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: Leserbriefe vom 30. Juni 2021

  • Aktualisiert am

Abgang: Die bisherige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verlässt am 20. Mai nach der Übergabe der Entlassungsurkunde den Saal im Schloss Bellevue. Bild: dpa

Frisierte Lebensläufe +++ Münchner Stadionstreit +++ Finanzierung des Ruhestands +++ Standpunkt von Jürgen Heraeus +++ Sprechverbote

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          Zweifel an wissenschaftlichen Zugängen

          Zu „Mehr Schein als Sein“ (F.A.Z. vom 17. Juni): Unkorrekte Zitierweise und nachträglich erkanntes Plagiat sind nur ein Grund des Ärgernisses inzwischen bestehender Promotionsflut. Die dann vorgebrachte Beteuerung, „nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen zu sein“, ist in diesem Zusammenhang ein nur zu verständlicher Reflex. Ein weiterer Grund dieses Ärgernisses besteht in der Thementrivialität, mit der man an die „zwei Buchstaben“ gelangen kann. Franziska Giffeys Titel lautete „Europas Weg zum Bürger: Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“. Einen Weg Europas zu mir habe ich bislang nicht finden können; ein Bürger bin ich aber doch wohl auch – oder? Auch der anbiedernde Unterton ihres Themas spricht nicht gerade für eine wissenschaftliche Unvoreingenommenheit. Dissertationen sollen „in der Regel einen forschungsbasierten Wissenszuwachs enthalten“. Dazu muss – zumindest in der Regel – eine ergebnisoffene Analyse durchgeführt werden. Ihr Thema, das sich nur auf einen von ihr nicht einmal in Frage gestellten, aber von ihr so gesehenen Sachverhalt bezieht, lässt aber eine Ergebnisoffenheit nicht erkennen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die derzeit bestehende große Zahl erfolgreich abgeschlossener Promotionen der Zahl wissenschaftlich relevanter Dissertationen entsprechen kann. In nicht wenigen Dissertationen scheinen eine wissenschaftliche Substanz nicht auszumachen zu sein oder gar Zweifel an wissenschaftlichen Zulänglichkeiten aufzukommen. Der insbesondere in den letzten Jahren entstandene Wildwuchs wäre sicherlich reduzierbar gewesen, wenn sich die Prüfung von Dissertationen nicht auf die Suche nach korrektem Zitieren und Plagiaten beschränkte, sondern auch die einer wissenschaftlichen Relevanz einbezogen hätte. Übrigens: Wer mit welchem Thema promoviert wurde, ist im Internet unter Deutsche Nationalbibliothek nachlesbar. Dr. Dr. Hans-Joachim Kucharski, Mülheim

           

          Fairness für jedes Team

          Zu dem Artikel „Fair geht vor divers“ von Patrick Bahners (F.A.Z. vom 23. Juni), bezüglich der UEFA-Entscheidung, München seine verqueren Regenbogenpläne zu versagen, bekunde ich meinen höchsten Respekt. Das ungarische Nationalteam spielt bei dieser EM als Nationalmannschaft für sein Land, unabhängig von eventuell fragwürdigen Entscheidungen oder faktischen Fehlentscheidungen seiner Regierung und seines Parlaments. Patrick Bahners fordert zu Recht Fairness und Fair Play und Respekt für jedes Team, das sich für diese EM sportlich qualifiziert hat. Diese Fairness wird ja auch nicht – ebenfalls zu Recht – der russischen Mannschaft verweigert, obwohl ihr Staatschef Putin auf der Krim und in der Ostukraine seine imperialistischen Machtspielchen durchzieht, Kreml-Kritiker wie Nawalnyi zu vergiften versucht und wegsperrt und in Kumpanei mit dem weißrussischen Diktator Lukaschenko Flugzeuge europäischer Fluglinien kapern lässt, um missliebiger Regimekritiker habhaft zu werden. Es erscheint höchst bedauernswert, dass unser Land, unsere Politiker und unsere medialen Meinungsführer in ihrer queeren Regenbogenverblendung fast in Gänze diese Fairness, dieses Augenmaß, diese Multiperspektivität, diese Wahrung von Gleichheitsgrundsätzen, beim Vergleich Putin mit Orbán eigentlich eine Provokation, vermissen lassen. Deshalb noch einmal größten Dank für Patrick Bahners und sein mutiges Plädoyer contra den Mainstream und pro sportliche Größe! Wolf Schlegel, Wiesbaden

           

