https://www.faz.net/-gpf-adsfn

: Leserbriefe vom 16. Juli 2021

  • Aktualisiert am

Das Licht der untergehenden Sonne spiegelt sich in der Glasfassade der Europäischen Zentralbank (EZB). Bild: dpa

Die Macht der Zentralbanken +++ Béla Rethy +++ Wirtschaftspolitik nach Corona +++ Finanzindustrie

          5 Min.

          Für ein enges Mandat

          Zu den Beiträgen von Gerald Braunberger „Überforderte Giganten“ (F.A.Z. vom 26. Juni) und „Der Kompass der Geldpolitik“ (F.A.Z. vom 3. Juli): In Zeiten der grünen und digitalen Transformation der Wirtschaft stehen die Politik und die Zentralbanken vor gewaltigen, nur konzertiert zu lösenden Aufgaben. Die Geldpolitik steht – wie Gerald Braunberger betont – angesichts stark gewachsener, nicht einfach zu überwachender Finanzmärkte und gewaltiger Geldvermögen, aber auch angesichts des riesigen Schuldenberges und der gigantischen Anleihekaufprogramme vor neuartigen großen Herausforderungen, und die Versuchung ist groß, das Mandat etwa der EZB zu erweitern. Doch gut gemeint ist nicht auch gut gemacht. Eine solide, am Anspruch der Geldwertstabilität ausgerichtete Geldpolitik, die Vertrauen schafft und den Wirtschaftsakteuren Planungssicherheit bietet, ist zweifellos nicht alles; aber alles ist nichts ohne solide Geldpolitik. Damit und mit einer sorgfältigen Bankenaufsicht, die ein zu lasches Risikomanagement verhindert, ist etwa die EZB mehr als gut ausgelastet. Dies ist ihre Kernkompetenz. In einem stabilen Umfeld lassen sich die Investitionen für die grüne und digitale Transformation am besten kalkulieren und zügig realisieren. Indessen: Den Masterplan für die Transformation unserer Wirtschaft, aber auch den Umgang mit den Schuldenbergen müssen die Regierungen zusammen mit den Parlamenten entwickeln. Wenn die EZB immer mehr in diese Prozesse einbezogen wird, offenbart dies nicht zuletzt mangelnden Mut der Politik, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Die Politik kann sich jedoch nicht aus der Verantwortung herauswinden, um dann bei den im Transformationsprozess unvermeidlichen temporären Rückschlägen den Sündenbock in der Zentralbank zu finden. Dr. Robert Fieten, Köln

           

          Ein trauriger Teddybär

          Michael Hanfeld hat jetzt über Sportkommentatoren bei der Fußball-Europameisterschaft geschrieben (F.A.Z. vom 8. Juli), zumal über Béla Rethy. Den mag er nicht. Der habe im Spiel Italien gegen Belgien die Italiener nicht auseinanderhalten können. Habe ich auch nicht, die Tätowierungen sehen alle irgendwie gleich aus. Nur Donnadoria – oder wie der heißt – erkenne ich auf Anhieb. Nein, Béla Rethy, der immer wie ein trauriger Teddybär daherkommt, ist mir lieber als die meisten anderen, als Florian Nass zum Beispiel, der das Spiel England gegen Deutschland kommentiert hat und ein gutes Spiel von den Deutschen gesehen haben will. Haben wir alle nicht gesehen, er aber schon. Und um die Bedeutung seiner Rede ins Unermessliche zu steigern, unterteilt er gern die Sätze und macht hinter jedem Wort oder gar hinter jeder Silbe eines Wortes eine Bedeutungspause: ü – ber – ra – gend. Das kann man ja mal machen, aber wenn man es ständig macht, geht es einem gehörig auf den Keks. Außerdem kennt er nicht den Satz: Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen (Abitur vermutlich in Hessen). Nun ist er in Frankreich bei der Tour de France und unterteilt dort die Sätze und Wörter. Wieso Michael Hanfeld meint, Prince Boateng lobend hervorheben zu sollen, weiß ich auch nicht. Abgesehen davon, dass wir diese Experten nicht nötig haben – wir sind ja schließlich selbst alle Experten – , finde ich nur dessen stylische Ausdrucksweise bemerkenswert, die uns diesen wunderbaren Heiterkeitsausbruch von Almuth Schult beschert hat. Wie hat sie mir da aus dem Herzen gelacht! Über Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger will ich mich nicht äußern. Die sind beide zu hübsch, als dass ich meine Aufmerksamkeit auch noch auf den Inhalt ihres Geplauders richten könnte. Zurück zu Béla Rethy und damit zu einem Vorrundenspiel der Österreicher. Die Namen der österreichischen Spieler kannte Rethy aus dem Effeff. Besonders einer hatte es ihm angetan. Der spielte auf der linken Seite (seinen Namen weiß ich nicht mehr) und brachte immer wieder – erfolglos – Flanken in den Strafraum. Das regte Béla Rethy zu folgender hübscher Bemerkung an (sinngemäß): Er ist schon 35, und es ist sein erstes großes Turnier, da will er besonders häufig flanken. Ich mag Béla Rethy. Wolfgang Krüger, Karlsruhe

           

