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: Leserbriefe vom 13. Juli 2021

  • Aktualisiert am

Studentinnen und Studenten in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin Bild: dpa

Rückkehr in den Hörsaal +++ Positive Erfahrungen mit der katholischen Kirche +++ Antisemitismus +++ Franziska Giffey +++ Gendern

          5 Min.

          Lasst uns in den Hörsaal!

          Zum Leserbrief „Sprachlose Hochschullehrer“ (F.A.Z. vom 14. Juni): Dr. Hansjörg Schmidt beschreibt die Situation zutreffend. Seinen Leserbrief will ich zum Anlass nehmen, meine Stimme als Student zu erheben: Seit über einem Jahr studiere ich von meinem Schreibtisch aus; wie es sich anfühlt, wenn ein Professor einen Hörsaal für sich einnimmt und seine Begeisterung für sein Fach auf die Studenten überträgt, kann ich nur noch vage erinnern.
          Dass die Präsenzlehre zu Beginn der Pandemie ausgesetzt wurde, war notwendig und richtig, aber nun ist es an der Zeit, dass man uns die Rückkehr in den Hörsaal ermöglicht! Dass daran mit Hochdruck gearbeitet wird, ist aber nicht zu spüren, vielmehr scheinen manche kein Problem mit einem digitalen Wintersemester 2021/22 zu haben. Leider, und auch hier ist Dr. Hansjörg Schmidt zuzustimmen, empfinden einige Hochschullehrer die derzeitige Situation darüber hinaus als bequemen Ausweg, der Lehre zu entgehen. Von dieser Seite können wir uns wohl höchstens teilweise Unterstützung erhoffen. Aber Studieren ist das nicht! Auf meine Generation kommen schwierige Fragen zu, deren Beantwortung man insbesondere von den gut Ausgebildeten erwarten wird. Daran sollte denken, wer kein Problem darin sieht, wenn wir Studenten noch länger am heimischen Schreibtisch vergessen werden und vom realen Leben unangetastet bleiben. Was in den Schulen geht, muss auch an den Universitäten möglich sein!
          Gideon L. C. Abele (Student an der Eberhard Karls Universität Tübingen)

           

          Nicht die ganze Wahrheit

          Zu den Berichten über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche: Bereits vor Jahren war ich beruflich mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche befasst. Das schwere Leid der Opfer und die Schuld der Täter und Verantwortlichen sind erschütternd und nicht zu relativieren.
          Zugleich ist dies nicht die ganze kirchliche Wirklichkeit. Ich bin Jahrgang 1953 und habe meine kirchliche und religiöse Identität in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt. Dabei bin ich als Kind und Jugendlicher Priestern begegnet, deren Glaubwürdigkeit, Authentizität und Menschenfreundlichkeit mir einen lebenszugewandten, befreienden christlichen Glauben ermöglichten. Selbst bei der viel gescholtenen Beichtvorbereitung standen Befreiung und Vergebung derart im Vordergrund, dass sie keinem skrupulösen Gewissen Vorschub leistete. Ich bin in Vierteln aufgewachsen, in denen kein Sportverein, keine Jugendorganisation Interesse an uns Jugendlichen zeigte. Nur die Pfarrer der katholischen Gemeinden investierten in uns Zeit, Sympathie und Geld und stellten uns Räume zur Verfügung, in denen wir uns selbst erproben, Fehler machen und wieder Neues versuchen konnten. Nach einem völlig misslungenen Projekt gestand ich einem der Pfarrer einmal unser Scheitern. Seine Reaktion bestand in der Frage: Was wollt ihr denn Neues probieren? Auf meinen Einwand, das werde die Gemeinde vermutlich wieder Geld kosten, antwortete er: Für Gutes ist immer Geld da. Nie trat mir ein Priester zu nahe, nie war ich irgendwelchen Avancen ausgesetzt, der körperliche Kontakt beschränkte sich aufs Händeschütteln bei der Begrüßung. Meine kirchliche Erfahrung als Kind und Jugendlicher gehört zum Wertvollsten, das mir auf den Lebensweg mitgegeben wurde. Auch solche positiven Erfahrungen gehören zur Wirklichkeit der katholischen Kirche, erst damit wird das Bild vollständig. Mario Junglas, Berlin

           

