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: Leserbriefe vom 9. August 2022

  • Aktualisiert am

Steuerplattform Elster Bild: dpa

Grundsteuererklärung +++ Elster +++ Maskenpflicht +++ Gendern +++ Wilhelmshaven

          5 Min.

          Ohne mathematische Finessen

          In seinem Leserbrief in der F.A.Z. vom 29. Juli („Ärgernis Grundsteuererklärung“) übt Herr Erwin Wolfermann recht harsche Kritik an der für ihn komplizierten Methode der Grundsteuererklärung. Der ältere Teil der Bevölkerung, meint er, werde nicht in der Lage sein, die Abgabe zeitgerecht zu liefern. Ich (80) gehöre zu diesem Teil und habe die Erklärung für ein Mehrfamilienhaus und eine Eigentumswohnung, inklusive Registrierung bei Elster, ohne Berater in weniger als zwei Stunden erledigt. Mathematische Finessen und Semantik zu berücksichtigen sind bei solchen behördlichen Vorgaben ein rechtes Hindernis. Sich in die Absicht und Gedankenwelt des Behördenpersonals zu versetzen sind bei der Erledigung äußerst hilfreich. Sich ärgern über die vermeintliche Misere der technischen Lösung der Reform und die Systematik des Aufbaus erschweren die Aufgabe ungemein, wie im Falle des Herrn Wolfermann. Dieter Barz, Oberursel

           

          Das schwer gestörte Neu-Sprech-Monster

          Zu dem Leserbrief „Ärgernis Grundsteuererklärung“ von Erwin Wolfermann (F.A.Z. vom 29. Juli): Kennen Sie das? Da kommen Sie ganz harmlos bei einem etwas entfernten Nachbarn vorbei, und der sagt dann sofort: „Kommst du auch nicht mit Elster klar?“ Die Frage ist dann für mich: „Wieso nicht klarkommen, und wieso auch?“ Aber leider hat der gute Mann mit seiner Frageformulierung recht. Elster, das schwer gestörte elektronische Neu-Sprech-Monster des Finanzamtes, ist deshalb landesweit so in Verruf, weil es ein typisches Beispiel für die misslungene „Hochzeit“ von Sprachlern und Informatikern ist. Jetzt müsste einen das nicht weiter jucken, aber es ist das Finanzamt, die wollen uns besteuern, die oft hart arbeitende Bevölkerung zur Kasse bitten. Und meistens läuft Elster nicht. Dagegen wäre so lange nichts zu sagen, wenn alles fair abläuft – „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist“ –, aber wenn der Austausch zwischen Finanzamt und Elster-Usern so als kommunikative Katastrophe daherkommt, wird das nichts. Haben wir eigentlich keine anderen Probleme zu lösen, als uns mit unverständlichem, nicht funktionierendem Finanzamts-Deutsch rumzuplagen?
          Ach ja: Der Nachbar sagte dann abschließend: „Ich habe mich da tapfer durchgekämpft. Auf der letzten Seite wurden dann aber zuerst drei Fehler, nach Korrektur dann ein Fehler, nach dessen Korrektur dann wieder drei Fehler moniert – und dann habe ich aufgegeben.“ Polemisch könnte man sagen: Aufseiten des Finanzamtes vermutet man wohl „die Schlauen“. Wo aber sind dann die Dummen? Sind das die Steuerzahlerinnen und -zahler oder vielleicht doch Elster? Heiner J. Coenen, Geilenkirchen

           

          Fachliche Informationen notwendig

          Bezugnehmend auf Daniel Kehlmanns Text (F.A.Z. vom 29. Juli) „Wollen wir die maskierte Gesellschaft?“ sowie den Leserbrief von Professor Dr. Christine Osterloh-Konrad (F.A.Z. vom 1. August) möchte ich Folgendes beisteuern: Mein beruflicher Alltag als Lehrerin wurde in den vergangenen beiden Jahren von den Maßnahmen zur Begrenzung der Corona-Pandemie geprägt: Maske tragen, Videokonferenzen, testen und dokumentieren. Inzwischen wurde angekündigt, dass eine Maskenpflicht in Innenräumen für die kommende kalte Jahreszeit wieder notwendig sei. Mir graut davor. Ich vermisse fachliche Informationen und eine ergebnisoffene Diskussion über Sinn, Nutzen und Folgen des Maskentragens, besonders in den Schulen. Welche Folgen hat es, wenn über Stunden durch eine Papiertüte Recyclingluft geatmet wird? Geben die Maskenmaterialien zusätzlich Schadstoffe in die Atemluft hinein? Bei mir entwickelten sich jeweils nach wenigen Wochen des Masketragens Zahnfleischentzündungen sowie ein eitriger Abszess im Gaumen. Sobald ich für einige Wochen wieder ungefiltert atmen durfte, verschwanden sie. Durch die Masken besonders beeinträchtigt empfand ich die Unterrichtssituation und hatte sehr gehofft, dass dieser Spuk endlich vorbei sei. In der Regel stelle ich meinen Schülern neue Inhalte und Themen vor, die durch Übungen und eine lebendige Interaktion erfahren und verstanden werden können/sollen. Stimme, Gestik und Mimik bilden neben der inhaltlichen Tiefe und didaktischen Aufbereitung ein nicht zu trennendes Zusammenspiel. Maske tragend, empfand ich mich als stark eingeschränkt in meinen kommunikativen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Reaktionen meiner ebenso maskierten Gegenüber (Schüler) konnte ich teilweise nur erraten. Meine Schülerinnen und Schüler sind im jugendlichen Alter. Mein Eindruck ist der, dass die Maske für zu viele von ihnen inzwischen ein willkommenes Mittel darstellt, sich zu „verstecken“. Werden psychosoziale Folgen dokumentiert und gegebenenfalls berücksichtigt? Im geschützten Raum einer Klassengemeinschaft kann viel trainiert werden: sich zeigen, diskutieren und ein Standing entwickeln, mit dem man „in die Welt ziehen kann“. Sollten wir denn nicht alles dafür tun, dass eine erfinderische, mutige, selbstbewusst-fröhliche junge Generation an den Start kommt – auch um die anstehenden Herausforderungen gemeinsam angehen zu können?
          Andrea Froneck-Kramer, Homberg

