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: Leserbriefe vom 25. März 2021

  • Aktualisiert am

Von hier geht der nächste Kulturkahlschlag im Radio aus: das Funkhaus des WDR in Köln. Bild: dpa

Radiosender Musikprogramm +++ WDR und RBB +++ Wirtschaftskompetenz und Friedrich Merz +++ Jens Spahn +++

          5 Min.

          Leiden unter dem Musikprogramm

          Dank sei Jan Brachmann für seinen Bericht zur kulturellen Verwahrlosung der Radiosender, die sich früher dem, was ihre Hörer unter Kultur verstanden, verpflichtet fühlten („Mobbing gegen Bildungsbürger", F.A.Z. vom 18. März). Die Zitate sprechen für sich und machen wütend, zynisch oder melancholisch. Es ist ein Thema, das mir seit Monaten am Herzen liegt. Denn da ich immer noch morgens RBB Kultur einschalte, leide ich täglich unter dem Musikprogramm, das ich früher jeden Morgen nach dem Aufstehen hörte und das meinen Morgenkaffee und diversen Haushaltskleinkram begleitete. Doch was da jetzt zu hören ist, lässt mich regelmäßig abschalten: seichtes Klaviergeklimper, schlechte Filmmusik, die allenfalls zusammen mit dem Film, für den sie komponiert wurde, erträglich wäre, ohne die Bilder aber ihre schamlose Trivialität und ihren Primitiv-Bombast in unerträglicher Weise über mich und meine Wohnung stülpt, daneben undefinierbares Gedudel, wie man es in Aufzügen oder an Flughäfen hört, zuweilen auch instinktlose Verballhornungen eigentlich besonders schöner Klassikkompositionen, die man eben nicht mit Marimba unterlegt oder auf Blockflöten geblasen hören möchte. Die Moderatoren beklatschen alles, nennen manchmal auch nur die Namen, wenn anscheinend selbst ihnen die dargebotene Musik peinlich ist - ansonsten geistige Ödnis allenthalben. Hin und wieder darf noch einer der alten und erfahrenen Leute eine gute Musiksendung machen, das sind die Brosamen, die die Stammhörer hingeworfen bekommen (und die Stammhörerinnen, zumal alle Moderator*innen eisern „gendergerecht“ sprechen, mit Schluckaufpause vor dem *innen). So bleibt mein Vormittag nun sehr still. Schade, dass diese Ära nun offenbar zu Ende ist. Dr. Lore Brüggemann, Berlin

           

          Niveauverlust der Radiosender

          Zu „Mobbing gegen Bildungsbürger“ (F.A.Z. vom 18. März): Ich danke für die Warnung vor dem wahrscheinlich unaufhaltsamen Niveauverlust des dritten Hörfunkprogramms des WDR. Ich bin vor zwölf Jahren ins Sendegebiet des WDR zurückgekehrt und habe seitdem bis zum Ausbruch der Corona-Krise auf arbeitstäglichen anderthalb Fahrstunden ganz überwiegend dieses Programm gehört und konnte, nebenbei bemerkt, vergleichend feststellen, dass das ebenfalls empfangbare Programm von NDR Kultur nicht in derselben Liga spielt, sowohl hinsichtlich der Auswahl der Stücke wie auch der Moderation. Ich habe in diesen Jahren sehr viel über Komponisten, Aufführungspraktiken, Interpreten und so weiter gelernt, was mir ohne das WDR-3-Programm entgangen wäre - und vor allem viel klassische Musik zu Gehör bekommen, die nicht auf jedem x-beliebigen Klassik-Sampler versammelt ist (die Schnittmenge etwa des Musikprogramms von NDR Kultur mit solchen Sammlungen ist ungleich größer als die von WDR 3). Unangenehm fiel mir allenfalls auf, dass es in der Redaktion offenbar Zugangsvoraussetzung zu sein scheint, französische Nasallaute nicht adäquat aussprechen zu können, was angesichts der Nähe Kölns zum französischen Sprachgebiet befremdlich wirkt. Dass ich „nach Corona“ die arbeitstäglichen Fahrten nicht wiederaufnehmen werde (weil meine Firma diese Krise zum Anlass nimmt, Arbeitsplätze nach China und in Billiglohnländer zu verlagern), hatte ich vor allem deswegen ein wenig bedauert, weil ich dadurch voraussichtlich weniger regelmäßig WDR 3 hören würde. Wenn es so kommt, wie der Autor wohl zutreffend prognostiziert, wird mir da allerdings wenig entgehen. Und da, wie man der Berichterstattung der F.A.Z. entnehmen kann, auch in Bayern, Hessen, Brandenburg und anderswo die Tendenz zum Niveauverlust solcher Programme eine durchschlagende ist, entfällt hier wohl dauerhaft ein „niederschwelliger“ Zugang zu musikalischer Bildung für Laien und Amateure.
          Dr. Andreas von Kempis, Soest

           

