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: Leserbriefe vom 17. Juli 2021

  • Aktualisiert am

Beispielfoto Bild: Maximilian von Lachner

Impfpflicht +++ Mitgliederschwund in Kirchen +++ Corona und Europas Grenzen +++ ARD und ZDF +++ Drogenboss Ridouan Taghi

          4 Min.

          Impfpflicht? Ja bitte!

          Die Welt erlebt derzeit die größte Pandemie aller Zeiten. Diese ist nicht lokal begrenzt, sondern verbreitet sich in Windeseile über den ganzen Erdball. Bisher wurden schätzungsweise über vier Millionen Todesfälle weltweit und über 90 000 Todesfälle allein in Deutschland gezählt. Die Einschränkung von Grundrechten wurde im Schnellverfahren beschlossen, die Wirtschaft in publikumsträchtigen Sektoren heruntergefahren, die Verschuldung der Staatshaushalte in Folge massiv erhöht. Dieses alles vor dem Hintergrund nicht verfügbaren Impfstoffs, Maßnahmen, die zum Schutze der Menschen notwendig waren. Doch jetzt kommen wir in die Phase ausreichend verfügbaren Impfstoffs, den Forschern sei Dank! Dieser kann uns bei konsequenter Anwendung unser gesellschaftliches Leben der Vor-Corona-Zeit zurückgeben. Während andere Länder über eine Impfpflicht zumindest für bestimmte Berufsgruppen wie Krankenhauspersonal, Altenpfleger und Pädagogen nachdenken, schließen unsere Politiker eine Impfpflicht von vorneherein aus. Ein Kotau vor Querdenkern und Impfverweigerern! Während nach wie vor die große Mehrheit der Bevölkerung bereit ist, sich impfen zu lassen, bestimmt eine Minderheit das politische Handeln! Dabei geben die Querdenker doch häufig vor, sich für unsere Freiheitsrechte einsetzen zu wollen. Da wäre es doch konsequent, auch eine Impfpflicht zu fordern! Denn nur wenn wir bereit sind, uns konsequent vor dem Coronavirus zu schützen, werden wir unsere Freiheitsrechte zurückbekommen können! Also, liebe Politiker, habt bitte den Mut, wichtige Entscheidungen zum Wohle der Allgemeinheit zu treffen. Eine Impfpflicht muss kommen, andere Länder werden es uns vormachen. Wir können das Wohl unserer Gesellschaft nicht der Entscheidung einzelner Individuen überlassen. Unsere gewählten Volksvertreter sind gefordert, ihre Verpflichtung zum Schutz des Volkes wahrzunehmen. Alles andere ist verantwortungslos! Ludger Stüve, Schöneck

           

          Beleidigend

          Zum Kommentar „Kirche tut not“: „Die Kirche ist kein Fitnessstudio“ von Reinhard Müller: Ich lese nun seit etwa 15 Jahren F.A.Z. (online), aber noch nie habe ich mich über einen Beitrag so geärgert, dass ich mich berufen fühlte, der Redaktion zu schreiben. Ihr Beitrag ist nicht nur beleidigend für jene, die aus der Kirche austraten, sondern sehr einseitig und unterschlägt wichtige Details: 1. Die Höhe der Kirchensteuerlast ist von der Höhe des Einkommens abhängig und unterliegt keiner Deckelung. Eine Kirchensteuer in Höhe von über 200 Euro ist für viele aber schlicht grotesk. 2. Ein ganz erheblicher Teil der Kirchensteuer bleibt beim Staat als Gegenleistung zum Eintreiben ebendieser Steuer. Das ist für viele nicht nachvollziehbar. Wägt man den Nutzen der Kirche für den Einzelnen und für die Gesellschaft mit der entsprechend hohen Steuerlast sowie weiteren Faktoren (etwa dem schrägen kirchlichen Verständnis vom Verhältnis zwischen Klerus und Laien oder der strukturellen Vernachlässigung meritokratischer Aspekte) ab, ist der Mitgliederschwund sicherlich verständlich. Ihr Vorwurf der Armseligkeit bleibt nach meinem Verständnis Ihres Textes überwiegend eine reine Behauptung. Ich hielte es für sinnvoller, die positiven Aspekte der Mitgliedschaft in der Kirche hervorzuheben und/oder Vorschläge zur Abhilfe der beiden genannten Punkte zu unterbreiten. Mathias Cordero, Berlin

           

          Glaube, Liebe, Hoffnung

          Der Kommentar „Kirche tut not“ zu den Kirchenaustritten von Reinhard Müller (F.A.Z. vom 14. Juli) ist ein äußerst kluger Einwurf, der die allgegenwärtige Banalisierung der Kirche als eine „Werteagentur“ infrage stellt. Denn tatsächlich ist die Kirche eher eine Hoffnungsagentur: „Nach dem toten Punkt kommt die Auferstehung“, wie Harald Schmidt sagt. Ja, was ist der Mensch ohne Glaube, Liebe, Hoffnung? Danke also, werde mit der Stellungnahme im kommenden Schuljahr meinen Abiturkurs provozieren. Dr. Christian Heidrich, Nussloch

           

