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: Leserbriefe vom 7. Dezember 2020

Der Staat will die Aufwendungen für einen Heimarbeitsplatz bei der Steuer berücksichtigen. Bild: dpa

Homeoffice +++ Kulturerbe bewahren +++ ZDF-Genderfunk +++ Schweigen zur Demographie +++

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          Keine Entlastung

          Zu „Einigung auf Homeoffice-Pauschale“ (F.A.Z. vom 30. November): Die nächste Luftnummer der Bundesregierung. Es ist zu begrüßen, dass die Arbeitnehmer im Homeoffice begünstigt werden sollen. Jedoch darf man, wie in dem Artikel festgestellt, nicht vergessen, dass die Werbungskosten für Fahrten Wohnung–Erste Tätigkeitsstätte wegfallen. So dürfte es sich in den meisten Fälle fast eins zu eins ausgleichen. Durch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1000 Euro werden die meisten Arbeitnehmer keine Änderung wahrnehmen. Eine Entlastung für Mehraufwendungen im Homeoffice (Strom, Wärme, Versorgung et cetera) wird nicht eintreten. Einfacher wäre es gewesen, den Arbeitnehmer-Pauschbetrag etwas zu erhöhen. Dies entlastet zwar alle Arbeitnehmer. Es wäre aber mal eine unbürokratische Regelung, die nicht viel Aufwand erzeugt und ein direktes Ergebnis liefert. Sebastian Andreae, Hamburg

          Das Kulturerbe Europas bewahren

          Der Aufruf von Paul Ingendaay zu einem aktiveren Einsatz für Europas Kulturerbe („Arbeit für die Jungen“, F.A.Z. vom 6. November) spricht mir aus der Seele. Die „Jungen“ einer jeden Generation für das gemeinsame Kulturerbe zu begeistern ist die beste Versicherung für dessen künftigen Erhalt. Dabei macht die handwerkliche Arbeit im Rahmen denkmalpflegerischer Arbeitseinsätze nicht nur Spaß und vermittelt Fertigkeiten und Wissen. Sie schafft auch Identität. Faszinierend ist immer wieder, welche Kräfte ein solcher Workshop freisetzen kann. Durch die Entscheidung, an einem Baudenkmal für ein Wochenende zu arbeiten, erlebten wir oft, wie ein ganzes Dorf in tätige Bewegung geriet. Schließlich mussten Unterkunft, Verpflegung, Werkzeug und Arbeitsmaterialien organisiert werden. Das gelingt nur durch das Zusammenwirken aller. Besonders wichtig ist nach unserer Erfahrung die frühzeitige Vorbereitung unter Einbindung der Menschen vor Ort. Nach Überwindung erster sprachlicher Hürden vermitteln die gemeinsame Organisation und die gemeinsame Arbeit ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Grenzen verschwinden. Zudem fördert die meist ländliche Lage vieler Baudenkmale den so wichtigen Stadt-Land-Austausch der engagierten „Jungen“ auf ganz natürliche Weise. Das bei solchen Arbeitseinsätzen physisch Erreichte mag mit Blick auf den Gesamtsanierungsbedarf an dem ausgewählten Kulturgut gering erscheinen. Nicht selten haben unsere Einsätze aber Initiativen vor Ort zu neuen Taten beflügelt oder sogar die Gründung neuer Initiativen hervorgerufen. Damit ist die ideelle Wirkung meist wirksamer und nachhaltiger als die reine Arbeitsleistung. Im besten Fall führt der erste Einsatz von „außen“ zu bleibenden Interessengemeinschaften oder Fördervereinen, die das Engagement fortführen. Das Interesse an der gemeinsamen europäischen Kultur wird damit schon in jungen Jahren gefördert, ein Gefühl füreinander und für das gemeinsame Kulturerbe entwickelt. Es hält meist ein Leben lang. Alexander Louis Meßner, Düsseldorf, VKF e.V. – Verein zur Kunst- und Kulturförderung in den Neuen Ländern

           

