https://www.faz.net/-gpf-a1uym

: Leserbriefe vom 31. Juli 2020

  • Aktualisiert am

Essen oder streicheln? Das Schicksal dieses Ferkels ist besiegelt. Bild: Picture-Alliance

Fleischproduktion +++ Hygienemaßnahmen in der Schule +++ Kernkraftwerk Tschechien +++ Autofahrer

          5 Min.

          Schweinerei mit Schweinen

          Zur Berichterstattung über den Fleischproduktionsbetrieb Tönnies in der F.A.Z.: Vor Jahren schon sind in der Landwirtschaft die Pfade der „freien Marktwirtschaft“ verlassen worden. Dazu kommen die Auswirkungen der Überdüngung und Vergiftung der Äcker mit Unkrautvernichter. Alles unterstützt durch die Milliardensubventionen der EU und die hilflosen Aktionen einer überforderten Landwirtschaftsministerin gegenüber den unentwegt jammernden Landwirten, deren Bauernverband vergessen hat, auf welchen Grundsätzen die Marktwirtschaft ihrer CDU seit Ludwig Erhard beruht: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Angewandt auf die niedrigen Schweinepreise, die angeblich von Aldi und Co. gedrückt werden, wird gezeigt, dass trotz fünfzigprozentigen Exports ein Überangebot besteht. Das heißt, für einen besseren Preis muss weniger in den Fleischfabriken der Bauern produziert werden.
          Um das zu erreichen, müssen zum Wohle der Schweine die jetzt vorhandenen Stallflächen mit der halben Anzahl von Tieren belegt werden, das heißt eine Verdoppelung der Nutzfläche pro Tier. Das bedeutet: keine Stallneubauten, keine weiteren Subventionen, aber weniger Produktion, geringeres Angebot und höhere Preise. Dazu weniger Überdüngung der Felder durch weniger Gülle. Dann sind auch die fröhlichen Tierembleme an den Schlachthallen von Tönnies gerechtfertigt und nicht als Goldesel mit Tönnies-Visage erklärbar. Helmut Stange, Neuss

           

          Großveranstaltung Schule

          Zu „Zurück ans Pult“ (F.A.Z. vom 16. Juli): Im gemeinsamen „Rahmen für aktualisierte Schutz- und Hygienemaßnahmen, die dem Arbeitsschutz Rechnung tragen“, wie er von den Kultusministern für das kommende Schuljahr beschlossen worden ist, werden gleich zu Beginn alle mit Schule befassten Beschäftigten, Schulträger, Schüler und so weiter dazu angehalten, sorgfältig die Hygienehinweise des Robert Koch-Instituts zu beachten. Umso mehr überrascht es, dass gleich zwei Hygieneschutzmaßnahmen außer Kraft gesetzt werden, die für den Rest der Bevölkerung als unumgänglich gelten: Die Abstandsregel von eineinhalb Metern wird aufgehoben, und das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung liegt künftig im Belieben der einzelnen Länder und ist damit in vielen Bundesländern faktisch abgeschafft.
          Die bildungspolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Argumente, die für eine uneingeschränkte Öffnung von Schulen sprechen, sind dabei unbestritten. Aber ist es nicht absurd, ausgerechnet in der „Großveranstaltung Schule“ künftig auf die entscheidenden individuellen Schutzmaßnahmen zu verzichten und sich stattdessen darauf zu beschränken, durch Bildung fester Lerngruppen eine mögliche Infektionskette zu unterbrechen? Zumal die Bildung fester Lerngruppen im Kurssystem der Oberstufe oder auch im Wahlpflichtbereich umgehend ausgehebelt wird. Wie sich bei Infektionen in diesen ständig durchmischten Gruppen Schulschließungen vermeiden lassen, ist eines der vielen Rätsel.

          Dass hingegen im kommenden Schuljahr auf Umarmungen und Händeschütteln verzichtet und die Husten-/Niesetikette sowie eine gründliche Händehygiene beibehalten werden sollen, mutet als gemeinsame Rahmenvereinbarung fast schon rührend an. Und man könnte sich, nur nebenbei bemerkt, auch fragen, wieso es erst einer Pandemie bedarf, bevor Flüssigseifenspender, Einmalhandtücher (mit Auffangbehältern!) und die regelmäßige Reinigung von Räumen in schulischen Hygieneplänen festgeschrieben werden sollen.
          Wenn jedenfalls außer Flüssigseifenspendern in der Schule nichts mehr an Covid-19 erinnert – denn auch dazu dienen Maske und Abstandsregeln –, kann man getrost davon ausgehen, dass unter den Schülern der ganz normale Alltag Einkehr halten wird. Und es bleibt abzuwarten, inwieweit es gelingt, die Vorgabe umzusetzen, im nordeuropäischen Herbst alle 45 Minuten mehrere Minuten lang stoßzulüften (wenn möglich auch während des Unterrichts), und ob eine solche Vorgabe auch nur ansatzweise geeignet ist, Atemluft und Aerosole von häufig mehr als dreißig Schülern in einem Klassenraum wirkungsvoll durch Frischluft zu ersetzen.