          An der Europa-Brücke

          Niklas Benders Beitrag „An der Grenze spürt man wieder Hitze“ über die französisch-deutsche Grenze in Corona-Zeiten (F.A.Z. vom 13. Juli) machte mir Freude und weckte Erinnerungen. 1953 bin ich zum ersten Mal über die Brücke von Straßburg nach Kehl gefahren, mit einem Freund per Fahrrad. Wir waren an der Saar gewesen, hatten bei zwei mit mir verwandten Pfarrern genächtigt. In Kehl wollten wir nur eine Postkarte einwerfen, als Zwischenmeldung nach Hause. Danach gedachten wir wieder nach Frankreich zurück- und nach Süden weiterzufahren, über Colmar bis Basel. Der Rückweg über die Brücke aber wurde uns verwehrt: Unser Visum galt nur für eine einmalige Ein- und Ausreise. Also ging die Fahrt notgedrungen weiter über Freiburg. Das nächste Mal kam ich 1971 nach Straßburg, diesmal als Beamter eines Bonner Ministeriums, um im Europarat an einer Diskussion über den Gewässerschutz teilzunehmen. Ich wohnte in einen Hotel in Kehl, das mir ein Kollege empfohlen hatte. Mit dem Bus (sic! Schon damals gab es eine ÖPNV-Verbindung, nicht erst sehr viel später mit der Straßenbahn) ging es über die Brücke. Grenzkontrolle dort: Ich zeigte meinen Dienstpass. Der machte wenig Eindruck. Ich wurde aus dem Bus geholt, musste in der Halle meine Aktentasche ausleeren und durfte schließlich mit dem nächsten Bus weiterfahren. Die nächste Überquerung fand dann nur ein Jahr später statt. Diesmal mit einem R 4, ohne Kontrolle, ungeachtet der Übernachtung in Kehl. Und später habe ich nie mehr so etwas wie eine Grenzkontrolle erfahren. Die Brücke war nun wirklich eine Europa-Brücke. Man sieht: Tempora mutantur et nos. Danke für Ihre Geschichte. Wilhelm Mensing, Bonn

           

          Kein Zwangsbeitrag

          Zum Leserbrief „Redaktionen zusammenlegen?“ von Professor Dr. Gerhard Dambmann (F.A.Z. vom 12. Juli): Professor Dambmann übersieht in seinem Leserbrief, dass weder die F.A.Z. noch die Süddeutsche Zeitung noch die Zeitung Die Welt mit Zwangsbeiträgen finanziert werden. Als 1965 das ZDF eingeführt wurde, gab es nur eine ARD mit ihren regionalen Sendern, die aber keine eigenständige Vollversorgung anboten. Ab 20 Uhr gab es nur noch einheitlich die ARD. Auch private Sender gab es damals in Deutschland nicht. Heute kann jeder wählen, ob er die Serien oder Talkshows im öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder bei den Privaten sehen will. Niveauunterschiede kann ich nicht erkennen. Im Gegenteil: Gerade das ZDF lässt sich vor den Karren der Genderisten spannen. Es wäre also schon überlegenswert, ob wir in Deutschland nicht mit einem öffentlich-rechtlichen Sender auskämen. Heinz Keizer, Unterwössen

           

          Rauschgifte unter Aufsicht stellen

          Zu „Bin betrunken, brauche Blut“ von David Klaubert (F.A.Z. vom 3. Juli): Kokain oder andere Rauschgifte werden in Zukunft die Infektionskrankheiten in Hinblick auf Todesfälle insbesondere unter der Jugend ersetzen. Unser Staat, der sich sonst um alles kümmert, muss irgendwie reagieren! Wenn der Handel und Umgang mit Rauschmitteln ernsthaft verfolgt werden soll, muss auch der Konsument bestraft werden können. Und zwar so schwerwiegend, dass der Polizei ein Druckmittel bereitsteht, um die Lieferkette zu den Importeuren zurückzuverfolgen. Dazu gehören flächendeckende Drogentests zum Beispiel an Schulen oder in Diskotheken. Eine entgegengesetzte Möglichkeit wäre die Freigabe aller Rauschgifte unter Aufsicht und mit Wertabschöpfung durch den Staat selbst, wie es bei Alkohol und Nikotin der Fall ist. Auf diese Weise wäre dem Verbrechertum die Geschäftsgrundlage entzogen. Die optimale Vorgehensweise ist wohl eine Kombination beider Verfahren, indem die einzelnen Substanzen in zwei Klassen der Gefährlichkeit nach eingeteilt werden. Dr. Manfried Heinrich, Pinneberg

          Topmeldungen

          Traute Runde (von links): Heinz Göldner, Helmut Thümmel, Elisabet Thümmel, Dieter (Dietrich) Klos, Ursula Pischmann und Brigitta Lehmann-John.

          Serie „Besuch beim Wähler“ (5) : Hart am Wasser

          Die Senioren des Dresdner Kanusportvereins haben ihre Leidenschaft über die Zeitenwende gerettet – über Politik reden sie lieber nicht, denn da fliegen schnell die Fetzen.
          Rain Man: Robert Habeck gibt im Wahlkampf alles

          Fraktur : Und ewig währt das Kämpfen

          Das Leben ist ein ewiger Kampf, ob um Olympiagold gekämpft wird oder gegen den inneren Schweinehund. Robert Habeck kämpft sogar im durchnässten Outfit.

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