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: Leserbriefe vom 1. Februar 2021

  • Aktualisiert am

Schläft da ein Student? Oder ein Studierender? Können denn Studierende überhaupt schlafen? Bild: Barbara Klemm

Duden-Redaktion +++ Verfechter des Genderns +++ Zumutung für Ausländer +++ Abgrund der Pandemie

          5 Min.

          Fragen an die Duden-Redaktion

          Zum Artikel von Peter Eisenberg in der F.A.Z vom 8. Januar „Unter dem Muff von hundert Jahren“: Ich bin zwar kein Abonnent der F.A.Z, lese sie aber doch relativ regelmäßig. Sie können sich nicht vorstellen, wie erfreut ich als Autor, Verleger und Sprachwissenschaftler über den Artikel von Peter Eisenberg war. Endlich einmal wird den Sprachaktivisten, die meist völlig unbekümmert und ungehindert das Gendern verbreiten, von sprachwissenschaftlicher Seite kompetent widersprochen. Es ist leider anzunehmen, dass diejenigen, die es angeht, diese Kritik entweder arrogant ignorieren oder diffamieren als frauenfeindlich, gestrig, rechts. Dennoch: Sie haben sich durch die Veröffentlichung dieses Artikels Verdienste erworben um die Erweiterung des Meinungsspektrums und die Verbesserung der Diskurskultur zum Thema Gendern.
          Die Duden-Redaktion, die das generische Maskulinum abschaffen will, sowie alle Befürworter und Propagandisten des Genderns müssen sich folgende Fragen stellen lassen: Weshalb haben sie sich (eventuell wider besseres Wissen) dem moralischen und politischen Druck der Sprachaktivisten gebeugt? Gibt es in ihrem Kreis niemanden, der die Funktion des generischen Maskulinums als unmarkierte sexusneutrale Sammelform im Sprachsystem erklären kann? Warum unterstützen sie eine Modeideologie, die sich bei näherer Betrachtung als undurchdachter Aktivismus am falschen Objekt entpuppt und in der praktischen Wirkung dem erklärten Anliegen, mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, zuwiderläuft? Sehen sie nicht, dass beim Gendern eine feministische Agenda über ein gewachsenes und funktionierendes Sprachsystem gestellt wird und dass hier begründeter Ideologieverdacht besteht? Ist ihnen nicht klar, dass es sich beim Gendern um eine akademische Blüte handelt, die mit dem Sprachgebrauch der meisten Menschen nichts zu tun hat? Sehen sie nicht, dass eine Sprachpolitik von oben den natürlichen Sprachwandel manipuliert und verfälscht? Sehen sie nicht die Gefahr, dass das Gendern die Sprachgemeinschaft spaltet in solche, die sich als Avantgarde und als die „Guten“ fühlen, weil sie gendern, und auf den Rest herabschauen, weil sie sich verweigern? Sehen sie darüber hinaus nicht die Gefahr, dass das Gendern zum sozialen Distinktionsmerkmal wird? Registrieren sie nicht, dass trotz jahrelanger Propaganda eine überwiegende Mehrheit der Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen das Gendern ablehnt?
          Es ist mir ein Rätsel, wie eine immerhin maßgebende und mit Autorität ausgestattete Institution wie der Duden unter dem Druck von Sprachaktivisten einknicken kann, die wenig Ahnung von Sprache haben, sich aber dafür die moralische Oberhoheit und die Diskursmacht anmaßen. Ich möchte wirklich, dass sie auf die oben gestellten Fragen mit Argumenten antworten und nicht – wie es üblich geworden ist – mit arrogantem Schweigen oder Glaubensbekenntnissen.
          Der Redaktion der F.A.Z. wünsche ich Mut auf dem eingeschlagenen Weg. Lassen Sie sich vom moralischen und politischen Druck nicht beirren. Wenn Sie weitere Argumente brauchen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Ich habe einen Essay mit dem Thema „Richtig gendern? Nein, Gendern richtig kritisieren!“ geschrieben, in dem die wesentlichen Argumente gegen das Gendern so aufbereitet sind, dass auch Nichtfachleute sie verstehen können.
          Paul Pfeffer, Kelkheim

           

          Zunehmend sektenartige Züge

          Unser kurzer und herzlicher Dank geht an Heike Schmoll und alle Autoren, die noch lesbare Texte schreiben. Auch in dem Artikel „Der Überdruss am Digitalen“ von Frau Heike Schmoll in der F.A.Z. vom 27. Januar ist klar, dass mit den Studenten alle gemeint sind, gleich welchen Geschlechts. Die ermüdende Debatte wird wenigstens erträglich durch ermutigende Beiträge kluger Menschen mit historischem Bewusstsein für die Sprache und ihre Entwicklung. Die Verfechter des Genderns und deren Argumente zeigen hingegen zunehmend sektenartige Züge. Das kann bedrohlich wirken, und in Hannover möchte man sich nicht einmal um eine Wohnung bewerben! Ulrike Krystek-Theissen, Hans-Peter Theissen, Hurlach

           

