten und auch keine Einkommensreduzierungen erlitten, verlangen sie Lohn- und Gehaltssteigerungen, die über denen anderer Branchen liegen und über Neuverschuldung finanziert werden müssten. Dass die meisten Bereiche des ÖD und der Beamten (außer der Pflege) in den letzten Monaten eher einen geringeren denn höheren Arbeitsanfall hatten, stört sie dabei nicht.
          Wenn man diese Fakten miteinbezieht, dann wären beide Berufsgruppen eher ein Kandidat für das Erbringen eines Corona-Solis denn für Einkommenserhöhungen. Gänzlich daneben ist allerdings die Drohung der Funktionäre, zur Durchsetzung ihrer unberechtigten Forderungen Kindergärten zu bestreiken und Familien, die sich gerade von den Belastungen des Lockdowns erholt hatten, abermals in den Betreuungsstress für ihre Kinder zu stürzen.
          Werner Elzer, Kempten

          Aus der Zeit gefallen

          Der Leserbriefschreiber Peter Piro („,Königliche Hoheit‘ ohne Grundlage“, F.A.Z. vom 23. September) zu den Berichten über das Haus Hohenzollern bezieht sich hinsichtlich des Familiennamens des historischen Adels auf Artikel 109 (3) der sogenannten Weimarer Verfassung von 1919, der Folgendes bestimmt: „Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens ... “ Lediglich die Titel Prinz, Graf, Baron dürfen für die Damen abgewandelt werden in Prinzessin, Baronin, Gräfin (Reichsgericht, Urteil vom 10. März 1926). Die richtige Schreibweise lautet dann etwa: Frau Monika Prinzessin von Bauschheim, geb. Maier. In den Zeiten der Ständeverfassungen waren auch die Anredeformen obrigkeitlich geregelt, wie Königliche Hoheit, Durchlaucht, Hochwohlgeboren und so weiter.
          Erst mit dem Gesetz über die Aufhebung der Standesvorrechte des Adels und die Auflösung der Hausvermögen vom 23. Juni 1920 hat beispielsweise das Land Preußen mit einem Federstrich des Gesetzgebers dieser Unsitte endlich ein Ende bereitet, was der Familie der Hohenzollern sicherlich bekannt sein dürfte. Dort heißt es unter Paragraph 1.I.: „Die auf dem öffentlichen Rechte Preußens beruhenden Vorrechte des bisherigen Adelsstandes ... werden aufgehoben. II. Aufgehoben sind insbesondere, soweit sie nicht bereits beseitigt sind: 3. das Recht auf die Prädikate Königliche Hoheit, Hoheit, Durchlaucht und dergleichen und auf besondere Ehrungen (Landestrauer, Ehrenwachen, Kanzleizeremoniell u. dgl.).“
          Da wirkt es – um es höflich auszudrücken – wie aus der Zeit gefallen, wenn 100 Jahre nach diesem Gesetz immer noch Vorrechte bemüht werden, die ihre Grundlage eigentlich nur auf dem verdienstlosen Zufall der Geburt haben. Auch in dieser Zeitung finden sich immer wieder großformatige Traueranzeigen, dass beispielsweise „Seine Durchlaucht N.N.“ in das himmlische Reich gerufen ward. Roland von zur Mühlen, Bad Homburg

          Prinz „Auwi“

          Im Leserbrief „Einfluss der Hohenzollern war marginal“ (F.A.Z. vom 23. September) erwähnt Peter Helbich neben dem letzten Kronprinzen noch einen weiteren Hohenzollernprinzen, den Prinzen Oskar, dessen „Rolle ... mehr als dubios war“. Hier kann nur eine Verwechslung vorliegen, gemeint ist mit Sicherheit Prinz August Wilhelm („Auwi“), der als einziger Kaisersohn eine öffentliche und aktive Rolle im Nationalsozialismus gespielt hat, die in der Familie durchaus umstritten war. Andere ehemals regierende Familien des Kaiserreiches setzten mit ihrem Personal durchaus deutlicher auf den Nationalsozialismus als die Hohenzollern (Sachsen-Coburg-Gotha, Oldenburg, Waldeck, Hessen). Prinz Oskar war eher zurückhaltend, selbst wenn von ihm Aufnahmen in Uniform und mit Hakenkreuzbinde existieren. Ein solches Foto geriet 2004 auf das Cover der Taschenbuchausgabe der hervorragend recherchierten Arbeit von Stephan Malinowski „Vom König zum Führer“. Peter Trotier, Iserlohn-Letmathe

          Topmeldungen

          Kämpft mit dem Brexit und der Pandemie an zwei Fronten: Großbritanniens Premier Boris Johnson

          Desinteresse in Großbritannien : Für viele Briten ist der Brexit erledigt

          In Großbritannien interessiert sich kaum noch jemand für die Verhandlungen über das künftige Verhältnis zur EU. Das liegt nicht nur an der Corona-Pandemie. Auch das Verhalten des Staatenbundes spielt eine wichtige Rolle.

          Fehlstart für Dortmund : Unerklärlich, desolat und einfach schlecht

          Beim Start in die Saison der Champions League zeigt der BVB bei der Niederlage bei Lazio Rom eine erschreckende Leistung. Die Kritik ist groß. Und nun wartet auch noch eine ziemlich brisante Aufgabe auf die Dortmunder.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.