Leserbriefe vom 17. April 2024
Die Bedeutung der Rechtschreibung
Zu dem Artikel „Die letzten Fehlerquotienten im Bildungssystem“ von Heike Schmoll in der F.A.Z. vom 13. April: Mit der Abschaffung der Fehlerquotienten in den schriftlichen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler wird in Schleswig-Holstein eine weitere Bastion objektivierter Leistungserhebung und -bewertung im staatlichen Schulsystem geschliffen. Damit wird den jungen Menschen eine wichtige Rückmeldung in der Beurteilung ihres aktuellen Leistungsstandes genommen.Nicht nur im Fach Deutsch, sondern in allen Fächern, in denen erst der orthographisch korrekte Satz eine Verständigung ermöglicht – und das sind alle Fächer –, wird von politischer Seite erheblicher bürokratischer Aufwand für die Lehrkräfte erzeugt, der in Form eines „Analysebogens“ die Rechtschreibfehler in den schriftlichen Arbeiten aufarbeiten soll. Neben Gutachten, Förderplänen, Berichten, Begründungen von Noten, Elternbriefen, Stellungnahmen und anderen bürokratischen „Erfordernissen“ wird eine weitere Dokumentation eingefordert. Ein Punktabzug wegen orthographischer Fehler wird gleichzeitig in vielen Bundesländern untersagt. Die Folge wird sein, dass den jungen Menschen die Bedeutung der Rechtschreibung nicht mehr beigebracht wird. Schriftlichkeit wird zunehmend beliebig, eine grundlegende Kulturtechnik wird dem Zeitgeist und der mangelhaften Bereitschaft der politisch Verantwortlichen zur Durchsetzung von bisher unstrittigen bewährten Normen geopfert. Aus vielen Gesprächen mit aktiven Lehrkräften ist immer wieder die Frage zu hören, wie weit das Niveau denn noch sinken soll. Die Bildungspolitiker scheint das wenig zu interessieren, solange die Elternschaft nicht gegen Schulabschlüsse protestiert, die grundlegende Fähigkeiten und Könnensnachweise nicht mehr einfordern. Bleibt zu hoffen, dass Hessen die Regelung zu den Fehlerquotienten beibehält, zumal der ehemalige Kultusminister Lorz die Meinung vertrat, dass es einheitliche Abituranforderungen ohnehin nicht geben wird.
Dr. Ulrich Wilhelmi, Studiendirektor a. D., Idstein