          Das ZDF als Genderfunk

          In seinem in jeder Hinsicht beifallswürdigen Leserbrief „Orwell lässt grüßen“ (F.A.Z. vom 21. November) kritisiert Thomas Wilhelms das „stotterhafte Sprachgestammel“, das im öffentlich-rechtlichen ZDF mit dem geschriebenen und gesprochenen Genderstern Einzug gehalten hat, und zwar gerade auch in Nachrichten. Tatsächlich ist in „heute“ und „heute journal“ ästhetisch ansprechend und auch für des Neusprechs Unkundige gut verständlich von „Politiker-hicks-Innen“ und „Teilnehmer-hicks-Innen“ die Rede, zuweilen auch ganz ohne „hicks“ – „Bürger-hicks-Innen-meister-hicks-Innen“ und „Mitglieder-hicks-Innen“ lassen noch ein wenig auf sich warten. Leser Wilhelms fragt zu Recht, ob hier dem bisher unverständigen Publikum endlich die richtige Gesinnung oktroyiert werden soll und ob dies überhaupt die Aufgabe des mit Rundfunkzwangsbeiträgen finanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens sein darf. Der Zuschauerservice des ZDF hat mir bereits im Oktober dieses Jahres auf meine Anfrage hin die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten des ZDF zugeleitet, die auf eine Empfehlung der Geschäftsleitung des ZDF vom Sommer 2020 verweist, den Genderstern künftig zu nutzen: „Queere Menschen sollen, genauso wenig wie Frauen, lediglich mitgemeint sein.“ Die deutsche Sprache halte, „Stand heute“, noch keine geschlechtergerechte Lösung parat; „aber Sprache ist immer auch ein Spiegel ihrer Zeit, sie entwickelt sich weiter, schafft Bewusstsein“. An der gesellschaftlichen Diskussion um die richtige Lösung teilzunehmen, das sei die Absicht des ZDF. Der – auch gesprochene – Genderstern sei für viele schon Alltag. Nachrichten sind Informationen über Tatsachen und verzichten streng auf die subjektive Meinung des Verfassers, so lehrt es der Doyen des deutschen Journalismus, Wolf Schneider. Sie sind allein nach Maßgabe der Fragen zu verfassen: „Was?“, „Wer?“, „Wann?“, „Wo?“, „Warum?“ und „Wie?“, sicher aber nicht, um an der öffentlichen Diskussion über den Sinn des Gendersterns teilzunehmen, sie damit publikumswirksam zu prägen und so Bewusstsein zu schaffen! Warum formuliert man – übrigens eingestandenermaßen – gegen die Empfehlungen des Dudens sowie des Vereins Deutsche Sprache, gegen die Überzeugung der überwältigenden Mehrheit der deutschen Schriftsteller und nicht zuletzt gegen die Praxis der schweigenden Mehrheit der Zuhörer Nachrichten? Warum stellt man nicht mehr, wie von Paragraph 10 des Rundfunkstaatsvertrags von 1991/2019 vorgesehen, für Berichterstattung und Informationssendungen auf die anerkannten journalistischen Grundsätze ab und benutzt die deutsche Hochsprache? Weil man mit moralischem Furor für eine vermeintlich bessere Sprache kämpft! Wie gefährlich gerade der totalitäre Zugriff auf die Sprache ist, übrigens gleichfalls im Dienst einer angeblich guten Sache, hat Victor Klemperer gezeigt. Da beruhigt es auch kaum, dass sich die selbsternannten Sprachkämpfer dieses Mal im Recht wähnen. Professor Dr. iur. Thomas Finkenauer, Tübingen

          Das große Schweigen zur Demographie

          In seinem Beitrag „Ruinöser Wettbewerb?“ (F.A.Z. vom 25. November) befasst sich Jasper von Altenbockum mit den drei Beiträgen der Kandidaten für den CDU-Vorsitz, die auf der Seite „Die Gegenwart“ in dieser Zeitung erschienen sind. Weniger überraschend als die große programmatische Gleichheit ist doch das dröhnende Schweigen zu einer nicht unerheblichen Herausforderung für die Zukunft dieses Landes: der Demographie. Lediglich Merz erwähnt kurz den demographischen Wandel. Auch Merz führt diesen Aspekt nicht weiter aus. Demographie mag nicht so attraktiv erscheinen, wie die Auseinandersetzung mit den vermeintlich großen (welt-)politischen Themen. Doch die Demographie bildet die Grundlage dieses Staates in all seinen Facetten. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass man sich der Herausforderungen bewusst wird, die 50 Jahre negatives natürliches Bevölkerungswachstum bedingen, und beginnt, Lösungen zu erarbeiten. Selbstverständlich kann die derzeit so viel bemühte Digitalisierung hier einen wichtigen Beitrag leisten, aber es erschöpft sich darin nicht. Bei all den Potentialen, die die Digitalisierung bietet: Es gibt Grenzen. Wenn beim Handwerksbetrieb auf dem Land zwei von vier Mitarbeitern in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, kann der Wegfall der Arbeitskraft nicht einfach durch digitale Lösungen kompensiert werden, vom Fachkräftemangel ganz zu schweigen. Auch für die sozialen Sicherungssysteme bleiben nachhaltige Lösungsansätze offen. Dabei stellt nicht nur die stetig zunehmende Diskrepanz zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern die Sozialsysteme vor extreme Probleme; die zusätzlichen Staatsausgaben im Zuge der Corona-Pandemie engen den Spielraum zusätzlich ein. Der Ansatz, Finanzprobleme durch zusätzliche Steuermittel zu lösen, war aus demographischer Perspektive noch nie tragfähig. Nun ist es nicht das alleinige Versäumnis der Kandidaten, hierzu zu schweigen, sondern sie führen nur die Politik der vergangenen Jahre und Jahrzehnte aller Parteien fort. Gerade deshalb wurde hier eine wichtige Chance vertan, ein entscheidendes Zukunftsthema präsent zu adressieren und ein Zeichen zu setzen, dass zumindest die letzte Volkspartei in diesem Land die Bedeutung des Themas erkannt hat. Es verbleibt die geringe Hoffnung auf einen Bewusstseinswandel. Martin Stark, Berlin

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