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: Leserbriefe vom 21. Juli 2021

  • Aktualisiert am

Aufräumarbeiten am Sonntag in Schuld Bild: EPA

Flutkatastrophe +++ Corona-Pflichtimpfungen +++ Greser & Lenz +++ Politiker im Hochwassergebiet +++ Ein Schriftsteller hat genug +++ Lehren aus Afghanistan +++ Bayerische Monarchie

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          Sachverstand statt Emotionen

          Zum Kommentar „Mit dem Klimawandel leben“ von Nikolas Busse (F.A.Z. vom 19. Juli): Einen so fundamentalen, sachlichen Beitrag zum Thema Klimawandel habe ich lange vermisst. Endlich wird das Phänomen und die möglichen Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland in einen richtigen internationalen Zusammenhang gebracht. Stattdessen ergehen sich seit Monaten Presse, Funk und Fernsehen in zahlreichen Kommentaren und endlosen Diskussionen, mit welchen drastischen Maßnahmen, ungeachtet der langfristigen Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft, zum Beispiel durch die vorzeitige Abschaffung des Verbrennungsmotors, Deutschland weltweit in eine Vorreiterrolle gebracht werden könnte. Dabei werden wichtige Gegenargumente wie zum Beispiel die bessere CO2-Bilanz des Dieselmotors gegenüber dem Batteriemotor oder die fragliche Elektrizitätsversorgung nach Abschaffung der Atomkraftwerke sowie Stilllegung der weltweit modernsten Kohlekraftwerke geflissentlich übersehen. Man kann gespannt darauf sein, welche neuen verschärften Maßnahmen gefordert werden, damit sich Flutkatastrophen – wie die jetzige – nicht wiederholen, und ob wissenschaftlich begründeter Sachverstand über das langfristige Naturverhalten statt Emotionen die Diskussionen leiten werden. Karl M. Richter, Heikendorf/Kiel

           

          Schutzverantwortung des Staates

          Zur Leitglosse „Eine moralische Pflicht“ (F.A.Z. vom 14. Juli): Jasper von Altenbockum ist beizupflichten, es ist eine moralische Pflicht, nach französischem Vorbild diejenigen vor einer Covid-19-Infektion zu schützen, die in Krankenhäusern, Heimen und Pflegeeinrichtungen durch medizinisches und pflegerisches Personal versorgt und betreut werden. Es ist aber tatsächlich und insbesondere auch eine staatliche Pflicht. Insofern kann man sich über die Diskussion zum Thema Impfpflicht für Krankenhauspersonal und Angehörige von Pflegeberufen nur wundern. Frankreich, Italien und Griechenland haben hier den richtigen, selbstverständlichen Weg beschritten. Es muss erstaunlicherweise in Erinnerung gerufen werden, dass es in Medizin und Pflege um den Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit geht und dass dieser Schutz vorrangige Pflicht des Staates ist. Das zu Recht gefeierte Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24. März 2021 hat aus dieser Schutzpflicht nach Artikel 2 des Grundgesetzes sogar besondere Bindungen staatlichen Handelns für den Klimaschutz abgeleitet. Was für lange Zeiträume und komplexe Kausalketten gilt, gilt erst recht für den Ausschluss unmittelbarer Gefahren für Leib und Leben zum Nachteil von Menschen, die gar keine Möglichkeit haben, schwerwiegenden Infektionsrisiken bei stationärer Unterbringung auszuweichen. Und ganz offensichtlich gehen solche Risiken von nicht geimpftem Personal aus. In unbekanntem Umfang und unbekannter Intensität, aber genau das gehört zum Wesen eines Risikos. Den Schutz der Persönlichkeitsrechte impfunwilliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen und Heimen höher zu gewichten als den Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit der ihnen anvertrauten Patienten und Schützlingen ist offensichtlich absurd. Solche Absurditäten leistet man sich aber in der deutschen Debatte, wo allen Ernstes von Impfpflicht gesprochen wird, wo es der Sache nach um die Schutzverantwortung des Staates geht.