          Diskussion über Antisemitismus

          „Es ist entsetzlich, wie in Deutschland gegen Juden gehetzt wird“, Interview mit Felix Klein in der F.A.Z. vom 17. Mai: Das Interview mit dem Bundesbeauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schwer es Repräsentanten des deutschen Staates fällt, den muslimischen Antisemitismus zu benennen, selbst angesichts der aktuellen Fotos von propalästinensischen Demonstrationen, die eigentlich gar keinen anderen Schluss zulassen. Bereits mehrfach wurde in dieser Zeitung auf die erheblichen Zweifel an der Statistik des Bundeskriminalamtes hingewiesen, ob sie den muslimischen Antisemitismus richtig erfasst. Klein hat diese Zweifel nicht und verteidigt die Statistik des BKA: Zwar hört auch er aus der jüdischen Gemeinschaft, „dass die vom Bundesinnenminister vorgestellte Statistik nicht der persönlichen Erfahrung entspricht“, am Ende hält er es aber für ausreichend, wenn das BKA fortlaufend prüft, „ob es Änderungsbedarf bei der Erfassung gibt“. Auch seine Feststellung, beim muslimischen Antisemitismus handele es sich um „im Grunde nichts Neues“, empfinde ich als abwiegelnd. Es würde der Diskussion über den Kampf gegen Antisemitismus gut tun, wenn Repräsentanten des deutschen Staates damit aufhören würden, den Antisemitismus muslimischen Ursprungs der deutschen Bevölkerung in die Schuhe zu schieben. Dr. Hans-Peter Basler, Frankfurt am Main

           

          Versagen der Doktormutter

          Zum Artikel „Gipfelsturm ohne Sicherheitsnetz“ von Jochen Zenthöfer (F.A.Z. vom 16. Juni): Gewiss, die Freiheit von Forschung und Lehre ist ein sehr hohes, unbedingt schützenswertes Gut – aber auch ihr sind Grenzen gesetzt, beispielsweise durch wissenschaftliche Standards und die Verantwortung, die ein Hochschullehrer gegenüber Studenten, Diplomanden und Doktoranden hat.
          Die Doktormutter von Franziska Giffey hat als Wissenschaftlerin und akademische Lehrerin auf der ganzen Linie versagt: Sie hätte erkennen müssen, dass Frau Giffey fachlich und wohl auch, was ihre zeitliche und organisatorische Belastbarkeit anlangte, mit der Erstellung einer Dissertation überfordert war, sie hätte bereits während der Anfertigung der Arbeit durch regelmäßigen Austausch und strenge Kontrolle der Doktorandin beratend und korrigierend zur Seite stehen müssen, und sie hätte schließlich bei der Begutachtung der fertigen Arbeit feststellen müssen, dass diese inhaltlich den wissenschaftlichen Anforderungen an eine Doktorarbeit nicht genügt und zahlreiche nicht zulässige „Anleihen“ in der einschlägigen Literatur gemacht hat. (Oder kennt sie sich auf diesem Gebiet etwa selbst nicht aus?).
          Die Verleihung des Prädikats „magna cum laude“ ist ein Hohn, der diesem ganzen missglückten Verfahren das i-Tüpfelchen aufsetzt. Wir haben ja lernen müssen, dass eine Rüge im Berliner Hochschulgesetz nicht vorgesehen ist – für dieses Versagen der Doktormutter wäre sie aber in jedem Fall angemessen. Professor Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin

           

          Muss das sein?

          Zum Thema Gender(n): Auch wenn die weiter zunehmende Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich gegen das Gendern von Sprache stellt, gendert Professor Dr. Claus Kleber in der ZDF-Nachrichtensendung „heute journal“ unverdrossen weiter. Dabei wirkt der eingesetzte Glottisschlag – um das Gendersternchen zu betonen oder den innenwörtlichen Doppelpunkt – lächerlich bis unerträglich. Er stört die Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer erheblich, die sich auf die Nachrichteninformation konzentrieren wollen, nicht aber auf Klebers Glottisschlag, über den der versierte Fernsehmoderator gelegentlich selbst stolpert. Teilweise gar nimmt dieser Sprechversuch makabre Züge an – worunter die Nachrichteninformation leidet, in den Hintergrund abwandert oder gar verschwindet. Soll’s das sein? Darf das passieren? Müsste dies der Nachricht gegenüber nicht als „kontraproduktiv“ gelten? Beispiel: Als über die Nachfolge des ZDF-Intendanten berichtet wurde, sprach Claus Kleber mit Glottisschlag von „Bewerber:innen“ – dabei hatten sich nach ZDF-Beitrag allein ein Mann und eine Frau um diese Stelle beworben. Hätte es also nicht korrekt heißen müssen (?): „Bewerber:in“? Wie schnell kann es dahin kommen, dass Falschinformation transportiert wird – alles um des lieben Glottisschlages willen? Wer gendert, sollte sich zuvor aus Gründen der Redlichkeit mit der dahintersteckenden Gender-Ideologie auseinandergesetzt haben und sich fragen (lassen), ob er diese Ideologie unterstützen will und kann. Von dem allen abgesehen, sollte man/frau auch in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten beachten und berücksichtigen: Die deutsche Sprache unterliegt einem amtlich festgelegten, verbindlichen Regelwerk, das nicht nach eigenem Ermessen und Gutdünken, nach eigenem Gusto verändert werden kann und darf!
          Dr. Hans-Gerd Krabbe, Achern

          Topmeldungen

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