          Bildungsauftrag

          Zum Beitrag „Mobbing gegen Bildungsbürger" (F.A.Z. vom 18. März): Vielleicht sagt der „Teamleiterin Musik" Wibke Gerking mal jemand, dass nicht sie irgendjemanden bezahlt, sondern wir, die Hörer. Und dass die Öffentlich-Rechtlichen einen Bildungsauftrag haben, der sicher nicht erfüllt wird durch dämliche Anmoderationen oder schwachsinnige Fernsehproduktionen wie insbesondere die Samstagabend-Unterhaltungsshows. Das letzte Klassik-Forum von Michael Stegemann war jedenfalls ein Genuss und lehrreich wie immer bei ihm. Dr. Burkhard Biella, Duisburg

           

          Verflachung

          Ich möchte Jan Brachmann für seinen aufschlussreichen Artikel in der F.A.Z. vom 18. März danken. Ich war und bin eine sehr ausdauernde Hörerin „ernsthafter" Musik und in letzter Zeit zunehmend enttäuscht von der Verflachung meines früher bevorzugten Senders NDR 3. Wenn nun auch der WDR3 eine ähnliche Programmentwicklung vorhat, wird mir nichts anderes übrigbleiben, als auf Youtube/Spotify auszuweichen, wenn ich Musik hören will - das, was die jüngere Generation, die die Sender ja wohl bedienen wollen, ohnehin längst tut.
          Ursula Witzig, Ahnatal

           

          Wann gründet Merz eine Partei?

          Nüchtern skizziert Gerald Braunberger in „Wirtschaftspolitische Entkernung“ (F.A.Z. vom 16. März) den Weg der CDU in die herben Verluste bei den beiden Landtagswahlen, die sich schon lange ankündigten, und legt die Gründe dar. Das Agieren der Partei machte vergessen, welche Werte sie früher groß machten: Wirtschaftskompetenz und klare Ziele. Aber wie soll eine Partei nach so vielen Jahren mit Angela Merkel, die mehr aussitzt als gestaltet, diese Kompetenz ausstrahlen, wenn Marktwirtschaft noch nie ein großes Anliegen von ihr war, sie vielmehr mit linken Vorstellungen liebäugelte und meinte, mit immer mehr sozialen Wohltaten die Bürger gewinnen zu können? Und der „Kanzlerwahlverein“ blieb stumm. Eine Sanierung war fällig. Anfang des Jahres bot sich die Chance, die antriebslose, konturenarme, blass gewordene Partei neu auszurichten und die bisherigen, unscharf gewordenen Ziele zu überarbeiten. Aber die Partei entschied sich für ein „Weiter so“ und nicht für einen Aufbruch – Armin Laschet gewann knapp vor Friedrich Merz, die „christdemokratische Neigung zur Profillosigkeit“ obsiegte. Die CDU wird nicht mehr in der Lage sein, bis zur Bundestagswahl das grundlegend zu ändern, der Gang in die Zweitklassigkeit ist nicht mehr auszuschließen. Markus Söder hat recht: „Mit dem Schlafwagen kann man diese Wahl nicht bestehen.“ In diesen harten Zeiten muss ein an der Spitze stehender Politiker Wirtschaftspolitik beherrschen und verkörpern. Er muss Unterschiede deutlich machen und zeigen, wohin die Reise geht. Und er muss so souverän sein, Themen zu besetzen, die auch in anderer Form bei der AfD zu finden sind: Förderung des Mittelstands, des Herzstücks der deutschen Volkswirtschaft, Absage an eine immer engere EU und an gemeinsame Schuldenaufnahme, Einlagensicherung und Sozialpolitik, Ausbau der inneren und äußeren Sicherheit, keine emotionale Klimapolitik, sondern mehr Marktinstrumente, technikoffene Entwicklung der Mobilität, eine nach den Bedürfnissen des Aufnahmelandes ausgerichtete Einwanderungspolitik, kein profilloses Mittragen linker Sozialpolitik. Politiker können nicht wie Fettaugen auf einer florierenden Wirtschaft schwimmen, ohne sich für sie tatkräftig einzusetzen. Wann gründet Friedrich Merz eine Partei? Großer Zulauf aus den anderen wäre ihm sicher. Claus Wörner, Tübingen

           

          Der Ankündigungsweltmeister

          Der Artikel zu den hohen Todeszahlen in Alten- und Pflegeheimen infolge einer Infektion mit Covid-19 („Akte Altenheim – Chronik eines kollektiven Kontrollverlustes“, F.A.Z. vom 6. März) beschreibt sehr gut die objektiven Umstände (die Notwendigkeit von Körperkontakten bei der Pflege und Versorgung hilfsbedürftiger älterer Menschen), die zu den hohen Todeszahlen geführt haben. Offen bleibt, wer die politische Verantwortung für das subjektive Versäumen und Versagen beim Schutz der Menschen zu übernehmen hätte. Mir fällt als Erstes Jens Spahn ein, der es als Gesundheitsminister im Frühstadium der Pandemie nicht für nötig hielt, ausreichend Masken und Schutzkleidung zu besorgen. Zuletzt erlebte er ein Debakel, als er großspurig Schnelltests für alle ab 1. März ankündigte und umgehend zurückgepfiffen wurde. Wenn ich lese, der Gesundheitsminister sehe Deutschland als „Logistikweltmeister“, dann habe ich für den Minister im Größenwahn nur ein Wort: „Ankündigungsweltmeister“!
          Steffen Klittich, Mainz

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