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: Leserbriefe vom 26. September 2020

  • Aktualisiert am

Fotoausstellung in Düsseldorf: „Die Schau der Werte“ +++ DFB-Präsident

          4 Min.

          Der Makel wird bleiben

          Zu „Die Schau der Werte“ von Kolja Reichert (F.A.Z. vom 19. September): Als öffentlich bestellte und vereidigte (ö.b.u.v.) Sachverständige für zeitgenössische bildende Kunst nach 1960 und als Rechtsanwältin befremdet mich, dass relevante Bewertungen – immerhin geht es um acht Millionen öffentlicher Mittel – von „Gutachtern“ und „Experten“ bewertet werden, die dazu nicht berufen sind. In Deutschland werden mit großem Aufwand für alle denkbaren Vermögensgegenstände ö.b.u.v. Sachverständige vorgehalten. Jeder Baumangel und jeder Auffahrunfall ziehen den Ruf nach einem zertifizierten Sachverständigen nach sich. Nur in der Kunst werden „renommierte Gutachter“ (Felix Krämer) gefragt statt qualifizierte. Auch für den vorliegenden Fall hätte es mehrere einschlägige ö.b.u.v. Sachverständige zur Auswahl gegeben. Gerichtsbeeidete Sachverständige müssen ihre fachliche und persönliche Eignung, anlassgerechte Bewertungsgutachten zu erstellen, beweisen. Sie werden überwacht, die Bestellung muss alle fünf Jahre erneuert werden, Beschwerden über ihre Arbeit wird nachgegangen, und nicht zuletzt müssen sie eine Vermögenshaftpflichtversicherung unterhalten, die für eventuelle Schäden aufkommt. „Gutachter“ und „Experte“ sind keine geschützten Rechtsbegriffe. Jeder kann sich so nennen. Auch die Bezeichnung Sammlung ist kein Rechtsbegriff, sondern eine wertende Bezeichnung, die sich Menschen, die Kunst haben, selbst geben. Sammlung klingt zielgerichtet, abschließend, umfassend. Prosaisch von einem Nachlass oder einem Firmenbestand zu reden, klingt schon weniger nobel. Die Stadt Düsseldorf könnte sich an ihrem Ankauf freuen, wenn der Weg dorthin belastbar gewesen wäre. Womöglich stimmte die Bewertung aus unberufenem Mund im Ergebnis ja sogar. So wird ewig der Makel bleiben. Der Dienstherr von Museumsdirektoren könnte schon im Arbeitsvertrag festschreiben, dass Schenkungen oder gemischte Schenkungen auf belastbaren Bewertungen beruhen müssen und Zuwendungsbescheinigungen nicht nach Gutdünken erstellt werden dürfen. Vielleicht muss sogar der Gesetzgeber unterstreichen, dass Bewertungen von Kunst immer dann, wenn öffentliche Interessen im Spiel sind (Stichworte Erbschaftsteuer, Stiftungseinlage, Schenkung an Museen), nur von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen vorgenommen werden dürfen. Jedenfalls dann, wenn es um größere Werte geht. Die Regelung in der Zivilprozessordnung, die Gutachten vor Gericht regelt, müsste nur angewendet werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass die Verwaltung an Recht und Gesetz gebunden ist. Eigentlich. Sasa Hanten-Schmidt, Köln/Dresden/Wien

          Ein Glücksfall für die Fotografie

          Zu „Die Schau der Werte. Hat Düsseldorf sich über den Tisch ziehen lassen, als es eine Fotosammlung für acht Millionen Euro kaufte?“ von Kolja Reichert (F.A.Z. vom 19. September): Dieser Artikel bedeutet eine kolossale Chance, nicht nur über das Zustandekommen des Handels zwischen der Galerie Kicken und dem Museum Kunstpalast zu reflektieren, sondern auch Konsequenzen zu ziehen. Das betrifft auch zukünftige Aktivitäten dieses Bilder-Kunstmarkts. Unverständlich ist schon, warum das Museum nicht wissenschaftlichen Rat etwa bei Jean-Claude Lemagny, Klaus Honnef oder dem Sammler Manfred Heitig suchte. Reichert zeigt eklatante Versäumnisse auf. Übermannt von der Fiktion, mit diesem Konvolut den Glanz des Kunstpalastes zu steigern und der Stadt Düsseldorf zu mehr Anerkennung in der Kunstwelt zu verhelfen, vermied man scheinbar eine kritische Sicht. Reicherts großartiger, informativer, fundierter und aufschlussreicher Text ist ein Glücksfall für die Fotografie. Für die Schau auf die Werte könnte eine neue Epoche angebrochen sein, nähme man die Zeilen des Autors ernst. Burkhard Maus, Bergisch Gladbach