          Wäre da etwas weniger nicht mehr gewesen, indem zum Beispiel von vornherein ein Konzept mit digitalem Anteil und kleineren Lerngruppen erarbeitet worden wäre zugunsten größerer Abstände unter den Schülern und einer geringer belasteten Raumluft? Stattdessen werden Schüler verpflichtend (!) in ein Großexperiment geschickt, dessen Ausgestaltung allem widerspricht, was Wissenschaft und Politik zur Eindämmung des Virus, gerade auch bezüglich des Arbeitsschutzes, raten.
          Deshalb scheint es mir wenigstens angebracht, die Präsenzpflicht im Unterricht auszusetzen, um so Eltern, Schülern und Risikopersonen im eigenen Haushalt eine individuelle Beurteilung des Risikos zuzugestehen. Schließlich muss sich bei allem Recht auf Bildung aus dem Tatbestand der Schulpflicht für den Staat auch eine ganz besondere Fürsorgepflicht zum (Infektions-)Schutz des einzelnen Schülers ableiten. Da der vorliegende Rahmenplan den Ländern aber lediglich als Orientierung dienen soll, ahnt man als Einwohner eines freudig lockernden Bundeslandes allerdings schon, in welche Richtung die Umsetzung gehen wird und dass mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen wohl eher nicht zu rechnen ist. Insgesamt wäre es erfrischend und würde auch meine persönliche Akzeptanz erhöhen, auf einen solchen Rahmenplan „Pragmatismus“ draufzuschreiben, wenn anscheinend hauptsächlich Pragmatismus die Empfehlungen zum künftigen Infektionsschutz in Schulen bestimmt. Iris Brack, Detmold

           

          Energiepolitische Kurzsichtigkeit

          Über das neue Kernkraftwerk in Tschechien: In unserem Nachbarland wird 2036 ein neues Kernkraftwerk in Betrieb genommen, gerade rechtzeitig, um Deutschland den infolge des Kohleausstiegs fehlenden Strom wenigstens teilweise liefern zu können. Deutschen Kernkraftwerken droht das Aus bekanntlich schon 2022. Mit dieser Investition wird Tschechien ein lukratives Geschäft machen, denn wir werden dann wie kaum ein anderes Industrieland von Stromimporten abhängig sein. Ganz sicher werden Leitungen in Richtung Bayern schon geplant. Die Meldung offenbart nur zu deutlich die Kurzsichtigkeit der deutschen „Energiewende“-Politik. Kein anderes Industrieland opfert all seine planmäßig einsetzbaren, zuverlässigen und teils hochmodernen Kohle- und Kernkraftwerke, um sich auf Wind und Sonnenschein als Basis für seine Stromversorgung zu verlassen. Und das alles für die fixe Idee, damit das Weltklima „retten“ zu können. Die Rechnung für diesen energiepolitischen Unsinn werden unsere Enkel teuer bezahlen müssen. Dr. rer. oec. Ing. Dietmar Ufer, Leipzig

           

          Die Autofahrer fragen

          Nachdem im Kampf gegen das Automobil (und die daran gekoppelten Arbeitsplätze) der „Raser“ ein Kampfbegriff geworden ist und die Autobahn immer häufiger als ein Schlachtfeld beschrieben wird, möchte ich als autobahnerfahrener und zügig reisender Senior mit null Punkten in Flensburg meine Erfahrungen schildern. Auf meinen Reisen vermerke ich seit vielen Jahren, wenn Autobahnbenutzer grob unkorrekt, fahrlässig oder gar gefährlich fahren. Meine Strecken führen mich in der Regel aus dem Rhein-Main-Gebiet jeweils rund 500 Kilometer ins Ruhrgebiet oder in den Stuttgarter Raum und zurück. Und ich stelle fest, dass 99,9 Prozent der vielen tausend Autos, die mir auf diesen Touren begegnen, korrekt gefahren werden. Ich lade die Kritiker, die auf den Straßen „Überlebenskämpfe“ vermuten, gern ein, mich mal zu begleiten. Und ich wäre gespannt, was denn die repräsentativen Befragungen zu den geplanten strengeren Limitierungen des Verkehrs auf Deutschlands sichersten Straßen ergäben, wenn nur die wirklichen Fachleute, nämlich die Autofahrer selbst, befragt würden. Bei den derzeitigen repräsentativen „Volksbefragungen“ zählen nämlich merkwürdigerweise die Stimmen auch jener fast 14 Millionen Mitbürger mit, die keinen Führerschein haben und die Praxis des Verkehrs auf den Schnellstraßen gar nicht kennen. Hans Wilhelm Gäb, Hofheim/Taunus

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.