          Auf den Schreibtisch

          „Kluge Köpfe braucht das Land“ und eine Zeitung, in der diese Autoren zu Wort kommen. Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert. Der Beitrag „Rückkehr zur Marktwirtschaft. Warum Deutschland den Verführungen des „neuen ökonomischen Denkens“ widerstehen sollte“ von Gabriel Felbermayr, Lars P. Feld, Clemens Fuest, Veronika Grimm, Christoph M. Schmidt und Volker Wieland in „Ordnung der Wirtschaft“ (F.A.Z. vom 9. Juli) sollte jedem Politiker auf den Schreibtisch gelegt werden, gerade jetzt im Wahljahr. Soweit mir verfügbar, sind diese Anforderungen der Autoren in keinem Wahlprogramm enthalten. Anforderungen an die Stärkung marktwirtschaftlicher Mechanismen: Markt vor Staat, Anreize statt Regulierung, Wertschöpfung durch Nutzung marktwirtschaftlicher Dynamik. So wird Wohlstand gesichert, sage ich als ehemaliger wirtschaftswissenschaftlicher Assistent in Köln und Lehrbeauftragter an der Uni Nürnberg-Erlangen und Anhänger und Schüler unter anderem von Alfred Müller-Armack. Noch ist Zeit bis zur Wahl am 26. September! Dr. Georg Kottmann, Bernried am Starnberger See

           

          Ohne Sicherheit keine Nachhaltigkeit

          In dem Artikel „Nachhaltige Unehrlichkeit“ (F.A.Z. vom 13. Juli) beleuchtet Inken Schönauer zu Recht ein bisher leider vernachlässigtes Thema, nämlich die Brüche und Implausibilitäten, die sich aus der von der EU mit großem Druck vorangetriebenen Nachhaltigkeitspolitik ergeben. Konkret geht es um die Definition und Umsetzung von „ESG“-Kriterien (ESG = „Environmental, Social, Governance“) als Teil des übergeordneten „Green Deal“. Hierbei wird der private Finanz- und Versicherungssektor von der Kommission als Treibriemen zur ESG-konformen Transformation der Realwirtschaft eingespannt, ohne dass dafür bislang belastbare Messpunkte vorliegen. Diese werden gerade im Rahmen der sogenannten EU Sustainable Finance Taxonomy erarbeitet, wobei die Kriterien „Social“ und „Governance“ naturgemäß besonders schwer zu fassen sind. Bisher leben hier die privaten Banken ihre jeweils eigenen, recht subjektiv gefärbten Vorlieben aus. Ein Beispiel: Nahezu jeder wird spontan zustimmen, dass Nachhaltigkeit in allen ihren wünschenswerten Facetten ohne den Zustand von Sicherheit in unserem Gemeinwesen eine Illusion wäre. Dass es bei uns also staatliche Sicherheitsorgane – Polizei wie auch Streitkräfte – gibt, die diese Sicherheit im Innern wie auch nach außen aufrechterhalten, unterliegt daher einem breiten gesellschaftlichen Konsens.

          Trotzdem gibt es viele private Kreditinstitute, die derzeit im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitspolitik alles, was mit Militär, Verteidigung und Rüstung zusammenhängt, pauschal aus ihrem Portfolio verbannen. Begründet wird dies jeweils mit vermeintlichen „Kundenwünschen“, die es aber bei genauem Hinsehen und richtiger Differenzierung vermutlich so kaum gibt. Auch die offizielle Nachhaltigkeitsdoktrin von EU und Bundesregierung – gegründet auf den 2015 beschlossenen 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – klammert die Sicherheit hier bei uns als Wert komplett aus, obwohl diese Sicherheit nach Meinung aller Fachleute keineswegs als selbstverständlich zu betrachten ist. Anderenfalls brauchten wir ja keine NATO, keine Bundeswehr und keine militärische Abschreckung. Umso mehr geht es also nun darum, bei der anstehenden Ausfüllung der EU Sustainable Finance Taxonomy die von Inken Schönauer angemahnte Ehrlichkeit auch in puncto Sicherheit anzuwenden: Ohne Sicherheit gibt es keine Nachhaltigkeit. Sicherheit gibt es aber nur mit handlungsfähigen, in unserer verfassungsmäßigen Rechtsordnung verankerten Sicherheitsorganen. Handlungsfähigkeit unserer Sicherheitsorgane gibt es wiederum nur, wenn diese adäquat ausgerüstet sind (als Faustkämpfer hätten unsere Soldatinnen und Soldaten nun einmal keine Abschreckungswirkung). Fazit: Es ist also zu fordern, dass die Aktivitäten, die der Ausrüstung unserer staatlichen Sicherheitsorgane dienen, bei der Ausfüllung der Taxonomie ehrlicherweise als positiv zur Nachhaltigkeit beitragend eingeordnet werden. Alles andere wäre unehrlich und würde der Nachhaltigkeit absehbar schaden. Dr. Hans Christoph Atzpodien, Berlin

          Topmeldungen

          Rain Man: Robert Habeck gibt im Wahlkampf alles

          Fraktur : Und ewig währt das Kämpfen

          Das Leben ist ein ewiger Kampf, ob um Olympiagold gekämpft wird oder gegen den inneren Schweinehund. Robert Habeck kämpft sogar im durchnässten Outfit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.