           

          Spielerischer Sprachterrorismus

          Am 4. August waren wieder einmal zwei Leserbriefe in dieser Zeitung über das Thema Gender, einer dafür, einer dagegen. Im F.A.Z.-Archiv gibt es dreitausendachthundertundneununddreißig Treffer darüber. Das sind noch über tausend Einträge mehr als über das seinerzeit & ihrerzeit schon überaus vielfältig abgehandelte Thema Rechtschreibreform. Die besten Experten schreiben darüber, Artikel und Leserinnenbriefe, die es gar nicht mögen, das Gendern. Es wird aber immer ganz brav und eher bieder mit der Grammatik der Sprachlogiken und über die Verwechslung von Sex und Gender argumentiert. Ohne Erfolg. Argumentieren hat eben hier leider keinen Zweck. Es ist einfach eine Modefrage, eine Zeitgeistfrage. So wie die aufgerissenen Jeans, die es auch schon seit hundert Jahren gibt, wie die neueren Freundschaftsarmbänder, Leder-Stahl-Armbändchen und wie sie heißen mögen, wie die Mode, keine Krawatte zu den Hemden zu tragen, die eigens dafür geschneidert wurden, wie farbige Socken – warum auch nicht? –, wie auch der Spruch der 68er-Studenten „Trau keinem über dreißig“. Der Schwabe würde dazu sagen „Da schtohst machtlos vis-à vis“. Man kann so etwas nicht stoppen. Wie die Mode, Sneakers zu tragen. Ein Psychologieprofessor meinte einmal dazu, das bedeute, schnell flüchten zu können, keine Verantwortung zu tragen. Die Asteriskpünktchenunterstrichfrage, das hat auch etwas Spielerisches, man kann es ganz leicht machen, eine Art spielerischer Sprachterrorismus, ganz dezent das ewig langweilige Korrektschreiben bissel hintertreiben, jetzt auch mit quasimoralisch auf der guten Seite stehenden Gründen: Ich beachte jederzeit alle Frauen, alle Transfrauen und Transmänner, nicht nur im Sinn und mitgemeint, sondern, seht her, ich schreib es hin, Leute. Von Wolf Schneider hingegen stammt der Satz: „Gendern ist für Wichtigtuer.“ Peng! Ganz einfach und klar wie ein Gebirgsbach. Das wird aber nichts nützen. Ein neues Paradigma ist da, die alten und die Alten sterben aus. Und die Jungen finden es normal und, Uwe Seeler selig hat es immer gesagt, normal zu sein, das ist das Schönste überhaupt auf der Welt. Uwe-Jens Has, Berlin

           

          Kahan-Kai statt Bonte-Kai

          Zu dem Artikel „Gezeitenwende“ von Reinhard Bingener“ (F.A.Z. vom 30. Juli): Im vorletzten Absatz des Artikels verweisen Sie auf den Marineoffizier Friedrich Bonte und den nach ihm benannten Bonte-Kai am Innenhafen von Wilhelmshaven. Ich möchte daran erinnern, dass ohne die Familie Kahan aus Baku, die nach dem Ersten Weltkrieg hier investierte (siehe gleichnamiges Buch von Verena Dohrn), Wilhelmshaven keinen Hafen mehr hätte. Da bietet es sich doch an, den Kai in Kahan-Kai umzubenennen, um das Wirken dieser Familie für Wilhelmshaven zu würdigen. Es gibt auch keine Straße in Wilhelmshaven, die nach den Kahans benannt wurde. Klaus Henseler, Cuxhaven

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