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Brasilien : Hunderttausende fordern Rousseffs Amtsenthebung

  • -Aktualisiert am

Demonstration auf dem Freiheitsplatz in Belo Horizonte Bild: AFP

„Dilma raus“ - Hunderttausende Brasilianer gehen auf die Straße und machen ihrem Unmut über Präsidentin Rousseff Luft.

          In mehr als zweihundert Städten Brasiliens haben am Sonntag Hunderttausende gegen die Präsidentin Dilma Rousseff von der linken Arbeiterpartei (PT) demonstriert. Zu den Protesten hatten unabhängige Bürgerorganisationen aufgerufen. Bei einem ersten nationalen Protesttag Mitte März waren landesweit rund zwei Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Ein weiterer Protesttag im April fand mit rund einer halben Million Demonstranten weniger Zulauf. Auch beim jüngsten Protesttag vom Sonntag schienen weniger Menschen dem Aufruf zu Demonstrationen zu folgen als noch im März.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Erstmals unterstützten auch die größte Oppositionspartei PSDB sowie kleinere Parteien der Opposition die Protestmärsche. Auch Senator Aécio Neves von der PSDB, der bei der Präsidentenwahl vom Oktober als Oppositionskandidat der Amtsinhaberin Rousseff knapp unterlegen war, nahm an dem Protest teil. Viele Demonstranten trugen – wie schon bei den Protesttagen vom März und April – das gelbe Trikot der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft und schwenkten die Nationalflagge. Auf Plakaten und Transparenten wurde der verbreiteten Forderung nach einem Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff Ausdruck verliehen. Außerdem wurde die Inhaftierung des früheren Präsidenten Luis Inácio Lula da Silva von der PT gefordert. Gegen Lula wird wegen Einflussnahme zugunsten des Großunternehmens Odebrecht ermittelt, von dem sich der ehemalige Präsident nach dem Ende seiner Amtszeit zu Reisen ins Ausland hatte einladen lassen.

          Obwohl sich die wirtschaftliche Lage seit März verschärft hat und die politische Krise in Brasília wegen des Korruptionsskandals beim halbstaatlichen Öl- und Gaskonzern Petrobras fortdauert, scheint ein vorzeitiges Ende der Herrschaft Rousseffs weiter unwahrscheinlich zu sein. Zuletzt sprach sich das einflussreiche Medienunternehmen „Globo“, das Rousseff und die PT gewöhnlich scharf kritisiert, gegen eine Amtsenthebung aus. In Brasília zeichnet sich zudem eine bessere Zusammenarbeit der PT mit ihrem wichtigsten Koalitionspartner, der rechtszentristischen Partei PMDB, zur Durchsetzung von Sparpaketen und Reformen ab. Am Samstag traf sich Rousseff in Brasília mit ihrem Amtsvorgänger und Mentor Lula, um über Wege aus der Krise zu sprechen. Lula hat der Präsidentin dem Vernehmen nach empfohlen, bei Reisen durch das Land um politische Rückendeckung zu werben. Demonstrationen von Anhängern Rousseffs sind für Donnerstag in mindestens neun Städten geplant.

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