          Anspannung bei Beamtenpensionen

          Zu „Überraschende Entspannung bei Beamtenpensionen“ (F.A.Z. vom 16. Juni): Gut, dass im Artikel darauf hingewiesen wird, dass im Mittelpunkt der Analyse des IWH (Institut für Wirtschaftsforschung Halle) nicht die – berechtigte – Frage steht, wie gut sich die Höhe der Pensionen im Vergleich mit gesetzlichen Rentenansprüchen rechtfertigen lässt. Darüber denkt man nämlich, angesichts der im Artikel präsentierten Zahlen, lieber nicht nach: 1,7 Millionen Pensionäre von Bund, Ländern und Kommunen erhalten jährlich 57 Milliarden Euro (2019). Demgegenüber beziehen 21 Millionen Rentner inklusive der Beitragszuschüsse zur Krankenversicherung 325 Milliarden Euro, wovon lediglich 90 Milliarden Euro aus Steuermitteln bezuschusst werden. Ein Beamter bezieht also im Durchschnitt 33 500 Euro pro Jahr und ein Rentner im Durchschnitt 15 400 Euro im Jahr. Der Beamte wird aber zu 100 Prozent von Bund/Land/Kommune alimentiert, der Rentner nur mit 26 Prozent, die restlichen 74 Prozent bezieht er aus dem Umlagetopf der zuvor selbst entrichteten Rentenversicherungsbeiträge. Der Beamte zahlt wegen des Instituts der Beihilfe lediglich einen Minimalbeitrag an die private Krankenversicherung; der (Durchschnitts-)Rentner muss seine sämtlichen Einkünfte bei der gesetzlichen Krankenversicherung verbeitragen. Die Krönung des Ganzen ist dann noch die Doppelbesteuerung der Renteneinkünfte, deren Einführung – wen wundert’s – von einem Beamten angestoßen wurde. In Anbetracht dieser Verhältnisse stellt sich bei mir dann doch eher eine Anspannung als eine Entspannung ein. Stefan Menz, Bad Waldsee

           

          Misstrauen ersetzt Vertrauen

          Zu „Standpunkt: Wider die Erosion von Sitte und Anstand“ (F.A.Z. vom 28. Juni): Mit seinem Beitrag spricht Jürgen Heraeus, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Firma gleichen Namens, mir aus tiefster Seele und ich kann seine Beobachtungen nur bestätigen. Annähernd 30 Jahre war ich in einem Chemie- und Pharmakonzern für Risiko- und Versicherungsmanagement verantwortlich. In einer Zeit, wo das Faxgerät nicht überall verfügbar und das Internet noch nicht erfunden war, konnte man selbst spät an einem Freitagnachmittag die Erhöhung einer Feuerversicherungssumme um x-Millionen telefonisch verbindlich vereinbaren. Das gesprochene Wort unter Kaufleuten galt hier absolut, weil erst montags darauf eine briefliche Bestätigung nachgereicht werden konnte. Ein Brandschaden am Wochenende wäre garantiert ohne Wenn und Aber gedeckt gewesen. Dieses System funktionierte, weil sich die Geschäftspartner kannten und wussten, wer ihnen gegenüberstand. In periodischen Abständen war auch mal ein gemeinsames Mittagessen angesagt, so lernte man sich besser kennen und schätzen. Diese Zeiten sind leider vorbei. An- onymität ist eingezogen. Viele Personalwechsel tun ihr Übriges. Versuchen Sie heute jemanden zu einem Restaurantbesuch einzuladen, wird dahinter gleich der Versuch einer Bestechung oder zumindest Beeinflussung vermutet. Misstrauen ersetzt Vertrauen. Das sagt man nicht offen, weshalb die Absage in der Regel mit Zeitmangel begründet wird. Langjährige Zusammenarbeit und Betriebstreue? Geschenkt. Menschen kommen in Unternehmen nur noch temporär zusammen, um ein Projekt aufzugleisen. Danach trennt man sich wieder, bevor der Murks erkennbar wird. Dann schlägt die Stunde der Unternehmensberater, welche für irrwitzige Honorare versprechen, die Scherben zu beseitigen. Dank flacher Hierarchie klopfen sich anschließend alle auf die Schulter, frei nach dem Motto: „Ich war es ja nicht allein.“ Schöne neue Welt. Roland Haas, Lörrach

           

          Widersinniges Gendern

          Zahlreiche in der F.A.Z. veröffentlichte Beiträge verdeutlichen, wie stark das sogenannte Gendern die deutsche Sprache verhunzt und ihres Sinnes beraubt, allen voran das öffentlich-rechtliche Fernsehen von ARD und ZDF und der Deutschlandfunk. Welcher Widersinn dabei verbreitet wird, zeigt folgendes Beispiel: In der Sendung des DLF „Informationen am Mittag“ vom 27. Juni, 13:05 bis 13:30 Uhr, teilte Moderatorin Stephanie Rohde zu den Regionalwahlen in Frankreich mit: „Bei der ersten Runde ist nur jede und jeder dritte Wählende wählen gegangen.“ Laut DLF haben zwei Drittel der „Wählenden“ somit gar nicht gewählt! Wie ist solches möglich? Ob zudem tatsächlich zwei Drittel der „wählenden“ Frauen und ebenso zwei Drittel der „wählenden“ Männer nicht an der Wahl teilgenommen haben, bleibt zu prüfen. Professor Dr. Ulf Runne, Frankfurt am Main

          Topmeldungen

          Traute Runde (von links): Heinz Göldner, Helmut Thümmel, Elisabet Thümmel, Dieter (Dietrich) Klos, Ursula Pischmann und Brigitta Lehmann-John.

          Serie „Besuch beim Wähler“ (5) : Hart am Wasser

          Die Senioren des Dresdner Kanusportvereins haben ihre Leidenschaft über die Zeitenwende gerettet – über Politik reden sie lieber nicht, denn da fliegen schnell die Fetzen.
          Rain Man: Robert Habeck gibt im Wahlkampf alles

          Fraktur : Und ewig währt das Kämpfen

          Das Leben ist ein ewiger Kampf, ob um Olympiagold gekämpft wird oder gegen den inneren Schweinehund. Robert Habeck kämpft sogar im durchnässten Outfit.

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