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: Leserbriefe vom 7. August 2020

  • Aktualisiert am

Der fast menschenleere Markusplatz in Venedig in den Morgenstunden. Bild: Sebastian Beck/SZ Photo/laif

Venedig +++ Frauenquote am Bau +++ Gender-Ideologie +++ Dieter Nuhr +++ Deutsche Forschungsgemeinschaft +++ Umbenennungsfuror +++ Donald Trump und die Künstler

          5 Min.

          Kommen Sie nach Venedig!

          Wir haben harte Monate hinter uns: im vorigen Jahr das Hochwasser, dann die Pandemie. Dennoch haben wir nie unseren unerschütterlichen Geist verloren und nie aufgehört, die Ehre der Stadt vor denen zu verteidigen, die aus persönlichen oder wahltaktischen Gründen, angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen, unwahre Geschichten erzählen. Ich werde immer dafür kämpfen, die Meinungsfreiheit zu garantieren, aber mit gleicher Entschlossenheit werde ich jeden bekämpfen, der dem Ruf Venedigs schaden will, so wie es im Beitrag „Kämpferische Töne im Ort“ von Petra Reski (F.A.Z.-Reiseblatt vom 16. Juli) geschehen ist.
          Venedig hat in den letzten fünf Jahren eine beispiellose Erneuerung erfahren, bei der wir außer der notwendigen Erhaltung des „Stato da Mar“, also der Altstadt und der Inseln, eine natürliche Entwicklung des „Stato da Tera“, also des Festlandes, insbesondere Marghera und Mestre, gefördert haben. Ein wahrer Akt der Solidarität, der die ganze Stadt dazu bringt, ein Beispiel der ordnungsmäßigen Verwaltung zu sein, die den öffentliche Haushalt konsolidiert und all jene Investitionen realisiert, die es der Stadt ermöglichen, ein Beispiel für Italien und die ganze Welt zu werden. Wir haben einen technologisch fortschrittlichen Smart Control Room geschaffen, von dem aus wir die Stadt in Echtzeit überwachen, und das gesamte Gebiet mit Glasfaser verkabelt, um schnelle Verbindungen zu garantieren und digitale Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Zugleich haben wir in den Umweltschutz investiert. Venedig steht seit drei Jahren auf dem ersten Platz der Städte Italiens und unter den Ländern Europas, die sich durch Mülltrennung auszeichnen. Wir haben die Wohnqualität durch eine Sperre für die Eröffnung neuer Hotels, Bars und Restaurants in prestigeträchtigen Gebieten der Stadt, die Renovierung von mehr als 400 Wohnungen für Familien, die Entwicklung eines neuen Wohngebiets in Sant’Elena und eine neue Sporthalle für fast 1000 neue Einwohner gefördert.
          Außerdem bemühen wir uns darum, einen Tourismus zu gewährleisten, der die Stadt stärker respektiert und unsittliche Verhaltensweisen verhindert. Dies ist uns auch dank der Ortspolizei aus über 500 jungen Beamten möglich. Wir sind dabei, ein Buchungssystem umzusetzen: Besucher werden immer willkommen sein, aber wenn Sie nicht im Gemeindegebiet übernachten, müssen Sie vom nächsten Jahr an eine „Zugangsgebühr“ bezahlen und sich anmelden, damit die Stadt nicht mehr überfüllt ist. Leider steht das Kapitel der großen Schiffe noch offen. Die Regierung muss endlich unserer Bitte nachkommen, sie nicht mehr vor dem Sankt-Markus-Becken vorbeifahren zu lassen. Sie hat die Verpflichtung 2017 unterschrieben, aber bis heute ist nichts passiert.
          Wir bemühen uns um die Zukunft der jüngeren Generationen und setzen uns für die gute Investition der Mittel ein, die Europa uns mit dem Recovery Fund zur Verfügung stellen wird.
          Kommen Sie nach Venedig. Machen Sie sich ein Bild aus erster Hand. Überzeugen Sie sich persönlich. Dann werden Sie selbst urteilen und die wahre Seele unserer Stadt entdecken. Wir freuen uns auf Sie! Luigi Brugnaro, Bürgermeister der Stadt Venedig



          Frauenquote in der Baubranche?

          Wie berichtet, will Arbeitsminister Hubertus Heil, dem aktuellen Wahn nach Geschlechtergleichstellung in allen Lebensbereichen folgend, bei Sozialwahlen per Gesetz verfügen, dass zum Beispiel auch bei den Bau-Berufsgenossenschaften ein Frauenanteil von 40 Prozent verpflichtend ist (F.A.Z. vom 3. August). Bei einem Frauenanteil von 10 Prozent aller Beschäftigten in dieser Branche sollte es vernünftig sein, in Entscheidergremien diesen Anteil auch annähernd abzubilden. Wie will man bei der Ausgestaltung und ständigen Verbesserung des Arbeitsschutzes derjenigen, die an den Baustellen und so weiter die Tätigkeiten wirklich ausführen, zu praxisnahen Lösungen kommen, wenn in Vorstand und Vertreterversammlungen 40 Prozent sitzen, die weitestgehend keine Ahnung haben?
          Heil geht mit dem Rasenmäher an Missstände ran, statt differenzierte Lösungsansätze zu bieten. In der aktuellen Gleichstellungsorgie übersieht auch er immer wieder, dass eben nicht alle Menschen in jeder Beziehung gleich sind. Dieser Wahn führt dazu, dass man wissentlich das Können und die Motivation von Besseren und Stärkeren abwürgt, weil vor lauter Bemühen um Gleichmacherei deren Qualifikationen ausgebremst werden! In Wahrheit steckt in diesem Fischen am Rande doch nur die Hoffnung, zu Wählerstimmen zu kommen. Rolf Düncher, Dreieich