          Professor Dr. rer. pol. Wolfgang Seibel, Konstanz

           

          In die Wunde

          Zum Brief von Leserin Pia Grzesik „Steinigung nicht veralbern“ (F.A.Z. vom 14. Juli): Die Greser-&-Lenz-Zeichnung zur Rückkehr der Taliban ist mitnichten eine Veralberung. Gute Karikaturisten wie Greser & Lenz legen nun mal den Finger in die Wunde. Der Abzug der Westmächte nach zwanzig Jahren Krieg in Afghanistan wird die Taliban erstarken lassen. Dürftige Frauenrechte werden dann in Windeseile zunichte gemacht. Finsteres Mittelalter, und ja, Steinigungen, besonders in ländlichen Gegenden, dürften wieder an der Tagesordnung sein. Darauf kann man nur noch mit bitterem Humor und Sarkasmus eingehen. Und genau das haben Greser & Lenz getan. Sabine von Mallinckrodt, München

           

          Lösend

          Zu „Die Flut und der Wahlkampf“ von Johannes Leithäuser (F.A.Z. vom 19. Juli) und Laschets „Lacher“: Wer nicht erfahren hat, wie lösend, manchmal sogar notwendig, ein Scherz und ein kurzes Lachen gerade in tiefster Trauer und Betroffenheit ist, der hat wohl noch nie einen ernsthaften Trauerbesuch gemacht und ein Trauergespräch geführt. Mir jedenfalls ist ein „Sünder“ – falls man diesen Begriff hier überhaupt einsetzen will –, der zur Einsicht kommt, lieber als 99 (oder Tausende) Selbstgerechte, die über ihn urteilen (siehe Lukas 15, 7). Dr. Andreas Nissen, Korbach

           

          Manche bleiben

          In den Minuten, in denen ich Matthias Polityckis Artikel „Mein Abschied von Deutschland“ am 17. Juli in der F.A.Z. las, habe ich mich wohl gefühlt. Da ist einer konsequent und versucht, sich nicht mit leisen Kompromissen oder vorgehaltener Hand zu entziehen. Er tut es gleich richtig: Er geht. So nicht mehr, sagt er, die halbherzige Anpassungsbereitschaft in Deutschland ist unerträglich, Benennungen sind wichtiger geworden als – strittige – Inhalte. Wir können und wollen aber nicht alle nach Wien gehen. Wir müssen uns schon selber wehren. Also, lassen wir die Minderheit Minderheit sein, und formulieren wir nicht nur vernünftig, sondern auch sprachästhetisch: Inhalte! Professor Dr. Peter Klotz, Eggstätt

           

          Es ist eine Schande!

          Der überfälligen Feststellung von Nikolas Busse in seinem Leitartikel „Soldaten sind keine Entwicklungshelfer“ (F.A.Z. vom 8. Juli), dass Soldaten keine Entwicklungshelfer sind, ist uneingeschränkt zuzustimmen. Wann hat vor allem die Politik endlich begriffen, dass man bei der Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terror, die man mit Fug und Recht auch Krieg nennen darf, Soldaten das tun lassen muss, wozu sie (hoffentlich) auch ausgebildet werden: nämlich zu kämpfen. Wir sind längst dabei, in Mali die gleichen Fehler zu begehen wie in Afghanistan, weil wir uns weigern, der im Norden des Landes stationierten Truppe ein robustes Mandat zu geben. Und unsere französischen Freunde haben Jahre auf Unterstützung im Rahmen der Operation Barkhane gewartet. Frankreich kämpft, und Deutschland schaut zu. Eine Schande! Hans-Joachim Linden, Oberstleutnant a. D., Deggendorf

           

          Doppelmonarchie Bayern

          Zum Artikel von Hannes Hintermeier „Majestät, genga S’ heim, Revolution is!“ (F.A.Z. vom 14. Juli): In den mit viel Esprit geschriebenen Artikel von Hannes Hintermeier über die Bayerische Landesausstellung hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen: Der geisteskranke König Otto war nicht der Bruder, sondern der Cousin Ludwigs III. Diese Anmerkung zu einer gelungenen Ausstellungs-Besprechung möge aber bitte nicht als beckmesserisch aufgenommen werden. Ein Hinweis auf ein anderes spannendes Thema sei gestattet – wie sich nämlich Ludwig III. zum König machte, obwohl sein Cousin Otto noch lebte. Otto Gritschneder hat diesem Thema einen Aufsatz gewidmet: „Doppelmonarchie Bayern? Wie Ludwig III. König wurde“ (abgedruckt in dem Buch „Weitere Randbemerkungen“). In diesem Aufsatz wertet Gritschneder die verschiedenen Quellen von Gesetzestexten, über amtliche Erklärungen, Rechtsgutachten bis hin zu zwei recht gegensätzlichen Äußerungen Ludwig Thomas – einmal im „März. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur“ 1907 und einmal im „März“ 1913 – aus. Christian Paul Schmidt, München

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