          Bildungsauftrag zur Fotografie

          Zu „Die Schau der Werte“ (F.A.Z. vom 19. September): Richtigerweise moniert der Autor Kolja Reichert ein schlechterdings nicht nachvollziehbares Fischen im Trüben seitens des Kunstpalast-Direktors bei der Preisfindung für die „Sammlung Kicken“ sowie ein mitunter einfältiges Handeln der Stadt Düsseldorf beim Ankauf. Besonders frappiert, dass der Direktor des Kunstpalastes auf (grob) fahrlässige Weise darauf verzichtete, beim Ankauf aus öffentlichen Mitteln in Höhe von acht Millionen Euro seinerseits öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige bei der Bewertung einzubeziehen, wodurch er seinem Amt nicht gerecht wurde. Es scheint eindeutig, dass hier nicht von einer Sammlung gesprochen werden kann, sondern von einem Bestand mehr oder weniger zusammenpassender Bilder von unterschiedlicher Qualität und sehr unterschiedlichem Wert. Dass dies nun, ex post, gerade der Clou der sogenannten Sammlung sein soll, ist schon allerhand und wird von Kunstwissenschaftler Hubertus von Amelunxen und den anderen Quellen des Autors zu Recht in Frage gestellt. Es wäre erfreulich, wenn der Kunstpalast die Unterschiedlichkeit der „Sammlung Fotografie“ zum Anlass nehmen würde, das Publikum anhand der sogenannten Sammlung über die Nuancen der Fotografie zu unterrichten und so einen wirklichen Beitrag für die Kunstform der Fotografie zu leisten. Was macht einen Originalabzug wichtiger als einen postum erstellten? Wer sind die Pioniere der Fotografie? Welchen physischen oder technischen Grenzen sieht sich die Gegenwartsfotografie ausgesetzt? Es wäre nur richtig, wenn sich der Kunstpalast, dessen Direktor die Chuzpe hatte, auf die Kritik an dem Ankauf der sogenannten Sammlung mit dem günstigen Ankauf eines Pressebildes zu kontern, einem solchen umfassenden Bildungsauftrag zur Fotografie widmen würde. Dr. Cordula Winkel, Köln

          Kein Deal

          Ihr Artikel „Die Schau der Werte“ von Kolja Reichert (F.A.Z. vom 19. September) ist sehr gut. Ich finde es schade, dass das unschöne Wort „Deal“ nun schon im Feuilleton auftaucht. „Deal“ hat bisher wie „Dealer“ oft eine negative Bedeutung. Trump macht einen Deal, und der Dealer agiert auf dem Strich. Warum nicht einfach „Vertrag“ oder „Vereinbarung“? Oder wollten Sie die Verträge als eo ipso unseriös darstellen? Jürgen Kirchner, Würzburg

           

          Ein Beispiel am Eishockey nehmen

          Selten kommt es vor, dass zusätzlich zu den Spielberichten in der F.A.Z. so ausführlich über Fußball berichtet wird: ein zweitägiges Interview mit dem DFB-Präsidenten (14. und 15. September) und am 18. und 19. September zwei weitere Gespräche über die Zukunft des organisierten Fußballs. All das beschäftigte sich fast ausschließlich mit den Spielern und dem Verband; ich fand meine Interessen als Bürger und – über die Fernsehgebühr – als Mitfinanzierer zu wenig behandelt. Vom öffentlichen Berufsfußball gehen leider Signale an die Gesellschaft in Richtung hingenommener Unbeherrschtheit und Gewalt aus. Warum nimmt sich der Fußball nicht ein Beispiel am wirklich nicht gefühlsduseligen Eishockey und verpflichtet die Schiedsrichter, Respekt für sich selbst einzufordern, jede auch nur beginnende Rudelbildung zu unterbinden und alle Regelverletzungen – und wenn es nur ein Wegstoßen oder Zerren am Hemd ist – zu bestrafen? Für den Zuschauer der Ersten Bundesliga sind die Überlegenheit der „oberen vier oder fünf“ und der damit verbundene Spannungsverlust bedauerlich. Warum hat nicht ein mutiger Vertreter der kleineren Vereine das Herz und organisiert in aller Öffentlichkeit einen „Streik“ für den Fall, dass die Fernsehgelder nicht gleichmäßig auf alle 18 Vereine verteilt werden? Was in den europäischen Wettbewerben verdient wird, steht den Teilnehmern zu, aber der Tabellenletzte füllt genauso die Münchner Allianz Arena wie umgekehrt. Beide von mir aufgeworfenen Fragen werden sicher ganz unterschiedlich beantwortet werden. Damit sie überhaupt ins öffentliche Bewusstsein kommen und diskutiert werden, braucht es Medien, die durch Berichterstattung und Kommentare Anstöße geben. Albrecht Mehl, Darmstadt

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