           

          Zur Frau erklären

          Die Debatte um Frauenquoten treibt absurde Blüten, wie man an Ihrem Bericht „Eine Frauenquote für Presslufthämmer“ (F.A.Z. vom 3. August) erkennen kann. Dabei wäre die Lösung ganz einfach, würden die Beteiligten nur konsequent die Gender-Ideologie anwenden. Indem nach traditionellem Verständnis männliche Kandidaten für ein Amt sich einfach selbst zur Frau erklären (Stichwort sexuelle Identität, die nicht mit externen Geschlechtszuschreibungen identisch sein muss), wären die Quoten leicht zu erfüllen. Diese Selbstzuordnung anzuzweifeln wäre dann als reaktionäre Anmaßung zurückzuweisen. Dr. Juliane Meyerhoff, Frankfurt

           

          Dieter Nuhr und die DFG

          Dankenswerterweise hat auch die F.A.Z. die Causa Nuhr/DFG aufgegriffen. „Kapitulation“ titelt sie zu Recht am 3. August auf Seite 9. Man muss nicht alles, was Nuhr sagt, mögen oder gutheißen, ich finde aber, hier hat er für die Wissenschaft ebenso intelligent wie augenzwinkernd Werbung gemacht. Die DFG dankt es ihm nach anfänglichem Willkommen mit Hinauswurf.
          Es ist beängstigend, dass eine wissenschaftliche Einrichtung (staatlich mit über drei Milliarden jährlich finanziert) ihr eigenes Selbstverständnis dermaßen missachtet und wie mancherorts auch Verwaltung und Behörden vor Shitstormern, Mainstreamern und Influencern einknickt. Die Monumenteinreißer und Straßenumbenenner bieten Beispiele Tag für Tag. Es ist beängstigend, peinlich und für die DFG demütigend, dass sie, die der wissenschaftlichen Objektivität (und Neutralität) verpflichtet sein sollte, vor dem Gebaren diffamierender Wichtigtuer auf den (un)sozialen Medien den Hasenfuß macht. Nahezu lächerlich mutet es an, dass die DFG in einer Pressemitteilung (F.A.Z. vom 4. August) verlautbart, „Die DFG bietet Nuhr aber sehr gerne eine im Lichte der aktuellen Debatte kommentierte Wieder-Online-Stellung seines Statements an ... “. Gewiss, Wissenschaft lernt auch dazu, für drei Meinungswechsel über eine Person innerhalb von zwei Wochen bedarf es aber keiner Wissenschaft, bloß ein bisschen Nachdenken und Rückgrat. Lutz Appel, Schacht-Audorf

           

          Nuhr ist offen und redlich

          Zu „Kapitulation“ von Michael Hanfeld (F.A.Z. vom 3. August): Über 30 Jahre habe ich der DFG als Gutachter sowie durch Mitarbeit in verschiedenen Gremien und Kommissionen und schließlich als Vizepräsident gedient. Stets war ich stolz auf die weltweit bewunderte Forschungs-Fördereinrichtung und in diesen Tagen auch über die Entscheidung, Dieter Nuhr zu ihrem hundertjährigen Bestehen um einen Kommentar zu bitten. Heute schäme ich mich allerdings für eine DFG, die glaubte, die ausgezeichnete Stellungnahme eines Kabarettisten, der wie wenige um Offenheit und Redlichkeit bemüht war, vom Netz nehmen zu müssen. Professor em. Dr. Widmar Tanner, Regensburg

           

          Keine Ahnung

          Zu „Umbenennungsfuror“ (F.A.Z. vom 23. Juli): Das ist es, wofür ich meine F.A.Z. so liebe: Dass sie sofort einen bei der Hand hat und zu Wort kommen lässt, der aufgrund seiner profunden sprachwissenschaftlichen und -historischen Kenntnisse die nahezu hysterischen Umbenenner (in Sachen „Mohr“) als das entlarvt, was sie sind: Leute nämlich, die schlicht keine Ahnung haben. Wolfgang Herkenhoff, Osnabrück

           

          Abgelenkt

          Zu „Teuflisch gut“ (F.A.Z. vom 30. Juli): Mit dem Artikel liefert Edo Reents ein perfides Beispiel des „Whataboutisms“. Durch die Kritik an den Rolling Stones, die sicher gerechtfertigt ist, versucht er, von dem Anliegen der Künstler*innen, von Donald Trump nicht vereinnahmt zu werden, abzulenken und macht sich so mit ihm gemein. Klaus Frieling, Aschaffenburg

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