          Zumutung für Ausländer

          Zu den Beiträgen über Sprach-Gendern: eine Zumutung für Ausländer! Vielen Dank, dass Sie sich nicht an Verhunzung der deutschen Sprache durch das Gendern beteiligen und der Debatte darüber angemessenen Raum liefern. Zu den vielen Argumenten gegen das Gendern ist mir bei der Lektüre des luziden Leserbriefs von Ulrich Heinz in der F.A.Z. vom 14. Januar noch ein weiteres aufgefallen: Ausländern wird das Verständnis und Erlernen der ohnehin komplizierten deutschen Sprache noch weiter erschwert. Umso misslicher, dass selbst das Goethe-Institut gendert und sich auf seiner Website wie folgt an die Interessenten wendet: „Egal, ob Sie Anfänge*r oder Fortgeschrittene*r sind, ...“. – Welcher Ausländer will schon diese Sprache erlernen? Dr. Mark Zimmer, München

           

          Junge sind die Opfer, nicht die Alten

          Zum Leitartikel „Ein Abgrund der Pandemie“ (F.A.Z. vom 21. Januar): Jasper von Altenbockum fragt, wie es zu erklären sei, „dass so wenig für diejenigen getan wurde, die das Leben hinter sich, und so viel über diejenigen geredet wird, die es noch vor sich haben, aber nicht entfernt so gefährdet sind“. Das kann man in der Tat nicht erklären, denn seine Aussage scheint mir nicht nur aus medizinischer Sicht völlig an der Wirklichkeit vorbeizugehen.
          So wird derzeit mit hohem finanziellen und personellen Aufwand die Entwicklung und Verabreichung von Impfstoffen vorangetrieben, die zuallererst die Betagten schützen sollen. Die Berufstätigen zu impfen, deren Existenzen auf dem Spiel stehen und die die Wirtschaft des Landes aufrechterhalten: Das muss (zu Recht!) warten. Auch die gesundheitlichen Risiken, die zum Beispiel mit dem Verzicht auf elektive medizinische Maßnahmen zugunsten freier Klinikkapazitäten einhergehen, gehen natürlich primär zu Lasten jener Menschen, die „ihr Leben noch vor sich haben“.
          Auch die Auffassung des Autors, mit einem frühzeitigen und umfassenden Einsatz von Schnelltests einen besseren Schutz der betagteren Generationen gewährleisten zu können, ist aus medizinischer Sicht zumindest fragwürdig. Ein umfassender Schutz gefährdeter Personen ist mit Schnelltests wohl nicht zu erreichen, sondern im schlimmsten Fall eine gefährliche trügerische Sicherheit.
          Schon gar nicht würden dadurch die flächendeckenden Kontaktbeschränkungen überflüssig: Denn sie sind nicht nur erforderlich, um die Übertragung des Virus auf Risikogruppen zu minimieren, sondern auch, um die Mutationsgeschwindigkeit des Virus zu reduzieren – wünschenswerte Effekte, von denen abermals die Risikogruppen besonders profitieren dürften.
          Natürlich es ist richtig, dass eine Gesellschaft sich dem Schutz ihrer schwächsten Mitglieder stellt. Aber der minderjährige Teil unserer Bevölkerung verdient diese Solidarität gleichermaßen. Die jungen Generationen jedoch nehmen nicht nur Freizeiteinschränkungen, sondern vor allem erhebliche Bildungs- und Entwicklungsdefizite in Kauf, ohne auf irgendeine Art der Kompensation hoffen zu dürfen.
          Dass es dabei um viel mehr als nur um einen Wissensrückstand geht, wird leider vielfach übersehen. Das Lernen zu lernen, sich sozialen Erwartungen zu stellen oder sich gemeinsam kulturellen und gesellschaftlichen Themen zu widmen und soziale Unterschiede zu überwinden: das und vieles mehr findet derzeit entweder gar nicht mehr statt oder aber mit mangelhaftem Personalschlüssel bei winterlichen Temperaturen und offenen Fenstern in fragwürdiger Infrastruktur. Dass dies kurzfristig unausweichlich war, mag sein. Aber auch knapp ein Jahr nach der ersten Schulschließung existiert kein pandemiegerechtes Bildungskonzept für den Fall, dass wir noch ein weiteres Jahr mit Kontaktbeschränkungen leben müssen – außer die Schule einfach wieder und wieder ausfallen zu lassen.
          Vergleicht man indes die Finanzhilfen für die Wirtschaft oder die personellen und finanziellen Aufwendungen für die Verabreichung von Impfstoffen und für die Bereitstellung medizinischer Reserven mit jenen Aufwendungen, die in der Pandemie für Schulen und Hochschulen zusätzlich bereitgestellt wurden, scheint sich der „Abgrund“ doch eher zuungunsten der jungen Generation aufzutun.
          Angesichts der insgesamt astronomischen Ausgaben werden aber wohl auch in Zukunft kaum mehr Mittel zur Verfügung stehen, um die fortschreitenden Entwicklungs- und Bildungsdefizite einer ganzen Generation in irgendeiner Weise auszugleichen. Fest steht lediglich, wer diese Rechnung am Ende bezahlen darf: jene, die „ihr Leben noch vor sich haben“. Professor Dr. med. Wolfgang Eirund, Wiesbaden

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