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Brexit-Kommentar : Junckers Selbstkritik

Junckers Gesten an die Briten war freundlich. Aber die Wähler haben entschieden. Daraus kann nur eine Konsequenz gezogen werden.

          Das sind Töne der Zerknirschtheit und der Selbstkritik: EU-Kommissionspräsident Juncker empfindet den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU als Katastrophe, als Niederlage, „die wir uns alle anheften müssen“. In vierzig Jahren habe man den Briten nicht Gelegenheit gegeben, sich in der EU wohl fühlen zu können; was die Briten nach eigenem Dafürhalten nicht taten.

          Junckers Einsicht hat eine doppelte Konsequenz: „Man“, wer immer sich so angesprochen fühlt, muss auf Besonderheiten, Empfindlichkeiten und Traditionen der Mitgliedstaaten Rücksicht nehmen, damit deren Bürger das Gefühl haben, dass es eine gute Sache ist, „dazuzugehören“.

          Und wenn der Brexit tatsächlich nur Verlierer kennt, wenn die Austretenden verlieren und die Bleibenden, dann sind die Brexit-Verhandlungen so zu führen, dass die Verluste so gering wie möglich bleiben.

          Es ist eine freundliche Geste, den Briten zu bedeuten, sie könnten es sich ja wieder anders überlegen. Aber da die Wähler nun mal entschieden haben, wie sie entschieden haben, muss der Blick nach vorn gerichtet werden: auf eine vernünftige, gute Partnerschaft.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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